Grenzfall (Zeitschrift)

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Der grenzfall war eine politische Untergrundzeitschrift (Samisdat) der DDR-Opposition, die ab 1986 in Ost-Berlin herausgegeben wurde. Es erschienen insgesamt 17 Ausgaben. Der grenzfall wurde herausgegeben von Mitgliedern der Initiative Frieden und Menschenrechte.

Am 29. Juni 1986, zum Tag der Friedenswerkstatt in der Berliner Erlöserkirche, erscheint die erste Ausgabe der Zeitschrift grenzfall, herausgegeben und hergestellt von den IFM-Mitarbeitern Peter Grimm, Ralf Hirsch, Peter Rölle, Dirk Sarnoch (die ersten beiden Ausgaben) und Rainer Dietrich (vom Ministerium für Staatssicherheit als Inoffizieller Mitarbeiter IM „Cindy“ geführt).

Die Untergrund-Samisdat-Zeitschrift grenzfall zeigt schon mit dem Titelbild der ersten Nummer explizit und unzweideutig ihre Zielsetzung: Grenz-Fall im Sinne von Mauer-Fall oder Zerstörung der Staatsgrenze und mithin des DDR-Staates. Die Zeitschrift wurde 1986 bis 1987 in Ost-Berlin in 17 Ausgaben herausgegeben. Wurden die ersten beiden Ausgaben in einer Auflage von ca. 50 Exemplaren auf Fotopapier hergestellt, erreichten die mit Ormig-Hektographie vervielfältigten bis zu 800 Exemplare, aber erst durch die Vervielfältigungstechnik mit Wachs-Matrize konnten Auflagen von über 1000 Exemplaren hergestellt werden. Gedruckt wurde in wechselnden Wohnungen und in der Umwelt-Bibliothek (UB) in der Zionskirchgemeinde, wo auch die Umweltblätter erschienen sind.

Weitere Mitarbeiter und Unterstützer waren unter anderem Bärbel Bohley und Gerd Poppe. In der Nacht vom 24. auf den 25. November 1987 wurde in der „Aktion Falle“ vom Ministerium für Staatssicherheit (MfS) die Umwelt-Bibliothek durchsucht, sieben UB-Mitarbeiter wurden verhaftet. Dank der öffentlichen Berichterstattung in bundesdeutschen Medien sowie Mahnwachen und Solidaritätsbekundungen in der DDR erlangte die Zeitschrift größere Bekanntheit und die Verhafteten kamen wieder frei.

2011 erschien im Avant-Verlag eine Comic-Adaption der Oppositions-Geschichte von Peter Grimm und des grenzfalls, die mit Mitteln der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur gefördert wurde und auch als Unterrichtsmaterial in Schulen eingesetzt werden soll.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ralf Hirsch/ Lew Kopelew (Hrsg.): Initiative für Frieden und Menschenrechte: GRENZFALL. Vollständiger Nachdruck aller in der DDR erschienenen Ausgaben (1986/ 87). Erstes unabhängiges Periodikum, Vorwort von Lew Kopelew, Berlin (West), Selbstverlag, 1988, 2. Aufl. 1989.
  • Ilko-Sascha Kowalczuk (Hrsg.): Freiheit und Öffentlichkeit. Politischer Samisdat in der DDR 1985–1989. Berlin: Robert-Havemann-Gesellschaft 2002. (= Schriftenreihe des Robert-Havemann-Archivs Nr. 7). ISBN 3-9804920-6-0.
  • Thomas Henseler / Susanne Buddenberg: Grenzfall. Comic. Berlin: avant-verlag 2011, ISBN 978-3-939080-48-0.
  • Thomas Rudolph, Oliver Kloss, Rainer Müller, Christoph Wonneberger (Hrsg. im Auftrage des IFM-Archivs e. V.): Weg in den Aufstand. Chronik zu Opposition und Widerstand in der DDR vom August 1987 bis zum Dezember 1989. Bd. 1, Leipzig, Araki, 2014, ISBN 978-3-941848-17-7, (Vorwort als Leseprobe).
  • Ilko-Sascha Kowalczuk, Arno Polzin (Hrsg.): Fasse dich kurz! Der grenzüberschreitende Telefonverkehr der Opposition in den 1980er Jahren und das Ministerium für Staatssicherheit. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2014 (dokumentiert wie die Macher des Grenzfall vom MfS verfolgt worden sind).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]