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Gummihals

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Der Begriff Gummihals ist ein schweizerischer Ethnophaulismus für einen deutschen Staatsangehörigen in der Schweiz.[1]

Die Herkunft des Begriffs ist unsicher.

Er soll aus den späten 1970ern stammen und zunächst vor allem von Studenten an Schweizer Universitäten verwendet worden sein, die sich über ihre deutschen Kommilitonen oder Dozenten beschweren oder lustig machen wollten.[2] Der Ausdruck soll den Gegensatz zwischen der als aufdringlich empfundenen Sprachfertigkeit von Deutschen und der eher zurückhaltenden Ausdrucksweise von Schweizern illustrieren. Die Wortbildung «Gummihals» gehe davon aus, dass «selbst wenn du ihnen den Hals umdrehen könntest, sie […] immer noch unaufhörlich weiterreden [würden].»[3]

Seit etwa dem Jahr 2000 ziehen jährlich 40.000 deutsche Staatsbürger in die Schweiz, was zu einer Renaissance des Begriffs «Gummihals» geführt hat. Weil das Schweizer Gesundheitswesen heute stark von Deutschen geprägt ist, hat dies zu einer Neuinterpretation des Worts geführt. Bruno Ziauddins führt den Begriff in seinem Buch Grüezi Gummihälse. Warum uns die Deutschen manchmal auf die Nerven gehen von 2008 darauf zurück, dass deutsche Jungärzte immer heftig nickten, wenn Chefärzte mit ihnen redeten.[4][5][6][7][8] Das werde von den Schweizern als «Zustimmung nach oben» aufgefasst.

Ein Zusammenhang mit dem in Zeit der deutschen Wiedervereinigung 1989/90 populär gewordenen Wort „Wendehals“ besteht nicht, da «Gummihals» für Deutscher schon vorher bekannt war.

  • Bruno Ziauddin: Grüezi Gummihälse. Warum uns die Deutschen manchmal auf die Nerven gehen. Rowohlt Taschenbuch, Reinbek 2008, ISBN 978-3-499-62403-2.

Einzelnachweise

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  1. Regine Eckardt: Sprache und Kontext. Eine Einführung in die Pragmatik. De Gruyter, 2021, ISBN 978-3-11-049145-6, S. 289.
  2. Bettina Diethelm: Glossar «Integration». In: Spektrum Integration, ph akzente 3/2009, PDF-Datei, S. 27 auf phzh.ch (Pädagogische Hochschule Zürich): «Der Begriff stammt aus den späten 1970ern und wurde vor allem von Studenten an Schweizer Universitäten verwendet, die sich über ihre deutschen Kommilitonen oder Dozenten beschweren oder lustig machen wollten.»
  3. Von «Gummihals» bis «Briech-Chnebel». In: srf.ch, 9. Mai 2013: «Eine geht zurück in die 70er Jahre. Studenten der Schweizer Universitäten hätten sich mit der Bezeichnung «Gummihals» über ihre deutschen Studienkollegen oder Dozenten lustig gemacht, weil die viel reden, aber wenig sagen würden. Sogar wenn man ihnen den Hals umdrehen würde, würden sie vermutlich noch weiter schwatzen.»
  4. Schwiizer und Gummihälse. In: nzz.ch, 28. Juni 2008
  5. Burkhard Müller-Ullrich: Das typisch Deutsche fest im Blick. In: deutschlandfunkkultur.de, 29. Juni 2008: «Bruno Ziauddin hat ein freches und lockeres Büchlein über die Welten geschrieben, die uns von den ‚Almbewohnern‘ trennen.»
  6. Gerd Zitzelsberger: EM 2008: Grüezi, Gummihälse! In: Süddeutsche Zeitung vom 19. Juni 2008 auf sueddeutsche.de: «Den Spitznamen „Gummihälse“ haben die Deutschen sich bei den Schweizern eingebrockt, weil sie laut Ziauddin unentwegt nicken, wenn der Chef etwas sagt.»
  7. Marc Lauer: Integration für Deutsche in der Schweiz: „Grüezi Gummihälse!“ In: taz.de, 21. Oktober 2009: «Der Begriff kommt daher, so erklärt es Bruno Ziauddin, der Autor des Buches, weil deutsche Nachwuchsärzte immer so heftig nicken, wenn sie mit Chefärzten sprechen.»
  8. Bruno Ziauddin: Bekenntnisse eines Einheimischen: Was haben die Schweizer bloß gegen all die Deutschen, die in ihr Land ziehen? In: sz-magazin.sueddeutsche.de, 3. Juli 2007 «Max ist Basler und arbeitet als Pfleger in einem mittelgroßen Krankenhaus in seiner Region. […] Was ihn am meisten störe, sagt Max: dass die Deutschen so hierarchiegläubig seien. ‚Wenn der Chef etwas sagt, dann ist es so. Da wird nie etwas hinterfragt.‘ Weil sie unentwegt nicken, wenn der Chef etwas sagt, würden die Deutschen von den Schweizer Kollegen Gummihälse genannt.»