Geradezugverschluss

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Der Geradezugverschluss (auch Geradzugverschluss) ist eine Bauart des Zylinderverschlusses.

Mannlicher Mehrladegewehr mit Stützklappenverschluss
Mannlicher Drehkopfverschluss 1893
Lee Navy Gewehr Modell 1895
Vergleich der Verschlüsse, oben Mannlicher, unten Schmidt-Rubin
Geradezugverschluss des K31 mit sichtbarer Schraubennut

Frühe Modelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten Gewehre mit Geradezugverschluss waren die frühen System Mannlicher-Armeegewehre (Oesterreich, Modell 1886, 1888, 1888/90). Bei diesen wurde der Rücklauf des Verschlusses mit einer Stützklappe, die sich im Verschlussgehäuse abstützte verhindert.

Die Firma Winchester Repeating Arms stellte ab 1895 ein Gewehr System Lee mit Geradezugverschluss und Kastenmagazin in etwa 20.000 Exemplaren her, von denen 15.000 Stück, das Lee-Navy Musket Mod. 1895 im Kaliber .236 USN (6 mm), an die US-Marine geliefert wurden. Bei diesem Gewehr wurde durch das Zurückziehen des Ladehebels der hinter dem Magazin im Verschlussgehäuse abgestützte Verschlussblock zum Entriegeln nach oben geklappt.

Diese und andere Systeme waren dem Zylinderverschluss nach dem Prinzip der Mauser System 98 - Waffen unterlegen, da bei ihnen keine Lockerung festgesessener Hülsen durch primäre Extraktion möglich war. Auch die mechanische Beanspruchung der ungenügend dimensionierten Verriegelungselemente sowie die zu grosse Distanz zwischen Verschlusskopf und Abstützung des Verschlusses, die beim Abschuss zu Vibrationen der Waffe führten waren einer weiteren Verbreitung dieser Systeme unzuträglich.

Geradezugverschluss auf Grundlage des Drehkopfverschlusses[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese Bauart greift auf das Verriegelungsprinzip eines Drehkopfverschlusses zurück. Dabei wird der drehbare Verschlusskopf, ähnlich wie beim herkömmlichen Zylinderverschluss, durch die Vorwärtsbewegung desselben in die Verschlusshülse eingeführt. Dies erfolgt, anders als beim Zylinderverschluss nach dem Prinzip des Mauser System 98, durch eine lineare Bewegung des Verschlussstücks, ohne die bei Repetiersystemen sonst übliche axiale Drehung mittels des Kammerstängels. Dazu ist in den Verschlusskopf eine Schraubennut eingefräst, in die ein Zapfen in der Aussenhülse des Verschlusses (System Mannlicher) oder direkt am Kammerstängel (Schmidt-Rubin) eingreift und für die axiale Drehung zur Verriegelung des Systems sorgt.

Erfolgreiche Militärgewehre nach diesem Prinzip waren die österreichischem Gewehre mit dem System Mannlicher mit Drehkopfverschluss, allen voran das Mannlicher Modell 1895 nach dem Konstrukteur Ferdinand Ritter von Mannlicher und die Schweizer Schmidt-Rubin Gewehre Mod. 1889, 1896, 1911, der Karabiner 11 und der später von Adolf Furrer entwickelte Karabiner 31 im Kaliber 7,5 × 55 mm Swiss.

Weniger Erfolg hatte das kanadische Ross-Gewehr Mod. 1905 Mk. II und Mod. 1910 Mk. III, beide wurden schon 1916 ausgemustert. Sein Verschluss konnte falsch zusammengesetzt werden, worauf er nicht richtig verriegelte, was fatale Folgen hatte.

Spätere Varianten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Moderne Formen des Geradezugverschlusses finden sich im jagdlichen und sportlichen Bereich. So entwickelte der Büchsenmacher Peter Fortner 1984 ein Biathlon-Gewehr mit einem Geradezugverschluss, der auf dem Prinzip des Rollenverschlusses aufbaut. Dieser Verschluss ermöglichte durch den vereinfachten Bewegungsablauf eine schnellere Schussfolge im Wettkampf. Die Konstruktion erwies sich als überaus erfolgreich, und bis 2007 wurden etwa 7000 dieser Waffen hergestellt.[1][2] Ziel der Entwicklung war es, den technischen Rückstand gegenüber den Biathlon-Gewehren des Herstellers Baikal (Sowjetunion) und den Gewehren des Jagdwaffenwerkes Suhl wettzumachen, deren Kniegelenkverschlüsse sehr schnelles Repetieren ermöglichten.[3] Horst Blaser entwickelte die Repetierermodellreihe Blaser R93. Von der Blaser R93 wurden seit der Markteinführung 1993 bisher (2010) mehr als 100.000 Exemplare gefertigt. Mit der Blaser R8 ist seit 2008 das Nachfolgemodell der R93 auf dem Markt.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ulrich Eichstädt, "Der Goldschmied", Visier, Das internationale Waffenmagazin, Vogt-Schildt Deutschland GmbH, 02/2007 S. 40 ff.
  2. Anschütz Modell 1827 Fortner Sprint, Geradezugverschluss mit Mehrladevorrichtung
  3. Ulrich Eichstädt, "Schnee-Kanonen, acht Biathlongewehre im Test", Visier, Das internationale Waffenmagazin, Pietsch + Scholten Verlag GmbH, 02/1993 S. 40 ff.