Giebel- und traufständig

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Giebelständige Gebäude am Tübinger Marktplatz
Traufständige Gebäude am Hauptmarkt in Bautzen

Giebelständig und traufständig bezeichnen die Orientierung eines Gebäudes, bezogen auf eine erschließende Straße oder einen Platz.

Bei giebelständiger Bauweise steht der Giebel eines Gebäudes zur Straße hin. Der Dachfirst steht quer zu dieser. Ein derartig ausgerichtetes Gebäude wird auch als Giebelhaus bezeichnet.[1] Ein Giebeldach ist in diesem Zusammenhang ein Satteldach oder ein Krüppelwalmdach, dessen Giebel zur Gebäudefront gerichtet ist.[1] Der Gegenbegriff ist die traufständige Bauweise. Hier steht die Dachtraufe eines Gebäudes an oder parallel zur Straße. Der First verläuft dabei ebenfalls parallel zur Straße.

Die Begriffe werden in der Architektur und Stadtplanung verwendet, um Gebäude beziehungsweise ihre städtebauliche Situation abzugrenzen und zu typisieren. Sie treffen keine Aussage zur Erschließung des Gebäudes in dem Sinne, wo nun der Hauseingang liegt.

Giebelständige beziehungsweise traufständige Gebäude können zusätzliche Dachgauben oder Zwerchhäuser mit einem eigenen First haben, der rechtwinklig zum First des Hauptdaches steht. Maßgeblich ist die Firstrichtung des Hauptdaches. Die Begriffe werden nur verwendet, wenn ein dominierender Dachfirst zu erkennen ist, also nicht bei komplexen, aus Einzelformen zusammengesetzten Dachlandschaften, bei Zeltdächern oder bei Flachdächern. Eckgebäude können bezogen auf eine Straße giebelständig, bezogen auf die andere traufständig errichtet sein.

Giebelständige Bauweise gilt als typisch für die deutschen Straßenbilder der Gotik und der Renaissance, wobei dort auf die schmuckvolle Ausführung der oft hoch über den First hinausgeführten Stirngiebel großer Wert gelegt wurde.[1] Darüber hinaus gilt dies auch für viele Angerdörfer beispielsweise fränkischer Gründung, bei denen die Wohngebäude des Dreiseithofs giebelständig zum Anger ausgerichtet sind, während die Scheune im hinteren Bereich traufständig steht.

Im 17. und 18. Jahrhundert kam es verbreitet durch Umbauten und Aufstockungen zur Umwandlung von giebelständigen zu traufständigen Häusern und damit zum Verlust des charakteristischen Sägeprofils mittelalterlicher Städte.[2]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Satz nach Günther Wasmuth (Hrsg.): Wasmuths Lexikon der Baukunst. Berlin 1931.
  2. Robert Schediwy: Städtebilder: Der Hut des Hauses. LIT Verlag, Wien 2005, S. 191 ff.