Gundling (Familie)

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Stammwappen Gundling

Die Familie Gundling (Plural: Gundlinge) ist ein deutsches Geschlecht. Es gibt in Deutschland nach derzeitiger Forschung lediglich eine Familie mit diesem Familiennamen.[1] Die Familie war zunächst protestantisch. Die Linien, die sich im heutigen Norden von Baden-Württemberg niederließen, konvertierten zum römisch-katholischen Glauben.

Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Familie geht auf einen Balthasar genannt Gundling zurück. Balthasar Gundling soll selbst am Reformationsgeschehen teilgehabt haben.[2][3] Sein Sohn Jörg Gundling erhielt am 17. Juli 1531 in Nürnberg das Bürgerrecht. Zur Abstammung des Balthasar genannt Gundling gibt es verschiedene Theorien[4], die darin übereinstimmen, dass die Familie adeliger Herkunft sei und aus dem Herzogtum Brabant stammen soll (vor allem Haus Glymes). Erste Hinweise zur Abstammung sind 1731 bei Aletop Hilo[2], 1733 bei Jean-Pierre Nicéron[5] und 1756 bei Andreas Würfel und Carl Christian Hirsch belegt, 1772 bei Johann Christoph von Dreyhaupt sowie 1795 bei Anton Balthasar König.[6]

Familiennamen und Namensvarianten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut familiäre Tradition soll Gundling von Gunstling beziehungsweise Günstling abgeleitet, und deshalb der Nenn-Name des Balthasar sein, der in der Gunst des Kaisers Maximilian I. gestanden haben soll. Diese Theorie wird auch von Andreas Würfel vertreten. Sie ist die früheste schriftlich erwähnte Theorie. Roman von Procházka deutet den Namen Gundling als eine matronische Bezeichnung des Sohnes einer Kunigunde oder Adelgunde (kurz: Gundel). Hans Bahlow dagegen leitet den Namen vom germanischen gund (Kampf) ab.[7] Diese Herleitung wird auch von Theo Konrad Gundling vertreten, der Gundling von gundo (Kämpfer) ableitet.[8]

Zu den Namensvarianten von Gundling gehört, neben den geadelten Linien, Gundel oder Gundl, welche vor allem im Raum Hohenlohe-Taubertal als Kurzform des Namens auftrat. Ebenfalls in dieser Region war die umgangssprachliche Variante Grafe(n) Gundling verbreitet, mit der Legende verbunden, dass die Gundlinge ihre Herrschaft durch einen Krieg verloren hätten. Tatsächlich resultierte die Variante vermutlich aus der häufigen Stellung von Mitgliedern der Familie als Centgrafen in der Region.[9] Indes gab es einen Burggrafen Philipp Gundling zu Lichtel-Finsterlohr (1636–1691).[10]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Epitaphium (Bornstedter Friedhofskirche) mit freiherrlichem Wappen Gundling

Das Stammwappen der Gundlinge wird wie folgt blasoniert: Gespalten Silber und Grün, vorne drei Pfähle Rot, hinten neun durchbrochene Rauten Gold 3:3:3; Decken vorne Rot Silber, hinten Grün Gold; Helmkrone, ein Pfauenfedernstoß von 6 Federn. Im Freiherrenstandsdiplom werden die Rauten nicht durchbrochen und auf blauem Grund angegeben.

Mit der Nobilitierung 1724 wurde Jacob Paul von Gundling folgendes gebessertes Wappen verliehen: Über einem Schildfuß Grün drei mal geteilt, im ersten und dritten Teil zwei mal und im zweiten Teil drei mal gespalten; 1 Blau, eine Krone Gold; 2 Silber, ein Adlerkopf Schwarz, goldbewehrt; 3 Gold, ein grüner Kranz; 4 und 7 Silber, mit den Sachsen einwärts gekehrter Flügel Schwarz; 5 Silber, drei Pfähle Rot; 6 Blau, 9 Rauten Gold 3:3:3;8 und 10 Gold, nach außen gekehrte Greifenklaue Rot, goldbewehrt; 9 Silber, Pfahlweise aus der oberen Teilung kommend ein Adlerschwanz Schwarz; Decken vorne Gold Rot Silber Schwarz und hinten Silber Blau Gold Grün; 3 Silberne Straußenfedern überhöht von drei fünffach gespiegelten Pfauenschweifen natürlich.

Im Siebmacher ist zudem eine dritte, bürgerliche Wappenvariation für Nicolaus Hieronymus Gundling überliefert. Es stellt hauptsächlich die rechte Wappenhälfte des Stammwappens dar und wird wie folgt blasoniert: Silber, drei Pfähle Rot; Decken Rot Silber; Helmkrone, drei Straußenfedern Rot Silber Rot.[11] Diese im Siebmacher überlieferte Wappenvariation beruht wahrscheinlich auf einem Übertragungsfehler, der aus einer missverständlichen Formulierung des Freiherrenstandsdiploms für Jacob Paul von Gundling resultiert. Es gibt keine belastbaren Anhaltspunkte, dass diese Wappenvariation tatsächlich geführt wurde.[12]

Bekannte Mitglieder und Linien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Franciscus Gundling
Wolfgang Gundling
Nicolaus Hieronymus Gundlingius mit dem kleinen Stammwappen
Eduard Gundling
  1. Georg genannt Jörg Gundling (um 1495–vor 1562), Stammvater der Fränkischen Linie[13]
    1. Franciscus Gundling (um 1530–1567), protestantischer Prediger bei St. Lorenz in Nürnberg und Weggefährte von Andreas Osiander[14]
      1. Johann genannt Hanz Gundling (1566–vor 1628), Sattler- und Gürtlermeister in Nürnberg[15]
        1. Theodorus Gundteling (Theodor Gundling; 1591–nach 1639), Schulmeister zu Laudenbach, konvertierte zum römisch-katholischen Glauben.[16]
          1. Johannes Gundteling (1613–1681), Gemeinderichter von Markelsheim, Rat, deutschherrischer Kellermeister und Küfer (Stammvater der sogenannten Markelsheimer Linie)[17]
            1. Johann Leonhard Gundling (* 1641), Taubermüller
              1. Johann Georg Gundling (1664–1729), Gemeinderichter von Markelsheim, Rat und Taubermüller
                1. Johann Nikolaus Gundling (1692–1762), Gemeinderichter von Markelsheim, vorstehender Rat und Taubermüller
              2. Johann Paulus Gundling (1673–1743), deutschherrischer Kellermeister, Rat und Küfer
                1. Johannes Wendelinus Gundling (1710–1783), deutschherrischer Kellermeister, Gemeinderichter und Küfer
        2. Hans der Jüngere Gundling (1596–1676), Sattler- und Gürtlermeister[18]
          1. Philipp Gundling (1636–1691), Burggraf zu Lichtel-Finsterlohr
            1. Johann Wilhelm Gundling (1685–1738), deutschherrischer Centgraf und Rentmeister
              1. Johann Jonas Gundling (1724–1792), Oberforstmeister (Stammvater der sogenannten Böhmischen/Prager Linie)
                1. Anton Gundling (1786–1864), Jurist und Eisenhandelsherr in Prag
                  1. Eduard Gundling (1819–1905), Rechtswissenschaftler in Prag
                    1. Antonia Ludmilla Gundling (1861–1945), Wohltäterin und Präsidentin des Deutschen Künstlerinnenklubs in Prag ∞ Rudolph von Procházka (1864–1936)
                      1. Roman von Procházka (1900–1990), Jurist und Genealoge
                  2. Julius Gundling (1828–1890), Schriftsteller und Journalist
                2. Franz Josef Gundling (1791–1863; polnisch Gündling ausgesprochen), Verleger in Krakau
        3. Konrad Gundling (um 1598–1675), Sattler in Nürnberg (Stammvater der jüngeren Nürnberger Linie der Fränkischen Linie)[19]
          1. Wolfgang Gundling (1637–1689), Prediger, Diakon, Kapitelsdekan und protestantischer Schriftsteller in Nürnberg
            1. Johann Jakob (von) Gundling (um 1666–1712), Künstler in Nürnberg[20]
            2. Nicolaus Hieronymus Gundling (1671–1729), Universalgelehrter, Professor des Naturrechts und der Philosophie in Halle/Saale, Mitbegründer der Lehre des Geistigen Eigentums
              1. Johann Andreas von Gundling (* 1715), Freikorporal, war in diplomatische Auseinandersetzungen zwischen Preußen und Stollberg verwickelt (Gundling-Happach-Fall).[21]
            3. Jacob Paul Freiherr von Gundling (1673–1731), Gelehrter und Hofnarr in Berlin, Präsident der Preußischen Akademie der Wissenschaften

Weitere bekannte Gundlinge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • R. Pallmann: Gundling (Familie). In: Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste, Band I 97, Leipzig 1878, S. 252f.
  • Roman Freiherr von Procházka: Meine 32 Ahnen und ihre Sippenkreise, Verlag Degener & Co., Leipzig 1928.
  • Theo Konrad Gundling: Die Markelsheimer Gundling: Eine genealogische Studie mit Sippenbild, Markelsheim 1954 (in Teilen neu herausgegeben als Genealogische Blätter der Familie Gundling und anverwandte Familien Nr. 11, 13 und 15, 2017–2019).
  • Roman Freiherr von Procházka: Nochmals Gundling. In: Archiv für Sippenforschung, 30. Jahrgang, Heft 16 1964, S. 542–543.
  • Roman Freiherr von Procházka: Physiognomie und Phänotyp der Gundlinge. In: Archiv für Sippenforschung, 31. Jahrgang, Heft 19, August 1965.
  • Roman Freiherr von Procházka: Familiengeschichte Gundling, Ellwangen 1971.
  • Lukas Christoph Gundling (Hrsg.): Genealogische Blätter der Familie Gundling und anverwandte Familien (GBFG), Erfurt 2013–heute. ISSN 2196-386X
  • Lukas C. Gundling: Zur Herkunft der Gundlinge in Nord-Württemberg: Warum die Gundling-Forschung in der Abstammungsfrage wieder fast am Anfang steht. In: Südwestdeutsche Blätter für Familien- und Wappenkunde (SWDB) Band 33, Stuttgart 2015, S. 115–131.
  • Lukas C. Gundling: Die Wege der Gundlinge nach Osten: Wie die Gundlinge von Württemberg nach Danzig, Krakau, Prag und Wien kamen, nebst der Verbindung der Gundlinge zum Genealogen Roman von Procházka. In: Südwestdeutsche Blätter für Familien- und Wappenkunde (SWDB) Band 34, Stuttgart 2016, S. 81–104.
  • Lukas C. Gundling: Die Herkunft des Gelehrten Nicolaus Hieronymus Gundling im Lichte neuerer Erkentnisse der Gundling-Forschung. In: Ekkehard, Familien- und regionalgeschichtliche Forschung, N.F. Band 24 (2017), S. 1–11.
  • Lukas C. Gundling: Die Familie Gundling wie sie im Buche steht. In: Südwestdeutsche Blätter für Familien- und Wappenkunde (SWDB) Band 35, Stuttgart 2017, S. 67–93.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Genealogische Blätter der Familie Gundling und anverwandte Familien (GBFG) Nr. 1, Erfurt 2013, S. 1.
  2. a b Aletop Hilo: Examen rigorosum, welches Apollo zwischen Herrn Nicalao Hyeronimo Gundlingen und Herrn Joh. Francisco Buddeo nach deren Tode, bey einem Convent-Tage seiner Musen angestellet, 1731, S. 60f. (Auszüge in GBFG Nr. 12, Erfurt 2018, S. 5f.)
  3. Lukas C. Gundling: Zur Herkunft der Gundlinge in Nord-Württemberg. In: Südwestdeutsche Blätter für Familien- und Wappenkunde (SWDB) Band 33, Stuttgart 2015, S. 117ff.; ders.: Die Familie Gundling wie sie im Buche steht, in: Südwestdeutsche Blätter für Familien- und Wappenkunde (SWDB) Band 35, Stuttgart 2017, S. 74.
  4. Übersicht bei Gundling 2015, S. 117ff.; Gundling, SWDB 35 (2017), S. 76f. Fn. 63.
  5. Jean-Pierre Nicéron: Mémoires pour servir à l'histoire des hommes illustres dans la république des lettres, avec un catalogue raisonné de leurs ouvrages ..., Band 21, Braisson, Paris 1733, S. 381 (Auszüge in GBFG Nr. 12, Erfurt 2018, S. 6f.).
  6. GBFG Nr. 12, Erfurt 2018, S. 5ff; GBFG Nr. 1, Erfurt 2013 S. 3f.; mögliche Ahnenreihe ab Balthasr gen. Gundling in: GBFG Nr. 7, Erfurt 2015, S. 2, Fn. 12.
  7. Hans Bahlow: Deutsches Namenlexikon, Suhrkamp, Frankfurt am Main, 12. Aufl., 1994, ISBN 3-518-36565-7.
  8. GBFG Nr. 1, Erfurt 2013, S. 1f.; Procházka 1928, S. 604.
  9. GBFG Nr. 1, Erfurt 2013, S. 2.
  10. Lore Schretzenmayr: Die Vorfahren des R. Frhr. v. Procházka, in: Sudetendeutsche Familienforschung, Jahresheft 1980, 22. Jahrgang Band IV, S. 370.
  11. Otto Titan von Hefner et al.: J. Siebmacher's Großes Wappenbuch; Band 9: Die Wappen bürgerlicher Geschlechter Deutschlands und der Schweiz; Teil 1, Bauer und Raspe, Neustadt an der Aisch 1971, Abt. 3, S. 79 Tafel 86.
  12. GBFG Nr. 7, Erfurt 2015, S. 5; GBFG Nr. 8, Erfurt 2016, S. 1ff.
  13. Gundling, SWDB 2017, S. 74f.
  14. Andreas Würfel; Carl Christian Hirsch: Diptycha ecclesiae Laurentianae, das ist: Verzeichnüß und Lebensbeschreibungen der Herren Prediger, Herren Schaffer und Herren Diaconorum, welche seit der gesegneten Reformation biß hieher an der Haupt- und Pfarr-Kirche bey St. Laurenzen in Nürnberg gedienet haben; Nürnberg, Roth 1756, S. 90 (Nr. XXI).
  15. GBFG Nr. 2, Erfurt 2013, S. 2.
  16. Procházka 1971, S. 6.
  17. Zu den Markelsheimer Linien: Theo K. Gundling: Die Markelsheimer Gundling: Eine genealogische Studie mit Sippenbild, Markelsheim 1954.
  18. zur Prager Linie siehe GBFG Nr. 4, Erfurt 2014, S. 2ff.
  19. Procházka 1971, S. 11.
  20. GBFG Nr. 1, Erfurt 2013, S. 5f.
  21. Lukas C. Gundling: Der Freikorporal Junker Johann Andreas von Gundling. In: GBFG Nr. 14 (2019), S. 6 f.
  22. Lukas C. Gundling: Der kurfürstlich-oberpfälzische Hofkammerrat Lic. iur. Johann Zacharias (von) Gundling. In: GBFG Nr. 14 (2019), S. 1–5.