Traufgässchen

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Verschiefertes Fachwerkhaus in Herborn, Hessen, mit Traufgässchen (links) und städtischer Gasse (rechts)
Traufgasse in Hollfeld

Als Traufgässchen oder auch Schmutzgässchen (regional auch „Winkel“ bzw. „Wuostgraben“ plattdeutsch „Soe“) bezeichnet ein schmales Gässchen zwischen zwei giebelständigen Häusern mittelalterlicher oder frühneuzeitlicher Städte.

Funktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mittelalterliche und frühneuzeitliche Häuser verfügten weder über Dachrinnen noch über Abwasserrohre; ebenso wenig gab es eine städtische Kanalisation. In die meist zur Straße hin leicht abfallenden Traufgässchen wurde das Regenwasser von den oft unterschiedlich hohen Dächern benachbarter Häuser abgeleitet. Seit dem Aufkommen von Abtritten im Innern der Häuser dienten sie auch als oberirdische Fäkalrinnen für menschliche Exkremente, die auf diese Weise ebenfalls auf die ohnehin schon von tierischem Kot und Urin verschmutzten Straßen gespült wurden. Die städtischen Abfälle wurden von Straßenreinigern in regelmäßigen Zeitabständen (ca. zwei oder drei Mal pro Woche) zusammengefegt und auf Karren abtransportiert; meist endeten sie als Dünger auf den ortsnahen Feldern.

In den Dörfern auf dem Lande kamen Traufgässchen erst sehr viel später auf und dienten auch als Zugang zur Fütterung und Versorgung des Viehs in den kleinen Stallungen, die zumeist an den rückwärtigen Teil des Wohngebäudes angebaut waren. Zum Sammeln und Verwerten der menschlichen und tierischen Fäkalien und Abfälle bedienten sich die Bauernhöfe meist anderer Methoden, zum Beispiel als Mist.

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die in der Regel dunklen und fensterlosen Traufgässchen zogen sich entlang der gesamten Hauslänge und waren in der Regel nicht breiter als 0,8 bis 1 m. Anfänglich bestand ihr Boden lediglich aus gestampfter Erde, später wurden sie in manchen Fällen als Rinne ausbetoniert. Aufgrund städtischer Erlasse wurden sie in späteren Zeiten zur Straße hin durch Brettertüren geschlossen. Mit dem Aufkommen von Dachrinnen und der städtischen Kanalisation wurden sie in der zweiten Hälfte des 19. und im beginnenden 20. Jahrhundert straßenseitig meist vermauert. Das Ende des Fachwerkbaus und die Genehmigung von Grenzbebauungen beschleunigte ebenfalls ihr allmähliches Verschwinden aus dem Ortsbild; dieser Prozess ist nur durch eine konsequente Denkmalpflege aufzuhalten.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]