Girolamo Riario

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Sixtus IV. ernennt Platina zum Präfekten der Vatikanischen Bibliothek (Fresko von Melozzo da Forlì, ca. 1477) - Girolamo Riario ist als die zweite Figur von links identifiziert (blaue Gewandung)

Girolamo Riario della Rovere (* 1443 in Savona; † 14. April 1488 in Forlì) war ein Nepot (möglicherweise auch der Sohn) von Papst Sixtus IV. und wurde durch diesen Herr von Imola und Forlì.

Mit Beginn des Pontifikats 1471 war Girolamo Riario bereits führend am Papsthof. 1473 erwarb er Imola, nachdem die Protektion des alten Kleinpotentaten Taddeo Manfredi von Galeazzo Maria Sforza, dem Herzog von Mailand, preisgegeben worden war. Anknüpfung an Mailands Interesse war jedoch die Verbindung von Riario mit Caterina Sforza.
Dass Lorenzo de' Medici als Parteityrann von Florenz Ambitionen auf Imola entwickelt hatte, war ein Impuls für einen über Jahre sich verschärfenden Gegensatz: Sixtus IV. strebte nach Konsolidierung des Kirchenstaates, Riario nach Entfaltung im Schatten des Pontifikats, Florenz nach Erhalt und Klientelisierung der Kleinpotentaten in den Grenzlandschaften. Die Eskalation in der so genannten Pazzi-Verschwörung 1478, als Lorenzos Bruder Giuliano in Florenz ermordet wurde, führte in Krieg. Riarios Stunde war jedoch erst 1480 gekommen, als die Hausstreitigkeiten der Ordelaffi von Forlì erlaubten, dass er auch diese Kommune erwarb. Faenza war ihm verwehrt, weil Lorenzo eine Ehe von Galeotto Manfredi und einer Tochter von Giovanni II. Bentivoglio arrangierte, die den kleinen, mit seinem Besitz von Riario umschlossenen Herren an den Parteityrannen von Bologna anlehnte.

Als Sixtus IV. 1484 verstarb, meinte Riario durch eine Kardinalspartei auf das Konklave einzuwirken, um einen ihm günstigen Nachfolger auf dem Stuhl Petri wählen zu lassen. Allerdings wurde Innozenz VIII. gewählt, dessen rechte Hand Giuliano della Rovere war, ein Altfeind. Ein Attentat in Forlì kostete Riario 1488 das Leben: Er wurde von einem Diener erdolcht, als er an einem Fenster seines Palazzo stand. Die auf die Piazza herabgeworfene Leiche wurde vom Volk durch die Straßen geschleift. Nach Girolamos Tod behauptete sich Caterina Sforza als Regentin für den gemeinsamen Sohn Ottaviano.

In vergleichenden Gegenüberstellungen kann Girolamo Riario als Vorläufer von Cesare Borgia gelten, weil das Ziel, mit der Hilfe des Pontifex einen „Familienstaat“ in der Jurisdiktion der Kirche aufzurichten, von Alexander VI. nach 1492 bzw. mit effektiver Hilfe ab 1499 nachgeahmt wurde.

Literatur[Bearbeiten]

  • Maurizio Gattoni: Sisto IV, Innocenzo VIII e la geopolitica dello Stato Pontificio, Rom 2010.