Geotourismus

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Für die meisten Nutzer des Begriffs bezeichnet Geotourismus einen Teilbereich des Tourismus, bei dem es vor allem um den Besuch geologisch bedeutender Orte (Geotope u. ä.) geht. Es handelt sich also um ein Segment des Tourismus, das durch die Art des aufgesuchten Ziels (in der Tourismusforschung auch Destination genannt) – Elemente der Lithosphäre als touristische Attraktion – bzw. durch das spezifische Interesse oder die Motivation der Touristen (an der Geologie und benachbarten Themen) bestimmt ist. In der Literatur gibt es daneben noch andere Auffassungen zu dem Begriff, die in der Vergangenheit gelegentlich zu Verwirrung geführt haben.

Ziel für Betreiber von Einrichtungen des Geotourismus ist es, erdgeschichtliche und landschaftliche Besonderheiten nachhaltig zu erschließen, zu vermarkten und zu vermitteln.[1] Er wird von den Geoparks vorangetrieben.[2]

Zur Definition von Geotourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In aller Regel bezieht sich Geotourismus auf Tourismusaktivitäten, die sich auf den Besuch geologischer Stätten und Phänomene – wie z. B. Felsen, Höhlen, Kliffs, Steinbrüche und anderer Aufschlüsse, aber auch geowissenschaftlicher Lehrpfade, geologischer Museen, Bergwerke u. ä. oder auch größerer Naturräume mit besonderer geologischer Ausstattung (z. B. Vulkan- oder Karstgebiete) – richten. Es handelt sich um eine spezielle Form des Naturtourismus. So schreiben Newsome und Dowling (2010): „Geotourism is a form of natural area tourism that specifically focuses on geology and landscape“,[3] und Heidi Megerle definierte 2008 Geotourismus als „…eine Sparte des Thementourismus, die auf einer Erfassung, Aufarbeitung, Inwertsetzung und Vermarktung des breiten Themenspektrums der Erd- und Landschaftsgeschichte inklusive ihrer Wechselwirkungen zu Vegetation, Fauna, Kulturlandschaftsgeschichte und zur heutigen Landschaftsnutzung durch den Menschen basiert“.[4]

Daneben taucht in der internationalen Literatur gelegentlich ein Verständnis von Geotourismus auf, das diesen weitgehend mit Ökotourismus gleichsetzt. Diese Denkrichtung wurde durch eine Initiative der US-amerikanischen Zeitschrift (und Gesellschaft) National Geographic initiiert. Diese Auffassung von Geotourismus hat sich allerdings nicht durchgesetzt, auch nicht im englischsprachigen Raum.[3]

Thomas A. Hose, der viel zum Thema Geotourismus publiziert hat, hält ebenfalls an einer eher unüblichen Vorstellung von Geotourismus fest: „The provision of interpretative and service facilities for geosites and geomorphosites and their encompassing topography“;[5] dieser Autor verwechselt seit Jahren die Definition des Begriffs mit der Darstellung der Aufgaben, die im Kontext von Geotourismus zu erfüllen sind.[6] Der Autor, der diese Kritik ausspricht, verwechselt hingegen Tourismus als Wirtschaftszweig mit der Tätigkeit des Touristen, nämlich Reisen.

Zur Geschichte des Geotourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geotourismus ist einerseits kein so neues Phänomen. Seitdem es Tourismus überhaupt gibt, haben sich Menschen zu Zielen auf die Reise gemacht, die im weitesten Sinne als "geologisch" anzusehen sind: zum Beispiel Schauhöhlen (wie die Höhlen von Postojna oder besondere Felsbildungen (wie die Loreley). Der Vesuv als aktiver Vulkan wird seit Jahrhunderten genau wegen dieses besonderen geologischen Eigenschaft besucht. Und ganze Landschaften sind wegen ihrer geologiebedingten Gestaltung attraktive Reiseziele, so das Mittelrheintal und die Karstlandschaften der Schwäbischen und Fränkischen Alb). Andererseits stellt sich natürlich bei diesen Beispielen die Frage, inwieweit das Interesse der Besucher tatsächlich auf Geologie ausgerichtet war oder einfach auf spektakuläre Sehenswürdigkeiten.

Eine stärker geowissenschaftliche Konzeption von Geotourismus entwickelte sich ab den 1980er Jahren, als der Bereich zunehmend als Betätigungsfeld für ausgebildete Geowissenschaftler entdeckt wurde. Will man verstärkt geowissenschaftliche Phänomene den Besuchern vermitteln, müssen diese entsprechend erklärt werden, sei es von ausgebildeten Reiseführern oder durch Publikationen oder Beschilderung im Gelände.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Nancy Allmrodt: Geotourismus in Thüringen: Eine Analyse der Nachfragestruktur des Nationalen Geoparks Inselsberg-Drei Gleichen. Diplomica, Hamburg 2011, ISBN 978-3-8428-6004-9.
  • Kunze, Harald: Die Effekte des Geotourismus auf die Regionalentwicklung (= Schriftenreihe der Deutschen Gesellschaft für Geowissenschaften. Nr. 86). Schweizerbarth, Stuttgart 2. Juni 2015, S. 32, doi:10.1127/sdgg/86/2015/32 (Zusammenfassung).
  • David Newsome, Ross K. Dowling (Hrsg.): Geotourism: The Tourism of Geology and Landscape. Goodfellow Publishers Ltd, Woodeaton, Oxford 2010.
  • Susanne Niklas: Geotourismus in der Praxis – dargestellt am Fallbeispiel Geopark Ries (= Zeitschrift für Tourismuswissenschaft. Band 3, Nr. 1). Lucius & Lucius, Mai 2011, ISSN 1867-9501, doi:10.1515/tw-2011-0107.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Geotope und Geotourismus. Niedersächsisches Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie, abgerufen am 13. September 2017.
  2. Geotourismus und Geoparks. Landesamt für Geologie und Bergwesen Sachsen-Anhalt, abgerufen am 13. September 2017.
  3. a b Setting an agenda for geotourism. In: David Newsome, Ross K. Dowling (Hrsg.): Geotourism: The Tourism of Geology and Landscape. Goodfellow Publishers Ltd, Woodeaton, Oxford 2010, S. 3, 4.
  4. Heidi Megerle (Hrsg.): Geotourismus. Innovative Ansätze zur touristischen Inwertsetzung und nachhaltigen Regionalentwicklung (= Geographie in Wissenschaft und Praxis. Nr. 1). 2. überarbeitete und erweiterte Auflage. Wissenschaftlicher Verlag Marc Oliver Kersting, Rottenburg am Neckar 2008, S. 25.
  5. Thomas A. Hose: Geoheritage and Geotourism. A European Perspective. The Boydell Press, Woodbridge 2016.
  6. Thomas A. Hose: Geoheritage and Geotourism. A European Perspective. The Boydell Press, Woodbridge 2016 (Rezension [abgerufen am 11. März 2018]).