Kur

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Eine Kur[1] (von lateinisch cura „Sorge“, „Fürsorge“, „Pflege“; „Behandlung“, „Heilverfahren“), umgangssprachlich häufig als Synonym für „Rehabilitationsmaßnahme“ genutzt, soll sowohl der Vorsorge als auch der Stärkung einer (geschwächten) Gesundheit oder der Unterstützung der Genesung bei Krankheiten und Leiden verschiedener Art dienen. Im Vordergrund steht dabei die Anwendung ortspezifischer Heilmittel (z. B. Quellen, Peloide, Klima, Meerwasser) im Rahmen des Aufenthaltes in einem Kurort oder einem Heilbad.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon im Altertum und im Mittelalter gab es Kurorte, zum Beispiel die Asklepieia. Heilende Quellen und dergleichen sollten die Menschen damals von ihren Leiden befreien. Auch war das Tote Meer schon zu Jesu Zeiten ein beliebter Ort für Wohlhabende, welche die wohltuende Kraft des salzigen Wassers zu schätzen wussten.

Heutige Situation nach Ländern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rechtliche Grundlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den einschlägigen Gesetzen wird der Begriff „Kur“ nicht mehr verwendet;[3] lediglich in den Versicherungsbedingungen privater Krankenversicherer und einigen anderen Regelungen findet er sich noch.

Im Kurortegesetz des Landes Nordrhein-Westfalen wurde definiert: „Eine Kur dient durch wiederholte Anwendung vorwiegend natürlicher Heilmittel nach einem ärztlichen Plan der Gesunderhaltung oder Genesung des Menschen; in der Regel ist sie mit einem Ortswechsel verbunden.“[4] Oft haben Kurorte, die sich in der Regel auch in landschaftlich reizvoller Lage befinden, eigene Quellen mit Thermalwasser und sind mit vielfältigen Möglichkeiten ausgestattet, einen Patienten wieder gesunden zu lassen. Die Grundlage für Rehabilitationsmaßnahmen bei gesetzlich Kranken- oder Rentenversicherten ist das SGB IX überschrieben mit „Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen“.

Im § 6 SGB IX finden sich die einzelnen Rehabilitationsträger. Die beiden größten Rehabilitationsträger für gesetzlich Versicherte sind die Deutsche Rentenversicherung (SGB VI) und die Krankenkassen (SGB V). Neben den von den Sozialträgern durchgeführten oder bezuschussten (Reha-)Maßnahmen nehmen die privat finanzierten Kuraufenthalte an Bedeutung zu.

Arten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von der gesetzlichen Sozialversicherung werden keine Kosten für Kuren mehr übernommen. An deren Stelle sind, mit anderen Schwerpunkten, die Maßnahmen der Rehabilitation getreten.

Neben den Rehabilitationsmaßnahmen gibt es die Mutter-/Vater-Kind-Maßnahmen nach § 24 Abs. 1 SGB V. „Maßnahmen der medizinischen Vorsorge und Rehabilitation“ dienen häufig der Wiederherstellung der Arbeitskraft. Deshalb ist in diesem Fall der Hauptkostenträger die gesetzliche Rentenversicherung.

Für Menschen, die nicht (mehr) im Arbeitsleben stehen, übernehmen in der Regel die Krankenkassen die jeweiligen Maßnahmekosten, es können aber auch andere Rehabilitationsträger (zum Beispiel die Arbeitsverwaltung) zuständig sein.

Eine besondere Form der medizinischen Rehabilitation ist die so genannte Anschlussheilbehandlung (AHB) direkt nach einem Krankenhaus-Aufenthalt. Sehr oft werden Anschlussheilbehandlungen nach Operationen verordnet, damit die Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit erleichtert wird. Es ist dabei üblich, dass die Krankenversicherungen - so auch die Beihilfe für Beamte - verlangen, die AHB innerhalb von zwei Wochen nach Entlassung aus dem Krankenhaus zu beginnen. Da die Krankenversicherungen auf der anderen Seite voraussetzen, dass die Heilmaßnahme schriftlich genehmigt werden muss, um finanziert zu werden, erweist sich dieser Zeitraum oft als sehr eng. Voraussetzung für eine AHB ist die Verordnung des behandelnden Arztes im vorher besuchten Krankenhaus. Dessen ausführliche schriftliche Begründung ist dem Antrag an die Krankenkasse bzw. Beihilfestelle beizufügen. Viele Krankenhäuser verfügen über Sozialarbeiter, die für diese organisatorische Abwicklung der Beantragung und Genehmigung der AHB zuständig sind. Der Patient selbst oder Angehörige können sich ebenfalls mit dem Ziel, eine AHB zu bekommen, an den Sozialarbeiter wenden.

Zunehmend an Bedeutung gewinnen privat finanzierte Kuraufenthalte oder Maßnahmen mit Bezuschussung durch die Krankenkasse im Rahmen einer Ambulanten Vorsorgemaßnahme nach SGB V. Auch mit Bezuschussung ist der größte Teil der Maßnahme aus eigenen Mitteln zu bestreiten. Mittlerweile haben sich spezialisierte Reiseveranstalter auf die Durchführung von Privatkuren konzentriert, die ein umfangreiches Angebot für Kuraufenthalte in Deutschland, Europa und am Toten Meer organisieren.

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter "Kurheilverfahren" wird ein Aufenthalt mit Maßnahmen der Gesundheitsvorsorge verstanden. Beim überwiegenden Teil - 269.208 Aufenthalte im Jahr 2016[5] übernimmt ein Sozialversicherungsträger die Kosten, wobei je nach Einkommen ein Selbstbehalt von täglich zwischen € 8,20 und € 19,91 (Werte 2018) vorgesehen ist.[6]
Das Ziel bei Berufstätigen ist die Erhaltung der Leistungsfähigkeit, bei Pensionisten soll Pflegebedürftigkeit vermieden bzw. reduziert werden.[7] Für Erwerbstätige und Pensionisten ist der Pensionsversicherungsträger zuständig, für mitversicherte Angehörige der Krankenversicherungsträger, wobei Kuraufenthalte freiwillige Leistungen der jeweiligen Träger sind und somit auch kein Rechtsanspruch besteht.
Ein Kurheilverfahren hat als Schwerpunkt eine Indikation. Seit 2017 gibt es seitens der PVA bei Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates die "Gesundheitsvorsorge Aktiv" (GVA), welche, je nach Notwendigkeit, weitere Module wie "mentale Gesundheit" beinhaltet. Die GVA wird ab 2019 das bisherige Kurheilverfahren ersetzten.[8][9]

Eine Kur kann man sich auch jederzeit privat finanzieren und in seinem Urlaub als Kurgast die Gesundheit gezielt stärken oder zum Beispiel altersbedingte Beschwerden lindern. Der Anteil der privat zahlenden Kurgäste ist – trotz Sozialversicherung – auch heute sehr beachtlich. Alle Anwendungen in einer Kur müssen in einer Kuranstalt oder zumindest einem Kurmittelhaus erfolgen, damit eine ärztliche Aufsicht und falls nötig erste Hilfe gewährleistet ist.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Kur – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eintrag „Kur“ im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache
  2. Eintrag „Kur“ auf www.gesundheit.de
  3. http://www.kur-und-gesundheitsurlaub.de: Die Kur im Sozialgesetzbuch (u. a. § 111 SGB V)
  4. Gesetz über Kurorte im Lande Nordrhein-Westfalen (Kurortegesetz - KOG), aufgehoben durch Art. I des Gesetzes vom 11. Dezember 2007; GV. NRW. 2008 S. 8, in Kraft getreten am 8. Januar 2008.
  5. https://www.sozialversicherung.at/cdscontent/load?contentid=10008.555191&version=1507639741
  6. http://www.hauptverband.at/cdscontent/?contentid=10007.693754&viewmode=content
  7. http://www.pensionsversicherung.at/cdscontent/?contentid=10007.756534&viewmode=content
  8. http://www.pensionsversicherung.at/cdscontent/?contentid=10007.792811&viewmode=content
  9. http://www.pensionsversicherung.at/cdscontent/?contentid=10007.778886