Gaworzyce

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Gaworzyce
Wappen von Gaworzyce
Gaworzyce (Polen)
Gaworzyce
Gaworzyce
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Niederschlesien
Powiat: Polkowice
Geographische Lage: 51° 38′ N, 15° 53′ OKoordinaten: 51° 37′ 41″ N, 15° 52′ 50″ O
Einwohner: 1500 (2006)
Postleitzahl: 59-180
Telefonvorwahl: (+48) 76
Kfz-Kennzeichen: DPL
Gmina
Gminatyp: Landgemeinde
Gminagliederung: 13 Schulzenämter
Fläche: 76,99 km²
Einwohner: 4009
(31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 52 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 0216022
Verwaltung
Gemeindevorsteher: Jacek Marek Szwagrzyk
Adresse: ul. Okrężna 85
59-180 Gaworzyce
Webpräsenz: www.gaworzyce.com.pl



Gaworzyce (deutsch: Quaritz, 1937–1945 Oberquell) ist ein Dorf im Powiat Polkowicki (Polkwitzer Distrikt) der polnischen Woiwodschaft Niederschlesien. Das Dorf ist Sitz der gleichnamigen Landgemeinde.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quaritz westlich von Glogau auf einer Landkarte von 1905

Die Ortschaft liegt in Niederschlesien am südwestlichen Rand des Schlesischen Landrückens (Dalkauer Berge), etwa 15 Kilometer westlich von Glogau.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühere evangelische DorfkircheB
Katholische Dorfkirche

Die als Straßenangerdorf angelegte Ortschaft Quaritz wurde vermutlich um 1230 nach deutschrechtlicher Norm angelegt, denn das Nachbardorf Klopschen war schon 1226 nach flämischen Hufen vermessen. 1276 wurde ein Schulze von Quaritz namentlich genannt. Vor 1291 wurde Theodoricus von Quaritz Lokator und erster Vogt der Ortschaft, die um 1315 44 kleine Hufe umfasste.[2]

Das Dorf wechselte häufig den Besitzer; 1699/1600 verkaufte es Kaiser Rudolf II dem bevollmächtigte Hauptmann des Saganer Fürstentums Wenzel von Zedlitz als Erbgut,[2]

Im Jahr 1604 empörten sich die Bauern von Quaritz gegen ihren Grundherrn Wenzel Zedlitz aus Schönau, weil dieser auf ihren Viehweiden ein neues Vorwerk hatte errichten lassen und ein anschließender Rechtsstreit vermutlich zu ihren Ungunsten ausgegangen war. Um die Bauern zur Raison zu bringen, ließ die Glogauer Landeshauptmannschaft ein aus Bürgern der umliegenden Städte zusammengestelltes Exekutionskorps gegen sie vorrücken, die sich auf dem Friedhof sogar mit einem Geschütz verschanzt hatten. Die Bürger weigerten sich jedoch, gegen die Bauern Gewalt anzuwenden. Am 24. Dezember versuchte der Gutsherr einen eigenen bewaffneten Einfall in den Ort, wurde von den Bauern jedoch zurückgeschlagen. Die Angelegenheit ruhte dann zwei Jahre lang bis zum 19. Juli 1606, als die Stände des Fürstentums Glogau einen bewaffneten Vermittlungsversuch unternahmen, ihre Unterhändler jedoch unverrichteter Dinge abziehen mussten. Als auch ein Befehl des Bischofs und Landeshauptmanns vom 13. September, die Bauern in Haft zu nehmen, sich nicht durchsetzen ließ, wurde am 30. Oktober durch ein öffentliches Patent die Acht über sie verhängt. Auf diese Maßregel reagierten die Bauern jedoch nur damit, dass sie das neue Vorwerk abrissen. Der Hof zu Glogau rief schließlich kaiserliche Truppen aus Ungarn herbei, die Ende Januar 1607 eintrafen und in der Nacht zum 1. Februar 1607, einen Tag vor Mariä Lichtmess, Quaritz erstürmten, wobei dreizehn Bauern zu Tode kamen.[3][4]

Seit 1694 befand sich Quaritz im Besitz der Freiherren v. Tschammer.[2][5] Das Schloss zu Quaritz hat 1706 Georg Caspar v. Tschammer bauen lassen.[2] Bis ins 19. Jahrhundert wurde hier die niedere Gerichtsbarkeit von einem Patrimonialgericht wahrgenommen, das seinen Sitz im Schloss Quaritz hatte.[6] Im Jahr 1790 wir Quaritz als Marktflecken und als größtes Dorf im Kreis Glogau bezeichnet.[2]

1945 war die Ortschaft ein Marktflecken im Landkreis Glogau in der Provinz Niederschlesien des Deutschen Reichs.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Region im Frühjahr 1945 von der Roten Armee besetzt. Kurze Zeit später wurde die Ortschaft unter polnische Verwaltung gestellt. Die Polen führten für Quaritz die Ortsbezeichnung Gaworzyce ein. In der Folgezeit wurden die Bewohner von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde aus Quartitz vertrieben und durch Polen ersetzt.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Anmerkungen
1790 1.171 bei 263 Feuerstellen[2]
1846 1.911 davon 1.843 Evangelische[7]
1933 1.739 [8]
1939 1.720 [8]

Kirchspiel bis 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirchengemeinde war im 16. Jahrhundert im Zuge der Reformation zum evangelischen Glauben übergetreten. Auf Veranlassung des Gutsherrn Zedlitz, der evangelisch war, übernahm die evangelische Gemeinde die bisherige katholische Kirche. Am 9. Januar 1654 wurde die Kirche weggenommen und das Abhalten evangelischer Gottesdienste durch Vertreibung des Pastors Königs unterbunden. Die evangelische Gemeinde von Quaritz musste sich an die Kirche in Glogau halten. Nachdem Friedrich der Große 1741 die freie Religionsausübung wiederhergestellt hatte, erhielt Quaritz im selben Jahr wieder einen evangelischen Pastor, und es wurde eine evangelische Kirche gebaut, die 1743 eingeweiht wurde. Es handelte sich um einen massiven Bau mit Schindeldach ohne Turm.

Vor 1945 war die Bevölkerung von Quartitz überwiegend evangelisch, und am Ort gab es nur wenige Katholiken. Quaritz war Zentrum einer Parochie.

Quaritzer Spukgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Siebenjährigen Krieg erlangte das Dorf Quaritz einen Bekanntheitsgrad durch die Quaritzer Spukgeschichte,[9] deren Handlungsort das Wohnhaus des Dorfpfarrers war und die in den schlesischen Sagenschatz Eingang fand.[10]

Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Landgemeinde (gmina wiejska) Gaworzyce gehören dreizehn Ortsteile (deutsche Namen bis 1945)[11] mit einem Schulzenamt (sołectwo):

  • Gaworzyce (Quaritz, 1937–1945 Oberquell)
  • Dalków (Dalkau)
  • Dzików
  • Gostyń (Gustau)
  • Grabik (Grabig, 1937–1945 Kaltenfeld)
  • Kłobuczyn (Klopschen)
  • Korytów (Karitsch)
  • Koźlice (Kosel)
  • Kurów Wielki (Groß Kauer)
  • Mieszków (Meschkau)
  • Śrem (Schrien)
  • Witanowice (Weichnitz, 1937–1945 Henzegrund)
  • Wierzchowice (Würchwitz, 1937–1945 Haselquell)

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bahnhöfe Gaworzyce und Kłobuczyn lagen an der heute hier nicht mehr im Personenverkehr betriebenen Bahnstrecke Łódź–Forst (Lausitz).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gaworzyce – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2016. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF-Dateien; 5,19 MiB), abgerufen am 29. September 2017.
  2. a b c d e f Hugo Weczerka (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten. Band: Schlesien (= Kröners Taschenausgabe. Band 316). Kröner, Stuttgart 1977, ISBN 3-520-31601-3, S. 423.
  3. Karl Adolf Menzel: Geschichte Schlesiens. Band 2: Geschichte von 1525 bis 1740, Breslau 1808, S. 353–254.
  4. Ehrhardt (1783), S. 211.
  5. Gothaisches genealogiasches Taschenbuch der freiherrlichen Häuser auf das Jahr 1863. Band 13, Gotha 1863, S. 982.
  6. W. F. C. Starke: Beiträge zur Kenntnis der bestehenden Gerichtsverfassung des Preußischen Staats. Band 2, Berlin 1839, S. 485.
  7. Friedrich Gottlob Eduard Anders: Statistik der evangelischen Kirche in Schlesien. Glogau 1848, S. 381.
  8. a b Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. glogau.html. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  9. Pierer's Universal-Lexikon. Band 13, Altenburg 1861, S. 738.
  10. Johann Georg Theodor Grässe: Sagenbuch des Preußischen Staats. Band 2: Schlesien und die Niederlausitz, Nr. 295: Das Quaritzer Gespenst.
  11. Das Genealogische Orts-Verzeichnis