Zum Inhalt springen

Gewalt gegen Männer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Als Gewalt gegen Männer werden Gewalttaten bezeichnet, die sich aus verschiedenen Gründen gezielt gegen Männer richten. Dieser Begriff umfasst dabei sowohl häusliche Gewalt als auch außerhäusliche Gewalt gegen Männer. Neben körperlicher Gewalt, insbesondere Körperverletzungen, zählen dazu auch psychische und sexualisierte Gewalt. Das Thema der Gewalt gegen Männer wird teilweise gesellschaftlich tabuisiert, da sie der stereotypen Geschlechterrolle des Mannes als ‚starkes‘ Geschlecht widerspricht.[1]

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) der Bundesrepublik Deutschland beauftragte den Forschungsverbund „Gewalt gegen Männer“ mit einer im Juli 2004 veröffentlichten Pilotstudie, die sich mit ebendiesem Thema beschäftigt.[2][3]

Außerhäusliche Gewalt

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Autoren der Studie stellen fest, dass Männer vorrangig gefährdet sind, Opfer von körperlicher Gewalt durch andere Männer in der Öffentlichkeit zu werden.[4] Gewalt in Form von Schlägereien werde von den beteiligten Männern nicht als Gewalt wahrgenommen. Eine erhebliche Ursache dafür ist möglicherweise die unklare Grenze zwischen Opfern und Tätern. Das Gegenüber in solchen Konfrontation ist in bis zu neunzig Prozent der Fälle selbst männlich.[2] Außerhäusliche sexualisierte Gewalt ist ein breites Spektrum, welches von sexueller Belästigung über Nötigung bis zur Vergewaltigung reicht. Dieser Bereich der außerhäuslichen Gewalt ist, insbesondere im Kontrast zu oben genannten Schlägereien, mit der „Scham der Unmännlichkeit“ belastet.[3] Gerade deshalb ist dieser Bereich in weiten Teilen der Gesellschaft tabuisiert.

Häusliche Gewalt

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der oben genannten Pilotstudie von 2004 wurde jeder vierte der 200 befragten Männer in seiner aktuellen oder der vorhergehenden Partnerschaft mindestens einmal Opfer irgendwie gearteter körperlicher Gewalt. Darin sind jedoch auch „leichtere Akte“ inbegriffen, bei denen den Studienautoren zufolge „nicht eindeutig von Gewalt zu sprechen ist“.[2] Eine Verallgemeinerung auf die Grundgesamtheit aller Männer in Deutschland ist wegen der geringen Fallzahl nicht möglich. Häusliche Gewalt in homosexuellen Beziehungen von Männern kommt tendenziell häufiger vor als in heterosexuellen, so die Autoren der Pilotstudie.[2] Repräsentative Studien gab es jedoch nicht. Männliche Opfer häuslicher Gewalt können in einem Männerhaus Zuflucht finden. Sie bilden das Analogon zu den Frauenhäusern für weibliche Opfer, allerdings in wesentlich geringerer Zahl.

Laut einer Studie des Robert Koch-Instituts aus dem Jahr 2013 werden Männer häufiger Opfer körperlicher Gewalt. Zudem sind Frauen signifikant häufiger Täterinnen von körperlicher und psychischer Gewalt im häuslichen Bereich.[5] Kritiker der Studie führten ins Treffen, Männer würden sich im Vergleich zu Frauen bei direkter persönlicher Befragung signifikant weniger häufig als (Gewalt-)Täter betrachten. Die weitere Ableitung aus diesen Umfrageergebnissen, wonach Frauen signifikant häufiger (Gewalt-)Täterinnen seien, wird in Fachkreisen kritisiert.[6][7] Statistiken vom BMFSFJ sprachen von ca. 30 % männlichen Opfern. Eine repräsentative Erhebung des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (2024) unter 1200 Männern fand, dass rund jeder zweite Mann angab Opfer von partnerschaftlicher Gewalt geworden zu sein. Gaben unter Verdrängung ihrer Opfererfahrungen vorerst nur 19 % an Opfer gewesen zu sein, offenbarte das Abfragen erlebter partnerschaftlicher Gewalthandlungen einen Opferanteil von 54 %. 30 % erfuhren laut der Studie körperliche Gewalt in erheblichem Ausmaße.[8]

Partnerschaftliche Gewalt unter Jugendlichen

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2015 befragte der Schweizer Tages-Anzeiger den Gewaltpsychologen Allan Guggenbühl zur aktuellen Zürcher Studie zur Jugendgewalt in der Schweiz. Darin kam zum Vorschein, dass mit 15 Jahren jeder vierte männliche Jugendliche Opfer partnerschaftlicher Gewalt wurde, während weniger als jede fünfte weibliche Jugendliche davon betroffen war. Männliche Teenager würden von ihren Freundinnen dabei meist geohrfeigt, gebissen, getreten oder herumgestoßen, während Faustschläge seltener vorkämen, wenngleich weibliche Jugendliche auch hierbei weniger zurückhaltend gegenüber ihrem männlichen Partner seien. Guggenbühl analysierte, dass Jungen schon früh vermittelt bekämen, Mädchen nicht zu schlagen, während gewalttätige Mädchen bemerken würden hier einen Freiraum zu haben.[9] 2018 kam eine Studie der Universität Zürich zum Ergebnisse, dass jedes fünfte jugendliche Mädchen in der Schweiz ihren männlichen Partner geohrfeigt, gestoßen oder geschlagen hätte, während nur jeder achte männliche Jugendliche solche Handlungen an seiner Partnerin vorgenommen habe.[10]

Digitale Gewalt

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch im Zuge sozialer Interaktion im Internet und in anderen digitalen Räumen können Männer wie Frauen Gewalt ausgesetzt sein. Das US-amerikanische Pew Research Center veröffentlichte 2021 eine Studie zur Betroffenheit von digitaler Gewalt in den USA, welche 41 % der untersuchten Erwachsenen als Betroffene beschrieb. 43 % der untersuchten Männer und 38 % der untersuchten Frauen wären Betroffene, während starke Ausprägungen von Gewalt beide Geschlechter ungefähr gleichermaßen betreffen würden. Männer seien verstärkt von Beleidigungen und Androhungen physischer Gewalt betroffen, junge Männer seien häufiger Betroffene als ältere. Männer hätten jedoch generell ein deutlich geringeres Problembewusstsein als Frauen bezüglich ihrer Betroffenheit (48 % zu 61 %). Nur 18 % der Männer gaben an der Meinung zu sein, aufgrund ihres Geschlechts digitale Gewalt erfahren zu haben im Gegensatz zu 47 % der Frauen.[11] Auch eine australische Erhebung von 2016 kam zu ähnlichen Resultaten. Unter anderem war auch hier ein Überhang männlicher Betroffener anzutreffen, während 76 % der Männer unter 30 Jahren Betroffene digitaler Gewalt waren. Das Problembewusstsein unter Männern betrug hier nur 53 % im Vergleich zu 70 % unter Frauen.[12]

Schutzeinrichtungen für Männer

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das BMFSFJ fördert die Bundesfach- und Koordinierungsstelle Männergewaltschutz (BFKM), welche von der Landesarbeitsgemeinschaft Jungen- und Männerarbeit Sachsen e.V. betrieben wird. Die BFKM legte im November 2023 eine Statistik über die Nutzung der in Deutschland bestehenden Schutzwohnungen für Männer vor.[13] Demnach sei die Anzahl der Männer, die Hilfe einer Schutzeinrichtung annehmen im Jahr 2022 um ca. 66 % gegenüber dem Vorjahr gestiegen[14]. Laut Polizeistatistik sei jeder 5. Betroffene von Partnerschaftsgewalt männlich. Dies entspricht im Hellfeld ca. 30'000 Männern. Jedoch haben nur 421 Männer Hilfe in den bundesweit 12 Schutzeinrichtungen gefunden. Laut dem Journalist Carl Winterhagen, gibt es 2 Gründe dafür, dass so wenig Betroffene Hilfe finden:[15]

  1. Männer müssten zunächst oft erst ein Mal verstehen von Gewalt betroffen zu sein.
  2. Es gäbe in Deutschland nur wenige Schutzangebote, die sich explizit an Männer richten, wodurch die Bekanntheit auch gering sei.

Sensibilisierungskampagne

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Sensibilisieren der Betroffenen hat die BFKM eine Kampagne begleitet, welche Männer ermutigen soll die bestehenden Hilfsangebote aufzufordern, bzw. Hilfe einzufordern. Neben Ermutigungen wird auf der Website ohne-gewalt-leben.de im Wesentlichen eine Infokarte mit allen Einrichtungen, an welche auch Männer sich wenden können beworben.[16]

  • Jasmin Alzinger: Der "geschlagene Mann". Männliche Opfer im Kontext häuslicher Gewalt. Diplomica Verlag, Hamburg 2016, ISBN 978-3-95934-969-7

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. Hendrik Ternieden: Gewalt gegen Männer: "Ich habe die Messer im Haus versteckt". In: Spiegel Online. 28. Mai 2013, abgerufen am 10. Juni 2018.
  2. a b c d Gewalt gegen Männer | Personale Gewaltwiderfahrnisse von Männern in Deutschland, veröffentlicht am 22. Januar 2006 durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend; abgerufen am 15. Oktober 2013
  3. a b Studie: Gewalt gegen Männer, veröffentlicht am 7. Januar 2005 durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend; abgerufen am 15. Oktober 2013
  4. Ludger Jungnitz (Hrsg.): Gewalt gegen Männer. Personale Gewaltwiderfahrnisse von Männern in Deutschland. Budrich, Opladen/Farmington Hills 2007, ISBN 978-3-86649-009-3.
  5. Schlack, Robert; Rüdel, J.; Karger, A.; Hölling, Heike: Körperliche und psychische Gewalterfahrungen in der deutschen Erwachsenenbevölkerung - Ergebnisse der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1). Hrsg.: Bundesgesundheitsblatt 2013. Nr. 56. Springer-Verlag, Berlin / Heidelberg 27. Mai 2013, S. 755–764, doi:10.1007/s00103-013-1691-8 (rki.de).
  6. Monika Schröttle: 1Die Studienergebnissedes Robert-Koch-Instituts zu Gewalt gegen Frauen und Männer: Ein Lehrstück für die Notwendigkeit einer methodisch versierten Erfassung, Auswertung und Interpretation geschlechtervergleichender Datenim Rahmen einer geschlechtersensiblen Gewalt-und Gesundheitsforschung. (PDF) dgvt-bv.de, 24. Juni 2013, abgerufen am 23. November 2020.
  7. Angela Baer: Männer Opfer von Gewalt in Beziehungen? Robert-Koch-Institut zeigt in Studie wenig Gendersensibilität – Kritik des Nationalen Netzwerks Frauen und Gesundheit wird ernst genommen. dgvt-bv.de, abgerufen am 25. November 2020.
  8. NDR.de: Gewalt in der Partnerschaft: Jeder zweite Mann ist betroffen. Abgerufen am 24. September 2025.
  9. Marius Huber: Mädchen, die ihren Freund schlagen. Tages-Anzeiger, 6. Mai 2015, abgerufen am 3. Dezember 2025.
  10. Fabian Baumgartner: So viele Teenager erleben Gewalt in Beziehungen | NZZ. In: Neue Zürcher Zeitung. 10. Juli 2018, abgerufen am 3. Dezember 2025.
  11. Emily A. Vogels: The State of Online Harassment. In: Pew Research Center. 13. Januar 2021, abgerufen am 26. Dezember 2025 (amerikanisches Englisch).
  12. Elle Hunt: Higher proportion of men than women report online abuse in survey. In: The Guardian. 5. September 2016, ISSN 0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 26. Dezember 2025]).
  13. Jana Peters: Nutzungsstatistik der Männerschutzwohnungen in Deutschland 2022 - Männergewaltschutz. BFKM, 2. November 2023, abgerufen am 6. November 2023.
  14. Carlota Brandis: Wie viele Männer Schutz vor häuslicher Gewalt suchen. In: FAZ.NET. 3. November 2023, ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 6. November 2023]).
  15. Jörg Carstensen, Carl Winterhagen: Häusliche Gewalt gegen Männer - nur wenige holen sich Hilfe. 3. November 2023, abgerufen am 6. November 2023.
  16. Website Ohne Gewalt leben