Gerhard Chorus

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Gerhard Chorus (auch: Ritter Chorus; * um 1285 in Aachen; † 20. April 1367 ebenda) war mehrmaliger Bürgermeister der Reichsstadt Aachen sowie Initiator und Förderer des Baus des gotischen Chors am Aachener Dom, des Neubaus des Aachener Rathauses und anderer Großobjekte.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gerhard Chorus, Sohn des Heinrich Chorus, lebte zu einer Zeit, die als Blütezeit für die Freie Reichsstadt Aachen bekannt war. In dieser Zeit hatte sich Chorus als Erneuerer und Bauherr große Verdienste um die Stadt Aachen erworben und galt als deren bedeutendste Persönlichkeit im 14. Jahrhundert. Im Zeitraum zwischen 1324 und 1346 wurde er mehrfach zum regierenden Bürgermeister gewählt, wobei manche Quellen von fünfmaligen [NDB] und andere von siebenmaligen [ADB] Amtsperioden sprechen. Urkundlich als Bürgermeister nachgewiesen ist er für die Amtsperioden 1324/25, 1327/28, 1338/39, 1342/43 und 1346/47. Darüber hinaus bekleidete Chorus in den Jahren von 1332 bis 1337 sowohl die Ämter eines Vogts und Meiers als auch die Leitung des Erbrates von Aachen. Schließlich war er noch von 1357 bis 1367 ebenso wie sein Vater Heinrich, sein möglicher Bruder Johann († um 1367) und sein Neffe Heinrich Mitglied des Schöffenkollegiums am königlichen Stuhl. Das Haus des Ritters Gerhard Chorus muss etwa gegenüber der Annakirche in Aachen, ungefähr auf dem Grundstück Annastraße 30, gelegen haben.

In seiner langjährigen Amtszeit reformierte er zunächst 1327 die Krankenhausordnung des städtischen Spitals, 1337 setzte er sich für die Freilassung gefangener Lombarden ein, die seit 1291 in Aachen als Kaufleute und Geldwechsler für Handel und Gewerbe tätig waren und war im Jahr 1338 hauptverantwortlich für die Bewirtung und Betreuung der Kaiserin Margarethe von Holland (1311–1356), der zweiten Frau von Kaiser Ludwig IV. der Bayer (1281–1347), bei ihrem Kuraufenthalt in Aachen. Dem Kaiser Ludwig und seiner Familie gegenüber war Chorus und sein Stadtrat schon seit frühester Zeit loyal verbunden, hatte er sich doch bei dessen erbittertem Kampf gegen seinen Gegenkaiser Friedrich der Schöne von Habsburg (1289–1330) stets auf die Seite Ludwigs gestellt. Auch später bei Ludwigs Auseinandersetzungen mit den Päpsten Johannes XXII. († 1334) und Benedikt XII. († 1342) hielt er ihm auf entsprechenden Reichstagen die Treue.

Im Jahre 1338 gründete er schließlich die Kurgerichtsordnung, die bis zum Ende des 18. Jahrhunderts Bestand hatte und der Aufrechterhaltung der bürgerlichen Ordnung diente. Dieses Gericht richtete sich, im Unterschied zu anderen städtischen Gerichten, die nicht auf geschriebene Satzungen zurückgreifen konnten, nach Statuten, welche die Stadt Aachen selbst erlassen hatte.

Ein weiteres Verdienst war seine Vermittlung in dem Interessenkonflikt zwischen alteingesessenen Patrizier- und Grundeignerfamilien einerseits und den Zünften der Handwerker andererseits. Dadurch kam es in Aachen nicht wie in anderen vergleichbaren Städten zu einem offenen Aufruhr. Ebenso war er im Jahre 1351 als gleichberechtigter Partner mit dem Kölner Erzbischof Wilhelm von Gennep († 1362), dem Herzog Johann III. von Brabant (1300–1355) sowie der Stadt Köln dem Landfriedensbündnis Maas-Rhein beigetreten, welches unter anderem zuständig war für die Sicherung der Händler und Pilger und später für die Handelszölle. Ferner fungierte er mehrmals als Delegationsleiter anlässlich von Reichstagen, Königswahlen und Krönungsfeierlichkeiten.

Förderer repräsentativer Bauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sein Hauptverdienst war aber eindeutig die Initiative und Förderung großer repräsentativer Bauwerke, wobei neuere Quellen (Hugo Lörsch, 1866) ihn als Bauherrn bezeichnen. So wurde der bereits vor seiner Zeit begonnene und von König Richard von Cornwall (1209–1272) anlässlich seiner Krönung im Jahre 1257 bezuschusste Bau des neuen äußeren Mauerrings fortgeführt und ausgebaut. Dies war erforderlich da der städtische Raum innerhalb der im 12. Jahrhundert von Kaiser Friedrich I. Barbarossa (1122–1190) erbauten Mauer entlang des heutigen Grabenringes für die expandierende Bevölkerung nicht mehr ausreichte. Die Bauzeit des neuen Mauerrings dauerte länger als 100 Jahre und die Mauer verlief in etwa entlang des heutigen Alleenringes und wies anfangs 11 Stadttore und 22 Türme auf.

Ebenso gilt Gerhard Chorus zusammen mit dem Stiftskapitel im Jahre 1355 als Förderer oder gar als Bauherr des gotischen Chorschiffes am Aachener Dom, welches er an der Pfalz- und Krönungskapelle Karls des Großen (747–814) anbauen ließ. Ferner war er in seiner Amtszeit als Bürgermeister und wiederum möglicherweise als Bauherr maßgeblich an dem Entschluss beteiligt, den Bau des neuen Aachener Rathauses zu verwirklichen, welches dann ab 1330 auf den Grundmauern der verfallenen Kaiserpfalz ebenfalls im gotischen Stil erbaut wurde. Die erste offiziell bekannte Nutzung des Festsaales dieses neuen Rathauses erfolgte 1349 mit einem großen Festmahl im Beisein von Kaiser Karl IV. (1316–1378). Dieser Bau war erforderlich geworden, da das bisherige alte, später Grashaus genannte Rathaus, welches im Jahre 1257 ebenfalls von Richard von Cornwall gefördert worden war, sich mittlerweile für die vielen feierlichen Anlässe als zu klein und nicht mehr repräsentativ genug erwies.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für seine Verdienste um die Stadt Aachen wurde Gerhard Chorus aller Wahrscheinlichkeit nach am 18. August 1331 in Frankfurt am Main zum Ritter geschlagen, da er ab 1332 in den Quellen von da an als Ritter Chorus bezeichnet wurde. Welche Bedeutung Ritter Chorus für seine Stadt hatte zeigt, sich in der Würdigung durch eine Gruft in der westlichen Vorhalle des Aachener Domes, die ihm nach seinem Tode zugestanden wurde: ein Privileg, das bis zu diesem Zeitpunkt bisher nur Karl dem Großen, Otto III. sowie hochrangigen Geistlichen gewährt worden war. Auf der Inschrift der Grabplatte, an deren Stelle 1843 eine Kupferplatte sowie 1910 eine Bronzeplatte trat, wurde Chorus [in lateinischer Sprache] für „seinen ritterlichen Mut, seine hochherzige Gesinnung, seine Milde gegen den Klerus, seine Liebe zur Stadt sowie die Vortrefflichkeit seiner Verwaltung“ gewürdigt.

Außerdem wurde zu Ehren des Ritters Chorus der heutige Katschhof viele Jahre lang Chorusplatz genannt, bevor dieser wieder seinen alten traditionellen Namen erhielt und stattdessen eine Seitenstraße zum Katschhof zur Ritter-Chorus-Straße erklärt wurde. Für seine Verdienste für die Stadt Aachen wurde Gerhard Chorus ferner mit einer Statue an der Rückseite des Aachener Rathauses geehrt, welche von Karl Krauß um 1895 angefertigt und im Rahmen der Erneuerung des Rathauses an der Ecke des Treppenhauses angebracht worden ist. Im Jahr 2011 ist diese Statue zusammen mit der vom gleichen Bildhauer angefertigten Figur des ebenfalls angesehenen Bürgermeisters Johann von Pont grundlegend saniert worden.[1]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Birmanns, Martin: Ritter Gerhard Chorus, Bürgermeister von Aachen. Ein Beitrag zur Geschichte der Stadt Aachen im 14. Jahrhundert. Aachen, Jacobi 1913. Gr.8°. XI, 71 S.
  • Luise Freiin von Coels: Die Schöffen des Königlichen Stuhls von Aachen von der frühesten Zeit bis zur endgültigen Aufhebung der reichsstädtischen Verfassung 1798. Kapitel 114, Seite 102–110; Urkundliche Beiträge zur Geschichte ihres Lebens und Wirkens In: Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins Heft 50, Aachen, 1928 (pdf),
  • Hugo Loersch: Aachener Chronik in den Annalen des Vereins zur Geschichte des Niederrheins und der Erzdiözese Köln, Band 17, Aachen, 1866
  • Eberhard Quadflieg: Das Haus 'Zur Hagen' in der Annastraße, in: Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins, Jahrgang 1954/55, Seite 286
  • Friedrich HaagenChorus, Gerhard. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 4, Duncker & Humblot, Leipzig 1876, S. 137 f.
  • Walter Kaemmerer: Chorus, Gerhard. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 3, Duncker & Humblot, Berlin 1957, ISBN 3-428-00184-2, S. 214 (Digitalisat).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Thorsten Karbach: Der Wind fegt Ritter Chorus vom Sockel, in: Aachener Zeitung vom 22. Juli 2011.