Grüner Strom Label

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Grüner Strom Label e. V.
(GSL e.V.)
Das Grüner Strom Label
Zweck: Zertifizierung von Ökostrom und Biogas
Vorsitz: Rosa Hemmers (Stellvertreter: Werner Neumann, BUND; Dietmar Oeliger, NABU)
Gründungsdatum: 1998
Sitz: Schumannstr. 35, 53113 Bonn
Website: www.gruenerstromlabel.de

Grüner Strom Label e. V. (GSL) ist ein Verein zur Zertifizierung von Ökostrom und inzwischen auch Biogas. Der Sitz des Vereins ist in Bonn. Er wurde im Dezember 1998 auf Initiative von Eurosolar gegründet. Das Grüner Strom-Label war 1999 das erste derartige Siegel in Deutschland. 2013 wurde das Siegel Grünes Gas eingeführt.

Beide Gütesiegel sind die einzigen in Deutschland, die von Umweltverbänden getragen werden.[1] Ziel der Zertifizierung ist, durch die Kennzeichnung empfehlenswerter Produkte für mehr Transparenz im Ökostrom- und Biogasmarkt zu sorgen und eine ökologische Energieversorgung zu fördern.

Träger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verein wird von folgenden Organisationen getragen:

Ökostromlabel Grüner Strom[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Grüner Strom-Label

Folgende zentrale Kriterien sind laut Kriterienkatalog Grundvoraussetzung für eine Zertifizierung:[2]

  • Der Strom muss zu 100 % aus erneuerbaren Quellen stammen (aus bereits existierenden oder neuen Kraftwerken)
  • Der Stromanbieter muss den zusätzlichen Ausbau erneuerbarer Energien mit einem festen Betrag je verkaufter Kilowattstunde fördern. Bei Endkunden mit einem Verbrauch:
    • Bis 10.000 kWh pro Jahr, 0,5 Cent pro kWh
    • Zwischen 10.000 kWh und 100.000 kWh pro Jahr, 0,4 Cent pro kWh
    • Zwischen 100.000 kWh und 3.000.000 kWh pro Jahr, 0,2 Cent pro kWh
    • Ab 3.000.000 kWh pro Jahr, 0,1 Cent pro kWh
  • Unternehmen, die selbst Atomkraftwerke betreiben, beziehungsweise an einem solchen direkt beteiligt sind, erhalten das Label nicht
  • Unternehmen, die - nach Inkrafttreten des Kriterienkatalogs 2015 - neue direkte Beteiligungen an bereits existierenden oder neuen Kohlekraftwerken erwerben, erhalten das Label nicht
  • RECS-Zertifikate sind als Nachweis der Lieferverpflichtung nicht zugelassen

Mit dem überwiegenden Teil der Förderbeträge werden neue Ökokraftwerke bezuschusst oder co-finanziert, die auch im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) gefördert werden, aber auch solche, deren Strom in die Direktvermarktung geht. Teilweise können die Fördergelder auch in Anlagen im Ausland oder in Energieeffizienzmaßnahmen fließen, sowie in Projekte, die die Energiewende und die dafür notwendige Infrastruktur voranbringen. Dazu zählen auch Bürgerenergieprojekte. Die Stromanbieter müssen über die Projekte, die sie im Rahmen der Zertifizierung fördern, im Internet berichten. Zusätzlich erfasst der GSL e.V. die realisierten Projekte auf seiner Internetseite.

Über 70 Energieversorger bieten nach den Kriterien des Grüner Strom-Label zertifizierten Ökostrom an.[3]

Zertifizierung von Produkten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Grüner Strom-Label ist ein Produktlabel. Somit werden einzelne Stromprodukte durch den GSL zertifiziert.

Energieversorgungsunternehmen können also neben Grüner Strom-Kriterien zertifizierten Stromprodukten auch nicht-regenerative Stromprodukte im Angebot haben. Die Anbieter können Beteiligungen durch Unternehmen haben, die selbst Betreiber von Atomkraftwerken sind. Sie können auch Atomstrom vertreiben (also ein- und verkaufen), ein direktes Betreiben von Atomkraftwerken ist jedoch nicht erlaubt. (So bietet beispielsweise die Regensburger Energie- und Wasserversorgung AG & Co KG, an der E.ON zu ca. 35 % beteiligt ist,[4][5] ein Grüner Strom-gelabeltes Produkt an,[6] liefert daneben aber auch Kohle- und Atomstrom.[7][8])

Das Unternehmen muss in seiner Geschäftspolitik allerdings den Ausbau der erneuerbaren Energien aktiv unterstützen.

Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Rahmen der Zertifizierung wurden im Jahr 2013 ca.1,3 Terawattstunden Ökostrom an Endverbraucher geliefert (siehe Abb. 1). Die Menge an Ökostrom, die mit dem Grüner Strom-Label vermarktet wird, hat im Jahr 2012 gegenüber 2011 um fast 45 % zugenommen.[9]

Abb. 1: Verkaufte Menge Ökostrom mit Grüner Strom-Label seit 1999
Jahr Ökostrommenge MWh/a
1999
  
1.805
2000
  
18.359
2001
  
40.233
2002
  
68.595
2003
  
69.081
2004
  
70.011
2005
  
70.825
2006
  
68.844
2007
  
81.009
2008
  
165.183
2009
  
226.570
2010
  
368.191
2011
  
861.427
2012
  
1.246.400
2013
  
1.302.960
2014
  
1.147.210
2015
  
1.105.000
Datenquelle: Grüner Strom Label e.V., 05.2017.

Die wachsende zertifizierte Strommenge führt zu steigenden Investitionsbeträgen. Seit Beginn der Zertifizierung investierten die Stromanbieter im Rahmen ihrer Grüner Strom-Produkte bis einschließlich 2015 über 50 Millionen Euro (siehe Abb. 2).[9]

Abb. 2: Entwicklung der Investitionen seit 1999
Jahr Investitionen €/a
1999
  
36.791
2000
  
188.327
2001
  
999.383
2002
  
747.637
2003
  
1.224.451
2004
  
1.690.491
2005
  
1.466.137
2006
  
2.213.659
2007
  
1.705.733
2008
  
1.993.031
2009
  
2.447.718
2010
  
2.657.975
2011
  
8.184.118
2012
  
3.742.897
2013
  
3.051.723
2014
  
7.966.219
2015
  
18.311.914
(*) Investitionssumme noch nicht vollständig, da Zertifizierung für das Jahr noch läuft.
Erläuterung: Schwankungen bei den Investitionsbeträgen beruhen darauf, dass die Fördergelder in einem Zeitraum von zwei Jahren investiert werden dürfen.
Datenquelle: Grüner Strom Label e.V., 05.2017.

Über 1.000 neue Stromerzeugungsanlagen aus dem gesamten Spektrum der erneuerbaren Energien wurden durch das Grüner Strom-Zertifizierungsmodell bisher initiiert. Beispielsweise wurden 2013 rund 2,5 Millionen Euro an Fördergeldern bereitgestellt, ca. 80 % für Regenerative Stromerzeugungsanlagen. Tab. 1 zeigt die aktuelle Verteilung der Förderprojekte.

Tab. 1: Geförderte Projekte 2014* [9]

Typ Anzahl der Projekte  %-Anteil Getätigte Investitionen  %-Anteil
Regenerative Stromerzeugungsanlagen (EE-Anlagen) 25 31,3 7.313.494 € 92,8
EE-Anlagen plus Innovation und/oder Kommunikation und/oder Effizienz 26 32,5 165.000 € 2,1
Zukunftsprojekte, neue Technologien 6 7,5 181.039 € 2,3
Entwicklungszusammenarbeit 5 6,3 18.442 € 0,2
Sonstiges (Kommunikation/Bildung) 13 16,3 20.918 € 0,3
Effizienz 5 6,3 179.799 € 2,3
Summe 80 7.878.691 €

(*) Da die Zertifizierung noch nicht für alle Labelnehmer abgeschlossen ist, handelt es sich um vorläufige Werte. Die finalen Werte werden aller Voraussicht nach höher liegen.

Biogaslabel Grünes Gas[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Grünes Gas-Label

Zum Juni 2013 startete das Grünes Gas-Label. Das Gütesiegel erhalten Gasprodukte, bei denen die Produktion, die Verwendung und der Vertrieb des Biogases den Anforderungen des Kriterienkatalogs[10] genügen. Dazu zählen bspw. folgende Forderungen:

  • Das Biogas muss ökologisch verträglich erzeugt werden (z. B. dürfen wertvolle Lebensräume nicht in Monokulturen verwandelt werden).
  • Auf eine ausgewogene Fruchtfolge ist starker Wert zu legen.
  • Problematische Unkrautvernichter und Wirtschaftsdünger aus Massentierhaltung sind verboten.
  • Gentechnisch veränderte Organismen sind bei der Herstellung nicht erlaubt.
  • Es muss sich um Biogas (Biomethan) oder um Klärgas handeln. Deponiegas wird nicht anerkannt.
  • Es sollen vorrangig Rohstoffe aus der Region genutzt werden (Rohstoff-Transporte über 50 Kilometer hinaus werden negativ bewertet).
  • Die Gasanbieter machen die Produktzusammensetzung transparent (mind. 10 % zertifiziertes Biogas).

Lieferanten, Hersteller und Energieversorger werden anhand eines Punktesystems überprüft. Derzeit ist das Grünes Gas-Label das einzige Biogas-Gütesiegel, das von Umwelt- und Verbraucherorganisationen getragen wird.

Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem 1. Januar 2014 sind Biogas-Produkte mit dem Label zertifiziert. Im Jahr 2016 haben rund 18.370 Verbraucher Biogas nach Grünes Gas-Standards bezogen. Der Gasabsatz insgesamt lag bei etwa 163.755 MWh gelegen haben. Im Jahresmittel waren 15,1 % des gesamten Gasabsatzes, etwa 29.170 MWh, Biomethan (siehe Abb. 3).[11]

Abb. 3: Verkaufte Menge Gas mit Grünes Gas-Label seit 2014
Jahr Zusammensetzung  %-Anteil Gasabsatz insgesamt
2014 Erdgas
  
87,5 % 115.320 MWh
Biomethan
  
12,5 %
2015 Erdgas
  
85,3 % 145.590 MWh
Biomethan
  
14,7 %
2016 Erdgas
  
84,9 % 163.755 MWh
Biomethan
  
15,1 %
Marktübliche Biogasprodukte sind i.d.R. Beimischprodukte (z.B. mit 10 oder 20 % Biomethan-Anteil).

Grüner Strom Label Silber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben dem Grüner Strom-Label existierte bis zum 1. Januar 2015 rein formal noch das 'Grüner Strom Label Silber (GSL-Silber)'. Dieses Modell wird aber nicht weiter verfolgt. Wichtigster Unterschied zum Grüner Strom-Siegel war, dass bis zu 50 % des Stroms aus Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) stammen konnten, die mit fossilen Brennstoffen angetrieben wurden und dass die Förderbeträge bis zu 50 % in KWK-Anlagen fließen durften. Im Sinne einer Übergangsstrategie sollten damit KWK-Anlagen gefördert werden, bei denen noch begründete Probleme bei der Realisierung mit erneuerbaren Energien bestanden haben. Mit dem Inkrafttreten des Grüner Strom-Kriterienkatalogs 2015 wurde das seit mehreren Jahren nicht mehr genutzte Label auch formal eingestellt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. EnergieVision e.V.: Tätigkeitsbericht 2012 (Kapitel 2, Seite 5) (PDF; 218 kB)
  2. Grüner Strom Label e.V. - Unabhängige Zertifizierung. In: www.gruenerstromlabel.de. Abgerufen am 22. November 2016.
  3. Grüner Strom Label e.V. - Ökostrom beziehen. In: www.gruenerstromlabel.de. Abgerufen am 22. November 2016.
  4. BUND-Naturschutz Stadtwerkevergleich 2010 (PDF; 73 kB)
  5. Geschäftsbericht EON 2012 S. 205 (PDF; 1,6 MB)
  6. rewario.strom.natur: REWAG. In: www.rewag.de. Abgerufen am 22. November 2016.
  7. Strom: REWAG. In: www.rewag.de. Abgerufen am 22. November 2016.
  8. REWAG rewario Strom Juli 2013 (PDF; 90 kB)
  9. a b c Grüner Strom Label e.V. - Statistiken. In: www.gruenerstromlabel.de. Abgerufen am 22. November 2016.
  10. Grüner Strom Label e.V. - Kriterienkatalog des Grünes Gas-Label. In: www.gruenerstromlabel.de. Abgerufen am 22. November 2016.
  11. Grüner Strom Label e.V.: Angaben zum Grünes Gas -Label, Oktober 2016