Großer Klee-Kokonrüssler

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Großer Klee-Kokonrüssler
Großer Klee-Kokonrüssler

Großer Klee-Kokonrüssler

Systematik
Ordnung: Käfer (Coleoptera)
Unterordnung: Polyphaga
Familie: Rüsselkäfer (Curculionidae)
Unterfamilie: Hyperinae
Gattung: Donus
Art: Großer Klee-Kokonrüssler
Wissenschaftlicher Name
Donus zoilus
(Scopoli, 1763)

Der Große Klee-Kokonrüssler oder Klee-Gespinstrüssler, auch Kleeblattnager (in der Fauna Europaea Donus zoilus, im Standardwerk Freude-Harde-Lohse Hypera zoilus,[1] bei Reitter Phytonomus punctatus[2]) ist ein Käfer aus der Familie der Rüsselkäfer.[3]

Der Käfer ist in seinem ursprüngliches Verbreitungsgebiet unauffällig. Er hat dieses jedoch nach Nordamerika und Japan ausgedehnt und tritt dort gelegentlich an Luzerne und Klee als Schädling auf. Die Larven spinnen sich zur Verpuppung in einen Kokon ein.

Die Art unterliegt ist in Deutschland keinem Schutz.[4]

Bemerkungen zum Namen und zur Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Art wurde 1775 von Scopoli unter dem Namen Curculio zoilus erstmals beschrieben. Unabhängig davon veröffentlichte im selben Jahr Fabricius eine Beschreibung der gleichen Art unter dem Namen Curculio punctatus. Zoilus war ein griechischer Redner, dessen Name in der Entomologie mehrmals als Artnamen verwendet wird. Die lateinische Beschreibung von Scopoli enthält keinen Hinweis auf den Grund der Namensgebung.[5] Fabricius weist in seiner Beschreibung auf die gefleckte Flügeldecke hin.[6] Dadurch erklärt sich bei seiner Beschreibung des Käfers der Artname punctatus (lat. punctātus punktiert).[7]

Da später noch einige Lokalvarietäten als Arten beschrieben wurden, gibt es zahlreiche Synonyme:

  • Curculio austriacus Schrank, 1781
  • Curculio linzensis Gmelin, 1790
  • Curculio medius Marsham, 1802
  • Curculio pictus Fourcroy, 1785
  • Curculio punctatus Fabricius, 1775
  • Phytonomus falaciosus Desbrochers, 1896
  • Phytonomus lineellus Gerth, 1910
  • Phytonomus opimus LeConte, 1876[3]
  • Phytonomus proximus Carmagnola, 1833
  • Phytonomus rufus Bohemann, 1884

Während der mehrfachen Aufspaltung der Gattung Curculio wurde die Art den Gattungen Phytonomus, Hypera, Brachypera und Donus zugeschlagen. Dabei wurde gewöhnlich der von Linné vergebene Artname benutzt. Der Gattungsname Donus ist nicht ableitbar.[8] Der Name der Untergattung Antidonus bedeutet (altgr. αντί antí gegen, an Stelle von) ähnlich der Gattung Donus.[8]

Die eng verwandten Gattungen Donus und Hypera sind in Mitteleuropa mit etwa 31 Arten vertreten.[1] Der große Klee-Kokonrüssler gehört zur Untergattung Antidonus, die in Europa durch elf Arten repräsentiert ist.[9] Die Gattung Donus ist in Europa mit zwei Untergattungen und 36 Arten vertreten.[10][11][9], weltweit werden 113 Arten unterschieden[12]. Die Gattung Hypera ist ebenfalls artenreich.[13][14] Die Stellung der Untergattung Antidonus ist umstritten, sie wird entweder in die Gattung Donus, in die Gattung Hypera oder in die Gattung Brachypera gestellt.[15]

Hypera zoilus detail.jpg
Abb.1: Flügeldecken, rechts teilweise Halsschild
1,2,3,4......: erstes, zweites, drittes,... Intervall
S: Flügeldeckennaht; a,b,c,...: Punktreihen
Hypera zoilus up.jpg Hypera zoilus side.jpg
Abb.2: Beschuppung abgerieben Abb.3: Seitenansicht

Merkmale des Käfers[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der gedrungen gebaute Käfer erreicht eine Länge von knapp sechs bis neun Millimetern. Der bräunliche Körper ist mit anliegenden Schuppen und abstehenden Schuppenhaaren bedeckt.

Der Kopf ist nach vorn rüsselartig verlängert. Der Rüssel ist auffällig kurz und dick, höchstens doppelt so lang wie breit. Die Fühler sind nahe der Rüsselspitze eingelenkt. Sie bestehen aus einem langen Basalglied (Scapus). Zu diesem abgeknickt folgt eine neungliedrige Geißel mit anschließender Keule. Der Scapus kann in die Fühlerrinne eingelegt werden und reicht dann etwa bis zur Augenmitte. Die Fühlerrinne beginnt auf der Rüsseloberseite und läuft an der Rüsselseite zum Augenunterrand hin aus. Die Augen sind seitenständig und oval, die horizontale Ausdehnung kleiner als die vertikale.

Der Halsschild ist nahtlos mit der übrigen Vorderbrust verwachsen. Er ist an den Seiten nur schwach gerundet und etwa gleich lang wie breit. Nach vorn verjüngt er sich mehr als nach hinten.

Die graubraunen Flügeldecken haben gut ausgebildete Schultern und sind zusammen deutlich breiter als der Halsschild. Sie sind dicht beschuppt. Die Flügeldeckenschuppen sind hinten abgestutzt, aber an den Hinterecken nicht spitz ausgezogen. Zwischen den Schuppen treten lange, abstehende Haarborsten auf (Abb. 1). Die Punktreihen aus deutlich eingedrückten Punkten verlaufen parallel und sind durch breitere Zwischenräume getrennt (gut sichtbar in Abb. 2). Der erste, dritte, und fünfte Zwischenraum ist meist heller beschuppt, ebenso der siebte bis elfte an der Flügeldeckenseite (Abb. 1). Im ersten, dritten, fünften und siebten Zwischenraum sitzen mäßig erhöhte dunklere, samtartige Stellen (Gitterflecken). Dieses Merkmal allein ist jedoch für eine Bestimmung nicht ausreichend, da es einerseits auch bei verwandten Arten auftritt (beispielsweise bei Hypera vidua (Donus vidua)), andrerseits kann die Beschuppung abgerieben sein (Abb. 2).

Das erste Sternit des Hinterleibs hat einen Fortsatz, der zwischen die Hinterhüften ragt und breiter ist als eine Hinterhüfte. Die Schienen tragen auf der Innenseite je einen Enddorn. Die Tarsen sind alle viergliedrig. Die Klauen sind an der Basis nicht verwachsen.

Biologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Man findet den Käfer ganzjährig an einem breiten Spektrum von Schmetterlingsblütlern. Die Larven (Bild als Weblink) können an Kleearten und Luzerne schädlich werden. Sie entwickeln sich frei auf ihren Wirtspflanzen. Sie besitzen ähnlich den Schmetterlingsraupen Bauchschieber. Sie verpuppen sich in einem an der Pflanze angehefteten Kokon. Dieser besteht aus unregelmäßigen Maschen aus groben, bräunlichen Fäden. Er erreicht eine Länge von acht Millimeter. Die Maschen sind ziemlich eng, lassen aber die dunkle Puppe im Innern des Kokons erkennen.[16]

Die Weibchen legen zwischen zweihundert und dreihundert Eier in oder an die Stängel der Wirtspflanze.[17] Die folgenden Angaben ergaben sich in einer Studie bei Madrid (Spanien) in Luzernekulturen und im Labor.[18] Die Imagines erscheinen Ende Mai, Anfang Juni und fressen intensiv an Luzerne, dann begeben sie sich auf den Boden und verstecken sich unter Steinen, Zweigen oder anderen Gegenständen am Rande der Felder. Dort verbringen sie ohne weitere Nahrungsaufnahme und unbeweglich den Sommer. Nach der sommerlichen Diapause beginnen die Käfer wieder zu fressen, und bald darauf erfolgt die Eiablage in Reihe in die Stängel der Luzerne. Die bernsteinfarbenen Eier sind ellipsoid und etwa 1 mm lang. Nach etwa zwanzig Tagen schlüpfen die weißlichen Larven. Sie ernähren sich von frisch gebildetem Gewebe. Über die Wintermonate entwickeln sich die Larven wegen der niedrigen Temperaturen und dem Nahrungsmangel langsam. Sie nutzen zur Nahrungsaufnahme die wärmeren Tage, jedoch erreichen sie im März das dritte oder vierte Larvenstadium. Während der letzten Larvenstadien ist die Larve grün bis strohgelb mit einer dünnen weißen Linie auf dem Rücken. Diese wird durch sehr feine rötliche Linien begrenzt, die zwischen den Segmenten unterbrochen sind. Diese rötlichen Linien fehlen den ähnlichen Larven von Hypera postica. Im April erscheinen die ersten Kokons, die am unteren Bereich des Stängels gesponnen werden. Darin vollzieht sich die Verpuppung des vierten Larvenstadiums. Ende Mai erscheinen die ersten Weibchen.

Bei einer Untersuchung in den USA wird ebenfalls die Überwinterung der Larve als Normalfall festgestellt. Die Imago nimmt nach dem Schlüpfen drei bis vier Wochen lang Nahrung auf. Die maximale Nahrungsaufnahme erfolgt etwa 5 Tage nach dem Schlüpfen, nach etwa 11 Tagen nimmt die Menge der aufgenommenen Nahrung deutlich ab.[19]

Die Entwicklung der Larven im Winter unter verschiedenen Temperaturen wurden in Japan untersucht. Tiefe Temperaturen hemmen die Larvenentwicklung.[20][21]

Bei der Studie in Spanien starben die adulten Tiere spätestens im Oktober, aus anderen Regionen wird die Überwinterung adulter Tiere berichtet. Aus den USA werden auch Überwinterungen im Eistadium berichtet.[18][19]

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Art ist in der gesamten Paläarktis verbreitet und nicht selten[3] Außerdem ist sie in andere Teile der Welt eingeführt worden. Seit Ende des 19. Jahrhunderts ist sie auch in Nordamerika heimisch und hat sich dort schnell ausgebreitet.[22][23] Seit 1978 ist die Art auch aus Japan gemeldet.[24]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Großer Klee-Gespinstrüssler – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Heinz Freude, Karl Wilhelm Harde (Hrsg.), Gustav Adolf Lohse (Hrsg.): Die Käfer Mitteleuropas. Band 11. Rhynchophora (Schluß). Goecke&Evers, Krefeld 1983, ISBN 3-87263-031-8. S.143
  2. Edm. Reitter: Fauna Germanica, die Käfer des Deutschen Reiches, V. Band. K.G.Lutz’ Verlag, Stuttgart 1916, S.102
  3. a b c Donus zoilus bei Fauna Europaea. Abgerufen am 14. September 2011
  4. Rote Listen bei BioNetworkX
  5. J.A. Scopoli: Entomologia Carniolica exhibens insecta Carnioliæ indigena et distributa in ordines, genera, species, varietates. Methodo Linnæana Vindobonae 1763 Originalbeschreibung auf S.71:33 als Nr. 103 bei GDZ
  6. Io.Christ. Fabricius: Systema Entomologiae Flensburg, Leipzig 1775 Erstbeschreibung S. 150 Nr. 119
  7. Sigmund Schenkling: Erklärung der wissenschaftlichen Käfernamen (Art)
  8. a b Sigmund Schenkling: Erklärung der wissenschaftlichen Käfernamen (Gattung)
  9. a b Antidonus (Untergattung) bei Fauna Europaea. Abgerufen am 15. September 2011
  10. Donus bei Fauna Europaea. Abgerufen am 11. März 2013
  11. Donus Donus (Untergattung) bei Fauna Europaea. Abgerufen am 11. März 2013
  12. Rolf G.Oberprieler, Roberto Caldara, Jiri Skuhrovec: Bagoinin, Gonipterini, Hyperini. In: Leschen R.A.B., Beutel R.G. (editors), Handbook of Zoology, Vol. IV Arthropoda: Insecta. Part 39. Coleoptera, Vol. 3: Morphology and Systematics (Phytophaga). – Walter De Gruyter, Berlin, New York. ISBN 978-3-11-027446-2 eingeschränkte Vorschau bei Google Books
  13. Arten der Gattung Hypera bei BioLib
  14. Hypera bei Fauna Europaea. Abgerufen am 13. März 2013
  15. Jiří SKUHROVEC: Taxonomic changes within the tribe Hyperini(Coleoptera: Curculionidae) ACTA ENTOMOLOGICA MUSEI NATIONALIS PRAGAE Volume 48(2), pp. 677-690 ISSN 0374-1036 als PDF (Memento des Originals vom 3. September 2011 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.aemnp.eu
  16. Charley Eiseman, Noah Charney: Tracks &sign of insects & other invertebrates:a guide to North American species. Stackpole Books, 2010
  17. A.H. Kilman: Phytonomus punctatus. In: The Canadian Entomologist, 1884, 16(8)
  18. a b P. Gurrea: Contribución al conocimiento del ciclo biológico der Hypera zoilus Scop. Bol. Serc. Plagas, 8: 63-67,1982 als PDF
  19. a b Peterson, Higley, Danielson: Alfalfa Consumation by Adult clover leaf weevil (Coleoptera Curculionidae) and Development of Injury Equivalents for Stubble Defoliators. J.Econ.Entomol. 88(5) 1441–1444 (1995) digitalcommons.unl.edu
  20. M. Watanabe: Photoperiodic and thermal regulation of development and cold hardiness in larvae of the clover leaf weevil, Hypera punctata Cryobiology 2000 Jun; 40(4):294-301, PMID 10924261
  21. M. Watanabe, K.Tanaka: Overwintering status and cold hardiness of Hypera punctata Cryobiology 1997 Nov;35(3):270-6, PMID 9367614
  22. A.S. Balachowsky: Entomologie Appliqué à L’agriculture. Masson, 1963
  23. Christopher G. Majka, Robert S. Anderson, Donald F. McAlpine, and Reginald P. Webster: The weevils (Coleoptera: Curculionoidea) of the Maritime Provinces of Canada, I: New records from New Brunswick. In: The Canadian Entomologist, 139(3):378-396. 2007. DOI:10.4039/n06-008 bei Bioone
  24. M. Watanabe: Occurence of the Clover Leaf Weevil, Hypera punctata (L.), in Japan Appl.Ent.Zool. 14 (4): 494-495 (1979)