Geheimpolitik

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Geheimpolitik (auch Arkanpolitik, von lateinisch Arcana Imperii = ‚Geheimnis der Herrschenden‘ bzw. ‚Geheimnisse der Herrschaft‘) ist Politik, die sich im Geheimen, bzw. hinter verschlossenen Türen, also unter Ausschluss der Öffentlichkeit abspielt. Der Begriff umschreibt ein Handeln des regierenden Souveräns, dessen Ausmaß oder Zweck vor der Gesellschaft und der Bevölkerung geheim gehalten oder verschleiert wird (und zur Festigung der Herrschaft dienen kann).

Der staatsrechtliche Begriff stammt aus der beginnenden Neuzeit, seine Prinzipien gehen aber schon auf das Altertum zurück. Ursprünglich hierbei auf den römischen Geschichtsschreiber Tacitus, welcher von Niccolò Machiavelli mit seiner ratio status aufgegriffen worden ist.

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

These nach Norberto Bobbio[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Je höher der Verselbständigungsgrad der Bürokratie und je geringer die institutionellen Möglichkeiten zur Repräsentation und Vermittlung gesellschaftlicher Interessen- und Wertkonflikte im politischen System und zur wirksamen Kontrolle von Herrschaftspraktiken durch intermediäre Institutionen (Parteien und andere gesellschaftliche Organisationen) oder die politische Öffentlichkeit (Parlamente und Medien) sind, desto größer ist der Wirkungsraum „unsichtbarer Mächte“, d. h. der Arkanbereich „arcana imperii“ von Politik. In diesem Raum werden nach Maßgabe intransparenter (auch illegaler) Konventionen und Verfahren auf der Grundlage sektoraler und materialer Kriterien und informeller Beziehungs- und Kontaktstrukturen wirtschaftliche und politische Partikularinteressen vermittelt. Das führt in der Regel zur Herausbildung von amorphen Substrukturen politischer Entscheidungsprozesse („subgovernments“ oder „sottogoverno“), die die Prärogative parlamentarischer Repräsentativkörperschaften ebenso unterlaufen wie die Gewaltenteilung und das Öffentlichkeitsprinzip.“

Bobbio: Il Futuro della Democrazia. Una difesa delle regole del gioco[2]

Lage in demokratischen Gesellschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Demokratien mit starker Stellung der Presse ist Geheimpolitik nicht mehr im klassischen Sinn anzutreffen, sie ist vielmehr in Diktaturen ohne ausgeprägte Pressefreiheit üblich. Bei demokratischen Regierungsformen bezeichnen hingegen Bürgerrechtler mit diesem Begriff staatlich gelenkte Vorgänge, Gesetze und Institutionen, die – nach ihrer Meinung – schleichend die Bürgerrechte unter dem Deckmantel der Steigerung der inneren Sicherheit beschneiden, in ihren Einzelheiten nicht einer öffentlichen Diskussion unterliegen, nicht parlamentarisch legitimiert, sondern bürokratisch angeordnet sind und damit die Demokratie unterhöhlen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. kas.de (PDF)
  2. Bobbio: Il Futuro della Democrazia. Una difesa delle regole del gioco. 1984, S. 75–100