Geothermiekraftwerk Insheim

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Geothermiekraftwerk Insheim
Tiefenbohrung (2009)
Tiefenbohrung (2009)
Lage
Geothermiekraftwerk Insheim (Rheinland-Pfalz)
Geothermiekraftwerk Insheim
Koordinaten 49° 9′ 14″ N, 8° 9′ 12″ OKoordinaten: 49° 9′ 14″ N, 8° 9′ 12″ O
Land DeutschlandDeutschland Deutschland
Daten
Typ Geothermisches ORC-Kraftwerk mit Tiefenbohrung
Primärenergie Geothermie
Leistung 4,8 MW elektrisch
6–10 MW thermisch (optional)
Betreiber Pfalzwerke geofuture
Betriebsaufnahme 2012
Website www.geothermie-insheim.de
f2

Das Geothermiekraftwerk Insheim ist ein Geothermiekraftwerk im südpfälzischen Ort Insheim. Die Anlage wird seit dem November 2012 von der Pfalzwerke geofuture GmbH[1] betrieben. Die Anlage wandelt thermische Energie aus dem Tiefenwasser in elektrischen Strom um.

Standort[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bedingungen in Insheim sind durch die geologische Situation im Oberrheingraben, mit mehr als 160 Grad Celsius Wassertemperaturen in etwa 4000 Metern Tiefe, für die Förderung von Erdwärme besonders vorteilhaft.

Untersuchungen und Analysen im Vorfeld führten zur Auswahl des Standortes zwischen der Ortslage Insheim und der Autobahn A 65. Von 2008 bis 2012 wurden zwei Bohrungen abgeteuft und die komplette Kraftwerkinstallation vorgenommen.

Kraftwerksbetrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erzeugung des Stroms erfolgt dabei durch eine ORC-Anlage, die die Energie mithilfe des Trägermediums Isopentan auf eine Turbine überträgt.

Um die volle Auslegungsleistung der Anlage zu erreichen, wird die elektrische Leistung in den ersten drei Betriebsjahren langsam nach oben gefahren. Diese Vorsichtsmaßnahme reduziert das seismische Risiko in der Umgebung des Kraftwerks auf ein Minimum.

Das bei der Geothermieanlage in Insheim eingesetzte Verfahren nutzt die Wärme aus dem Thermalwasser, das über Tiefbohrungen gefördert und über Reinjektionsbohrungen abgekühlt ins Erdreich zurückgeführt wird. Aufgrund zu geringer Fündigkeit wurde zur Verbesserung der hydraulischen Eigenschaften ein Seitenarm (Sidetrack) gebohrt, die ursprüngliche Bohrung jedoch nicht verfüllt, so dass nun für die Reinjektion eine Bohrung mit zwei Armen zur Verfügung steht.[2] Mit einer solchen Ablenkbohrung kann sich das Wasser im Untergrund schneller und großräumiger verteilen. Dadurch ist beim Betrieb ein geringerer Druck nötig, was das seismische Risiko deutlich verringert, trotzdem kommt es weiterhin zu Erdbeben, bis zum 29. Dezember 2017 wurden 120 Beben registriert.[3]

Projektverlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Tabelle stellt die Historie[4] des Projektes dar:

Zeitraum Projektschritt
Ab Februar 2007 Planung und Vorbereitung
Ab November 2007 Beginn der Bohrplatzarbeiten
Juni 2008 bis September 2008 Durchführung der ersten Tiefbohrung
Januar 2009 bis April 2009 Durchführung der zweiten Tiefbohrung
April und November 2009, März bis April 2010 Zirkulationstests, Prüfung der Fließraten und der Temperatur des Thermalwassers
9. April 2010 10:52:22 Uhr Das stärkste in Insheim registrierte Erdbeben mit einer Magnitude von 2,4. [5]
August 2010 bis Oktober 2010 Bohrung eines weiteren Seitenarms
Ab Oktober 2010 Vorbereitungen der Bauarbeiten, Baugenehmigungen, Planung des Kraftwerks
September 2011 bis Oktober 2012 Bau des Übertrageteils
Oktober 2012 Erst-Inbetriebnahme des Kraftwerks
November 2012 Start des Kraftwerksbetriebes
Februar 2013 Betriebsunterbrechung nach Pumpenschaden[6]
Mai 2013 Wiederinbetriebnahme[7]

Kennzahlen des Geothermiekraftwerks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kennzahlen der Anlage:[4]

  • Thermalwassertemperatur: 160–165 °C,
  • Fördermenge: 50–80 l/s,
  • Maximale elektrische Leistung: 4,8 MW
  • Optionale maximale thermische Leistung: ca. 6–10 MW

Das Kraftwerk mit einer mittleren elektrischen Leistung von rund 4,3 Megawatt ist beim Erreichen der Auslegungsleistung fähig, bei etwa 8.000 Betriebsstunden im Jahr ca. 33.000 Megawattstunden elektrische Energie zu erzeugen. Rechnerisch können damit rund 8.000 Haushalte mit umweltfreundlichem Strom versorgt werden. Die Restwärme reicht aus, um zusätzlich ca. 600 bis 800 Haushalte mit Wärme zu versorgen.

Der Aufbau eines Nahwärmenetzes in Insheim wird derzeit geprüft.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Anlage unterliegt überwiegend dem Bergrecht. Bergaufsicht hat das Rheinland-Pfälzische Landesamt für Geologie und Bergbau, Mainz.

Im Februar 2013 ereignete sich wenige Tage nach der Betriebsunterbrechung ein Erdbeben der Magnitude 2,0.[6]

Am 19. Dezember 2015 führte ein Störfall mit Austritt von bis zu 600 Litern Isopentan zu einer Betriebsunterbrechung.[8]

Im Nachbarort Landau befindet sich das Geothermiekraftwerk Landau, in dessen Umgebung es zu mehreren Vorfällen wie Erdbeben und Rissen im Boden kam.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.geothermie-insheim.de, abgerufen am 10. Juni 2014
  2. Insheim bei ITG Informationsportal Tiefe Geothermie, abgerufen am 2. Juli 2014
  3. Landeserdbebendienst Rheinland-Pfalz Erdbebenereignisse-Lokal. www.lgb-rlp.de, 29. Dezember 2017, abgerufen am 29. Dezember 2017.
  4. a b http://www.geothermie-insheim.de/index.php/das-kraftwerk
  5. Landeserdbebendienst Rheinland-Pfalz Erdbebenereignisse-Lokal. www.lgb-rlp.de, 29. Dezember 2017, abgerufen am 29. Dezember 2017.
  6. a b Betrieb im Geothermiekraftwerk Insheim unterbrochen. EUWID, 28. Februar 2013, abgerufen am 16. Juni 2014.
  7. Geothermiekraftwerk Insheim wieder am Netz. ITG Informationsportal Tiefe Geothermie, 3. Juni 2013, abgerufen am 16. Juni 2014.
  8. Störung im Geothermiekraftwerk Insheim. welt.de, 19. Dezember 2015, abgerufen am 19. Dezember 2015.