Burkhard Müller-Ullrich

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Burkhard Müller-Ullrich (* 19. November 1956 in Frankfurt am Main) ist ein deutsch-schweizerischer Journalist, Schriftsteller und Podcaster. Seit Juni 2022 ist er Betreiber des Internetradiosenders Kontrafunk.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Müller-Ullrich wuchs in Frankfurt am Main auf, studierte in München Philosophie, Soziologie und Geschichte und verließ die Universität nach wenigen Semestern ohne Abschluss, während er als Mitarbeiter des Bayerischen Rundfunks und der Süddeutschen Zeitung tätig war.

Seit 1978 arbeitet Müller-Ullrich als Journalist. Er war zunächst freier Mitarbeiter verschiedener deutscher Rundfunkanstalten, des Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik (bei der Zeitschrift medium[2] sowie dem Branchendienst Kirche und Rundfunk) und der Frankfurter Rundschau.

Von 1985 bis 1988 war er Redakteur beim Schweizer Radio DRS und dem Schweizer Büchermagazin Bücherpick. Außerdem leitete er 1987/88 das zweimal wöchentlich erscheinende Branchenblatt für Schweizer Buchhändler Sortiment.

Von 1988 bis 1994 war Burkhard Müller-Ullrich als freier Kulturkorrespondent mit Schwerpunkt Schweiz, Frankreich und Großbritannien für viele Rundfunkanstalten und Zeitungen aktiv. Darunter die Basler Zeitung, die Berner Zeitung, das St. Galler Tagblatt, Die Zeit, Die Welt und Der Standard. Außerdem war er in der Zeit als Übersetzer für den deutschsprachigen Dienst der wissenschaftlichen Nachrichtenagentur CEDOS (Centre de documentation scientifique) in Genf aktiv.

1994 bis 1996 war er Gründer und Leiter der Internationalen Kulturnachrichten-Agentur ink-a mit Sitz in Freiburg/Brsg. Außerdem arbeitete er in der Zeit von 1994 bis 1996 als Autor bei der Schweizer Weltwoche, Focus und der Süddeutschen Zeitung.

Von 1997 bis 2000 war er Redaktionsleiter der Redaktion Kultur heute im Deutschlandfunk. Seither war er wieder freischaffend als Autor für mehrere ARD-Sender, Zeitungen und Zeitschriften tätig. Als Moderator war er bis Anfang 2022 regelmäßig als freier Mitarbeiter im Südwestrundfunk (SWR2 Forum) zu hören. Im Februar 2021 gab er der Wochenzeitung Junge Freiheit ein Interview, in dem er sich über „Dummheit und Charakterlosigkeit“ vieler Kollegen und „die zunehmende Gleichgeschaltetheit“ der Rundfunkräte beschwerte und „vor allem die öffentlich-rechtlichen Medien“ als „Panikschleudern in Sachen Corona“ bezeichnete.[3][4]

Schwerpunkte der Arbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schwerpunkte seiner Arbeit sind Medienkritik und internationale Kulturberichterstattung. In den 1990er Jahren löste er mit Artikeln (u. a. über das Waldsterben, die Schriftstellerin Taslima Nasrin und den in den USA wegen Polizistenmordes in einem umstrittenen Gerichtsprozess verurteilten Bürgerrechtler Mumia Abu-Jamal) heftige Kontroversen aus, später begleitete er das Tagesgeschehen vor allem satirisch. Seine Glossen wurden von mehreren Rundfunkanstalten gesendet und erschienen u. a. im Wiener Standard.

Von 2020 bis Ende März 2022 moderierte Müller-Ullrich bei der Achse des Guten den Podcast indubio, in dem er das politische und gesellschaftliche Tagesgeschehen mit seinen Gästen besprach. Im Herbst 2020 gehörte er zu den Erstunterzeichnern des Appell für freie Debattenräume.[5] Im Herbst 2020 löschte Spotify die Folge Trans-Babys und Pubertätsblocker mit Birgit Kelle sowie weitere Folgen des Podcasts indubio.[6]

Müller-Ullrich führt den indubio-Podcast, nachdem er sich im Streit von Die Achse des Guten getrennt hatte, unter dem neuen Namen Sonntagsrunde im Webradio Kontrafunk fort.[7][8] Am 21. Juni 2022 wurde Kontrafunk erstmals in der Form eines Radioprogrammes, das mit 1,2 Mio. Euro Startkapital ausgestattet ist, ausgestrahlt und von Müller-Ullrich mit dem Slogan „Die Stimme der Vernunft“ beworben. Jeweils ein Drittel der 20 Redakteure, die auf 12 Vollzeitstellen arbeiten, stammen aus dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk, von Russia Today (RT) und aus anderen Bereichen. Einer der Nachrichtensprecher ist der frühere DLF-Sprecher Volker-Andreas Thieme. Die Talkshow Die Beichte wird von der Ex-RT-Moderatorin Jasmin Kosubek moderiert. Der dauerhafte Bestand des Programmes soll über eine Finanzierung durch 12.000 Patenschaften von 10 Euro pro Monat gesichert werden. Die Redakteure moderieren aus ihren Privaträumen, ein Radiostudio existiert nicht. Am Firmensitz von Kontrafunk sind laut Handelsregister 50 weitere Firmen registriert, ein Briefkasten wird von drei weiteren Firmen geteilt, die im Besitz von Andreas Thiel stehen.[9][1] Kritiker des Kontrafunk behaupten, Inhalte der Sendungen entsprächen der programmatischen Ausrichtung der AfD.[10][11]

Burkhard Müller-Ullrich ist auch der Betreiber der Webseite Ich Habe Mitgemacht,[12] die „als Pranger für alle, die er für die Corona-Politik verantwortlich macht,“ dient.[13][14] Auf dieser Website werden Zitate von Menschen aus Politik, Wissenschaft und Medien im Zusammenhang mit dem SARS-CoV-2 Virus, den politischen Maßnahmen und im Umgang mit deren Kritikern gesammelt. Der Vorwurf gegen die Aufgelisteten, unter denen sich neben Karl Lauterbach auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann und die Grünen-Vorsitzende Ricarda Lang (Wahlkreis Backnang-Schwäbisch Gmünd) befinden: Sie hätten sich an „Corona-Unrecht“ beteiligt. Als Betreiber werden Anonyme „Archivare“ und der Journalist Burkhard Müller-Ullrich genannt.[12]

Preise und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2005 erhielt er den 2. Hörfunkpreis der RIAS-Berlin-Kommission für sein im November 2004 verfasstes Wahltagebuch aus Florida.[15]

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • früheres Mitglied des deutschen P.E.N.
  • Mitglied im Bund Deutscher Sportschützen.[16]
  • AfD-Mitglied (seit 2017)[17]

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Müller-Ullrich lebte in Frankfurt am Main, München und auf der Insel Reichenau. 1982 siedelte er nach Genf über, 1994 nach Freiburg im Breisgau. Heute lebt er mit seiner Familie in Köln und in der Schweiz. Er ist Staatsbürger von Deutschland und der Schweiz.[18]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Andrej Reisin: Ein Radio für alle, die an Corona-Impfungen, Klimawandel und allen anderen Radios zweifeln. In: Übermedien. 1. Juli 2022, abgerufen am 11. Juli 2022.
  2. Fachzeitschriften: Krise bei den Protestanten. In: Der Spiegel. Nr. 4, 1995 (online).
  3. Tim Gieselmann: “Spiegel”: Fragwürdige Äußerungen von Mitarbeiter irritieren SWR und Deutschlandradio., turi2.de, 5. Februar 2021 ("Spiegel" 6/2021 (Vorabmeldung per Mail))
  4. Original-Meldung Medien: Ärger von Rechts, Der Spiegel 6/2021, Scan auf dem Twitter-Kanal des Journalisten Christian Fuchs, 24. Juni 2022: „Vor allem die öffentlich-rechtlichen Medien“ seien „Panikschleudern in Sachen Corona“.
  5. Erstunterzeichner. In: idw-europe.org. 7. Januar 2020, abgerufen am 25. September 2020.
  6. Peter Winnemöller: „Wir erleben Mimosentum“. Die Tagespost, 16. Oktober 2020, abgerufen am 17. Oktober 2020.
  7. kontrafunk.radio
  8. Kontrafunk-Stream
  9. Fabian Eberhard: AfD-nahes Radio hat Sitz in der Schweiz. 10. Juli 2022, abgerufen am 30. Juli 2022 (Schweizer Hochdeutsch).
  10. Anton Maegerle/Hans Stutz: „Kontrafunk“: Neues Online-Radio verbreitet Altbekanntes: Das Online-Radio „Kontrafunk“ von Burkhard Müller-Ullrich sei eine neue Hoffnung der Neuen Rechten, verbreite aber Altbekanntes. In: Endstation Rechts. 18. Juli 2022, abgerufen am 29. Juli 2022: „Im Klartext: Was „Kontrafunk“ kritisiert, gehört auch zum Programm der AfD. Beide sind für nationalistische Finanzpolitik, für Atomstrom und gegen Migration, für europäischen Zusammenschluss, Frauenemanzipation und Maßnahmen zur Stabilisierung des Klimas. Sie bevorzugen einen illiberalen Staat, nahe den Vorstellungen von Viktor Orbán oder Wladimir Putin.“
  11. Annika Schnabel: „Kontrafunk“: Der neue, öde Stern am rechten Radiohimmel, Volksverpetzer, 19. Juli 2022: „Kontrafunk: Langweiliges AfD-Radio“
  12. a b Alexander Roth: #IchHabeMitgemacht: Querdenker bewerben Online-Pranger – was dahintersteckt. In: ZVW Digital. Zeitungsverlag Waiblingen, 14. April 2022, abgerufen am 21. April 2022.
  13. Martin Zeyn: #IchHabeMitgemacht: Warum Corona-Leugner immer noch Hass säen. In: br.de. Abgerufen am 11. Juli 2022.
  14. Peter Zellinger: Radikalisierung: Querdenker betreiben Online-Pranger für angebliches "Corona-Unrecht". In: DerStandard.de. 3. August 2022, abgerufen am 4. August 2022.
  15. Preisgewinner 1995-2020, riasberlin.org, PDF-Datei, S. 4
  16. Burkhard Müller-Ullrich. In: Die Achse des Guten. Achgut Media GmbH, 19. April 2020, abgerufen am 7. Mai 2022.
  17. Fabian Eberhard: Spuren führen zu leeren Räumen in Cham ZG – und Satiriker Andreas Thiel: AfD-nahes Radio hat Sitz in der Schweiz, blick.ch, 10. Juli 2022
  18. Burkhard Müller-Ullrich bei Achgut, abgerufen am 29. Juli 2022.