German Longitudinal Election Study

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Die German Longitudinal Election Study (GLES) das zentrale Infrastrukturprojekt in Deutschland für die kontinuierliche Erhebung und Bereitstellung von qualitativ hochwertigen Daten für die nationale und international vergleichende Wahlforschung. Die methodisch vielfältigen Umfragen der GLES ermöglichen die Untersuchung der politischen Einstellungen und Verhaltensweisen der Wählerinnen und Wähler sowie der Kandidatinnen und Kandidaten. Bereits seit der Bundestagswahl 2009 wird die GLES in enger Kooperation zwischen der Deutschen Gesellschaft für Wahlforschung (DGfW) und GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften durchgeführt.

Ins Leben gerufen wurde die Studie 2009 von Hans Rattinger (Universität Mannheim), Sigrid Roßteutscher (Universität Frankfurt am Main), Rüdiger Schmitt-Beck (Universität Mannheim) und Bernhard Weßels (Wissenschaftszentrum Berlin). In dem Jahr 2012 kam Christof Wolf (GESIS) als Primärforscher hinzu. 2014 fand ein personeller Wechsel statt; aufgrund seiner Emeritierung verließ Hans Rattinger die Studie, seine Aufgaben wurden von Harald Schoen (Universität Mannheim) übernommen.

Zwischen 2009 und 2017 wurde das Projekt von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) als Langfristvorhaben gefördert. Während dieser Zeit konnte eine Institutionalisierung der Studie erreicht werden, so dass diese ab 2018 institutionalisiert ist und gemeinsam von GESIS und der DGfW durchgeführt wird.

Design der GLES[1][Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Den Kern der Studie bildet eine umfangreiche persönlich-mündliche Befragung einer Zufallsstichprobe der Wählerschaft, die in eine Vorwahl- und eine Nachwahlwelle aufgesplittet wird. Diese Querschnitte umfassen eine große Anzahl an Variablen, um die Hintergründe der Wahlentscheidungen möglichst weitreichend analysieren zu können. Um auch aussagekräftige Analysen von Subgruppen der Wählerschaft durchzuführen zu können, werden sie zudem mit einer großen Fallzahl durchgeführt.

Analyse kurzfristiger Dynamiken des Wahlprozesses[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mehrere Komponenten dienen der Analyse kurzfristiger Dynamiken des Wahlprozesses. Mittels einer während des Wahlkampfes durchgeführten Rolling Cross-Section-Umfrage können Veränderungen der öffentlichen Meinung als Reaktion auf Parteikampagnen und die Berichterstattung der Medien identifiziert werden. Diese Vorwahlstudie wird ergänzt durch eine Nachwahl-Panelwelle, die es auch auf der Individualebene ermöglicht, das Verhältnis zwischen Einstellungen während des Wahlkampfes und am Ende des Wahlkampfes, die tatsächliche Wahlentscheidung inbegriffen, zu untersuchen.

Da es notwendig ist, die Effekte von Kampagnen auch in der Vorwahlphase auf der Individualebene zu beobachten, wird diese Komponente durch ein Kurzfrist-Wahlkampf-Panel ergänzt, das mit Hilfe eines Online-Access-Panels realisiert wurde.

Diese beiden Umfrage-Komponenten werden durch Analysen des Wahlkontextes begleitet. Eine Inhaltsanalyse der Medienberichterstattung während des Wahlkampfes konzentriert sich auf die wichtigsten Issues, Kandidatenprofile und Bewertungen seitens der Medien, sowie mögliche Koalitionsszenarien. Aufgrund der zunehmenden Bedeutung von TV-Duellen der Spitzenkandidaten der Parteien schließt die GLES auch eine detaillierte Studie zu dem TV-Duell ein. Darüber hinaus beinhaltet die GLES eine Kandidatenstudie, um mögliche Einflüsse lokaler Wahlkämpfe von Direktkandidaten zu untersuchen.

Mit Hilfe dieser Studienteile lässt sich ein umfassendes Bild der Angebotsseite des Wahlprozesses zeichnen. Zusammen liefern die Kurzfrist-Komponenten der GLES beispiellose Einblicke in Kampagnendynamiken und Wählerorientierungen sowie in den Kontext der Wahl, wie er durch Parteien, ihre Kandidaten und die Medien bestimmt wird. Die Komponenten ermöglichen eine detaillierte und feingliedrige Auswertung der Veränderungen der Einstellungen und Orientierungen der Wähler während des Wahlkampfes – sowohl im Aggregat als auch auf der individuellen Ebene.

Beobachtung von Langfristdynamiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da der Meinungsbildungsprozess der Wähler nicht am Wahltag endet, sondern sich Einstellungen auch über den Zeitraum zwischen zwei Wahlen entwickeln und verändern, gilt es nicht bloß eine einzelne Wahl und den ihr vorausgehenden Wahlkampf zu beobachten, sondern mit verschiedenen – und untereinander verbundenen – Instrumenten mehrere aufeinander folgende Wahlen zu erfassen und die Dynamik der Interaktion zwischen Wählern und Parteien über den gesamten Wahlzyklus zu verfolgen.

In einem Langfrist-Panel – das auf dem Vor- und Nachwahl-Querschnitt aufbaut – werden dieselben Personen zu den nachfolgenden Bundestagswahlen befragt, um detaillierte Einblicke in Ausmaß und Formen elektoralen Wandels zu gewinnen. Eine kontinuierliche Langfrist-Tracking-Studie, die als Online-Befragung über den gesamten Wahlzyklus durchgeführt wird, erfasst die Dynamik der Wahrnehmungen und Bewertungen von Parteien und Politikern zwischen den Wahlen präzise und untersucht darüber hinaus den Einfluss von Second-order Elections. Ergänzt wurde das Langfrist-Tracking aus GESIS-Mitteln um eine Vorwahl-Tracking-Studie mit fünf Befragungen. Um die Hintergründe dieser Dynamik besser verstehen zu können, wird parallel eine Langfrist-Analyse der Medienberichterstattung und von Ereignissen durchgeführt. Die Verknüpfung dieser beiden Komponenten ermöglicht, Veränderungen in den Bewertungen der Parteien zu erklären. Durch den Einbezug von Second-order Elections (auf Landesebene und europäischer Ebene) kann deren Einfluss auf Bundestagswahlen analysiert werden.

Darüber hinaus wurde ein Mehrebenenpanel durchgeführt, das Befragte aus fünf Bundesländern (Brandenburg, Saarland, Sachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen) in drei Wellen jeweils zur Europawahl, zur Bundestagswahl und zur jeweiligen Landtagswahl interviewt, um Gründe für mögliche intra-individuelle Unterschiede in der Wahlentscheidung zwischen politischen Ebenen feststellen zu können (finanziert von GESIS und der Goethe-Universität Frankfurt).

Die Integration der GLES-Komponenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alle Umfragekomponenten sind durch einen Kernfragenkatalog verbunden, der durch komponentenspezifische Fragen komplettiert wird, um die einzelnen Analyseziele jeder Komponente zu realisieren. Der ähnliche zeitliche Rahmen ermöglicht zudem, die verschiedenen Komponenten miteinander zu vergleichen. Parallel zu den Umfrage-Komponenten liefert die Wahlkampf-Medieninhaltsanalyse, die Analyse des TV-Duells, die Kandidatenstudie sowie die langfristige Medien- und Ereignisanalyse kontextbezogene Informationen für die Erklärung des individuellen Verhaltens, die sich durch darauf ausgerichtete Fragen auf individuelles Verhalten beziehen lassen.

Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die im Rahmen der GLES generierten Datensätze stehen der Öffentlichkeit kostenfrei zur Verfügung und können nach der Registrierung bei GESIS im Datenbestandskatalog (DBK) heruntergeladen werden.[2]

GLES Young Researchers' Network[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die GLES hat neben der Bereitstellung qualitativ hochwertiger Daten für die wissenschaftliche Gemeinschaft das Ziel, junge Forscher zu unterstützen, indem eine Plattform für die Gemeinschaftsbildung, den wissenschaftlichen Austausch und den Aufbau von Kooperationen angeboten wird – das Young Researchers' Network (YRN). Dieses Netzwerk steht in- und ausländischen Forschern offen, die am Beginn ihrer wissenschaftlichen Karriere stehen und für ihre Dissertation oder Forschungspapiere von der GLES generierte Daten nutzen. Das Young Researchers' Network bietet seinen Mitgliedern aktuelle Informationen zur GLES und die Möglichkeit des wissenschaftlichen Austauschs mit anderen GLES-Datennutzern. Zudem haben Mitglieder die Möglichkeit, an internationalen Konferenzen im Rahmen von Panels teilzunehmen, die von der GLES organisiert werden.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. German Longitudinal Election Study (Memento des Originals vom 15. September 2013 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.gles.eu Website der German Longitudinal Election Study. Abgerufen am 27. Juni 2011.
  2. Datenbestand der German Longitudinal Election Study Website der GESIS. Abgerufen am 27. Juni 2011.