Powiat

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Powiate in Polen

Der Powiat ist eine territoriale Verwaltungseinheit der zweiten Ebene der lokalen Selbstverwaltung in Polen. Der polnische Begriff powiat bedeutet wörtlich Kreis.[1] Ein Powiat entspricht flächenmäßig dem Landkreis bzw. Kreis der deutschen kommunalen Selbstverwaltung und liegt in der Verwaltungshierarchie unter der Woiwodschaft (województwo) und oberhalb der Gemeinde (Gmina). Im Durchschnitt haben Woiwodschaften 20 Powiate, die jeweils aus 5 bis 15 Gemeinden bestehen.

Die Powiate wurden 1975 aufgelöst, aber im Zuge einer Verwaltungsreform am 1. Januar 1999 wieder eingeführt, als man die Zahl der Woiwodschaften von 49 auf 16 reduzierte. Zurzeit gibt es 314 sogenannte Landkreise (powiat ziemski) und 65 Stadtkreise (powiat grodzki).

Organisation und Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verwaltungstechnisch bestehen zwischen einem Powiat und dem deutschen Landkreis Unterschiede. Beim Powiat sind die Verantwortlichkeiten wie folgt zugeordnet:

  • Legislative: Kreistag (rada powiatu). Die wörtliche Übersetzung „Rat des Kreises“ für „Rada Powiatu“ kann zu Missverständnissen führen; der „Rat des Kreises“ war ein Verwaltungsorgan in der DDR.
  • Exekutive: Kreisvorstand (zarząd powiatu) mit seinem Vorsitzenden, dem Landrat (starosta) und ihm untergeordneten Landratsamt (starostwo powiatowe), darüber auch Kreissekretär (sekretarz powiatu) und Kreiskämmerer (skarbnik powiatu). Die Exekutivbehörden werden vom Kreisrat gewählt.

Die polnischen Kreise sind also Gebietskörperschaften mit Magistratsverfassung. Sie sind ebenso wie die Gemeinden rechtlich eigenständige und eigenverantwortliche Einheiten.

Die Kreise nehmen nur die Aufgaben wahr, die von den Gemeinden als den eigentlichen lokalen Selbstverwaltungen nicht erfüllt werden können und die ihnen als Selbstverwaltungsaufgaben explizit per Gesetz zugeschrieben sind. Insofern sind sie wohl mit den Ämtern oder Verwaltungsgemeinschaften in Thüringen vergleichbar.

Stadtkreise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Städte mit Rechten eines Powiats (miasta na prawach powiatu) sind die Stadtgemeinden, die zugleich die Aufgaben der Kreise wahrnehmen. Umgangssprachlich und auch in der Rechtswissenschaft werden sie Stadtkreise (powiat grodzki) genannt.

Ihre Legislative ist die Stadtverordnetenversammlung (rada miasta) und ihre Exekutive der Stadtpräsident (prezydent miasta). Beide Organe werden vom Volk gewählt (vgl. Süddeutsche Ratsverfassung).

Beispielsweise bildet Elbląg (Elbing) einen eigenen Stadtkreis und gehört dem Powiat Elbląski (Powiat Elbing) nicht an. Das Umland der Stadt gehört als eigenständige Landgemeinde Elbląg zum Powiat.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regionalstatistik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Powiate sind in den regionalen Statistiken der Europäischen Union je nach Einwohnerzahl in NUTS 3 oder LAU 1 klassifiziert (vgl. NUTS:PL).[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte der Powiate reicht zurück bis ins 14. Jahrhundert. Das Wort Powiat leitet sich vom Litauischen powĕta (von wĕta, altertümlich für Stadt) ab.[3] Die 1795 aufgelöste Woiwodschaft Vilnius gliederte sich in fünf Powiate (Distrikte).[4] Die Woiwodschaften waren am Anfang des 19. Jahrhunderts weit größer zugeschnitten als heute und umfassten nur zwei bis fünf Powiate.[5]

Der polnische Begriff Powiat wurde im 19. Jahrhundert mit Distrikt übersetzt.[3][4][5]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. PONS Wielki słownik polsko niemiecki. Klett, Stuttgart 1966. ISBN 978-83-7608-942-3.
  2. http://europa.eu.int/comm/eurostat/ramon/nuts/codelist_de.cfm?list=nuts
  3. a b Paul Josef Schafariks: Slawische Alterthümer. Band 2, Leipzig 1844, S. 616.
  4. a b Ernst Börnschen: Geschichte Polens vom Ursprung dieses Reichs bis auf die neuesten Zeiten. Leipzig 1808, Geopraphisch-statistischer Anhang, S. 13.
  5. a b A. C. A. Friederich: Historisch-Geographische Darstellung Alt- und Neu-Polens. Berlin 1839, S. XXIX–XXXIII.