Gunther Moll

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Gunther Moll (2014)

Gunther H. Moll (* 1957) ist ein deutscher Kinderpsychiater, Politiker und Buchautor. Er ist Professor für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und Leiter der Kinder- und Jugendabteilung für Psychische Gesundheit am Universitätsklinikum Erlangen.[1]

Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gunther Moll ist auf dem Gebiet der neurobiologischen Grundlagen kinder- und jugendpsychiatrischer Störungsbilder sowie der Auswirkungen von Psychopharmakagaben sowie pränatalen und frühkindlichen Stress auf die Gehirnentwicklung tätig. Für seine Arbeit wurde er im Jahr 2000 mit dem Hermann Emminghaus-Preis ausgezeichnet.[2]

Anfang 2009 erschien eine Arbeit der Forschungsgruppe um Gunther Moll, die erstmals in einer großen Studie die Wirksamkeit von Neurofeedback bei Kindern und Jugendlichen mit ADHS nachweisen konnte.[3][4] Weitere Schwerpunkte sind die Stressregulation bei Angststörungen und Depressionen, die Wirksamkeit von Lichttherapie bei affektiven Störungen sowie die neuronale Verarbeitung von emotionalen Reizen bei Essstörungen.

Mit dem Thema störungsübergreifender Risiken wendet sich Gunther Moll seit 2012 der Erforschung der pränatalen und frühkindlichen Entwicklungsphasen zu. Dabei untersucht er mit seiner Forschergruppe den Einfluss von u. a. mütterlichem Stress, affektiven Symptomen oder Alkoholexposition während der Schwangerschaft auf die kindliche Entwicklung.[5][6]

Im Rahmen eines Präventionsprojektes zur Vorbeugung gegen die Entstehung psychischer Störungen im Kindes- und Jugendalter gründete Gunther Moll 1997 das „Kinderkompetenz“-Team. Bis 2011 setzte es sich für Belange von Kindern und Familien in Deutschland ein und klärte durch Beiträge in Medien und Vorträge darüber auf, was Kinder für eine gesunde Entwicklung brauchen.[7][8] Dabei fordert Gunther Moll in Büchern, Vorträgen und Offenen Briefen die Kinder auf, selbst für ihre Rechte und ihre Zukunft einzutreten („Fridays for Future[9]).

Gunther Moll engagierte sich von 2005 bis 2011 auf Lokalebene für Bündnis 90/Die Grünen.[10] Er war Mitglied des Parteirates und setzte sich für finanzielle Absicherung von Familien, kinderfreundliche Arbeitszeiten, bessere Kinderkrippen, kleine Gruppen in Kindergärten und Schulen sowie für ein „lebenswertes Leben“ für alle Menschen ein. Weiterhin kämpft er für die Gewährleistung der in der UN-Kinderrechtskonvention vorgegebenen Rechte der Kinder[11], gegen die Abdrängung von Menschen, die nicht mehr oder noch nicht erwerbstätig sind, von Senioren und Kindern, in „Aufbewahrungsanstalten“ wie Altenheimen und Ganztagesschulen[12] und für die „Abschaffung“ von Behinderten Menschen[13]. 2008 kandidierte er erfolglos für den Bayerischen Landtag.[14]

Seit Ende 2012 ist Gunther Moll Mitglied der Freien Wähler. 2013 kandidierte er erfolglos mit seinen Schwerpunkten Kinder, Familie, Schule und Gesundheit als Direktkandidat für den Stimmkreis Erlangen-Stadt für den 17. Bayerischen Landtag. In der Stadtratswahl am 16. März 2014 wurde er in den Erlanger Stadtrat gewählt.

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2006 erschien Molls erstes Buch Hallo hier spricht mein Gehirn, das Gunther Moll zusammen mit Ralph Dawirs und der Journalistin Svenja Niescken verfasst hat, im Beltz Verlag.[15] Es befasst sich auf allgemeinverständliche Weise[16] mit der Gehirnentwicklung in den ersten Lebensjahren[17] und wurde innerhalb weniger Monate zum Bestseller.

2008 erschien der Nachfolger Endlich in der Pubertät – Vom Sinn der wilden Jahre ebenfalls im Beltz Verlag und wurde auf der Frankfurter Buchmesse offiziell vorgestellt.[18] Der Jugendliche Lukas erzählt darin von den Wirren der Zeit zwischen Kindheit und offiziellem Erwachsenenalter. Auch das zweite Buch erhielt ein positives Presse-Echo.[19][20]

2010 wurde auf der Frankfurter Buchmesse das dritte Buch des Autorenduos Dawirs/Moll vorgestellt. Die 10 größten Erziehungsirrtümer und wie wir es besser machen können ist ein Erziehungsratgeber für „Eltern, die ihre Kinder wahrhaft lieben und deswegen schon jetzt fast alles richtig machen“ (Klappentext, Beltz Verlag). Es setzt „Impulse für die Erziehung im 21. Jahrhundert“ (FAZ[21]) und wurde ebenfalls zum Bestseller.

2012 erschien im Papeto Verlag das Buch DieKinderwagenRevolution, welches Gunther Moll zusammen mit seinem Sohn Benjamin verfasst hat.[22] Der „Mollsche Wutausbruch“ (Frankfurter Rundschau) ist ein „Aufruf für die Freiheit und eine Eltern-Großeltern-Kinder-Revolution zur Gewährleistung der Menschenrechte“. 2016 veröffentlichten Gunther und Benjamin Moll die gekürzte und überarbeitete Neufassung der „Kinderwagen-Revolution“ unter dem Titel Der Umbruch: Wie Kinder, Eltern und Großeltern unser Land veränderten. 2017 veröffentlichten Gunther und Benjamin Moll mit Hin und Her gerückt (Papeto-Verlag) ein Psychiatrie-Lehrbuch, in dem sich die Personenbeschreibungen zunehmend in einer Erzählung vermischen.[23]

2018 veröffentlichte Gunther Moll gemeinsam mit der Journalistin und Redakteurin der Nürnberger Nachrichten Sarah Benecke und dem früheren Vorstandsvorsitzenden der Sparda-Bank München e.G. Günter Grzega das Buch Die Vorstufe zum Paradies für uns alle. Darin beschrieben die Autoren den Wandel vom Neoliberalismus zur Gemeinwohl-Ökonomie.[24]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Gunther Moll – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jugendabteilung für Psychische Gesundheit am Universitätsklinikum Erlangen (Memento vom 24. März 2014 im Internet Archive) Website der Jugendabteilung für Psychische Gesundheit am Universitätsklinikum Erlangen
  2. Rita Wilp: Personalia – kurz notiert. In: uni-protokolle.de. 27. Juni 2000, abgerufen am 23. März 2017.
  3. Neurofeedback bei ADHS (Memento vom 28. Februar 2009 im Internet Archive) Pressemitteilung des Universitätsklinikums Erlangen
  4. Gevensleben H, Holl B, Albrecht B, Vogel C, Schlamp D, Kratz O, Studer P, Rothenberger A, Moll GH, Heinrich H: Is neurofeedback an efficacious treatment for ADHD? A randomised controlled clinical trial. J Child Psychol Psychiatry. 2009 Jul;50(7):780-9. PMID 19207632
  5. Anna Eichler, Lisa Walz, Juliane Grunitz, Jennifer Grimm, Jessica Van Doren: Children of Prenatally Depressed Mothers: Externalizing and Internalizing Symptoms are Accompanied by Reductions in Specific Social-Emotional Competencies. In: Journal of Child and Family Studies. 21. Juni 2017, ISSN 1062-1024, S. 1–10, doi:10.1007/s10826-017-0819-0 (springer.com [abgerufen am 4. Oktober 2017]).
  6. Eichler, A., Hudler, L., Grunitz, J., Grimm, J., Raabe, E., Goecke, T. W., et al.: Effects of prenatal alcohol consumption on cognitive development and ADHD-related behaviour in primary-school age: A multilevel study based on meconium ethyl glucuronide. In: Journal of Child Psychology and Psychiatry. JCPP-OA-2016-00694.
  7. «Die Schule muss dann wie ein Dorf sein» Interview mit Gunther Moll in: Nordbayerische Nachrichten vom 19. Juni 2009
  8. Katja Irle: Pickel und Protest. In: Frankfurter Rundschau. 27. November 2009, abgerufen am 23. März 2017.
  9. Gunther Moll: Liebe Schülerinnen und Schüler, geht bitte weiter auf die Straße! 26. Januar 2019, abgerufen am 7. Februar 2019 (deutsch).
  10. Demokratie im Internet (Memento vom 21. Oktober 2008 im Internet Archive) Profil von Gunther Moll (GRÜNE)
  11. Gunther Moll: Die Würde des Kindes. In: WeltN24. 10. Dezember 2007, abgerufen am 23. März 2017.
  12. "Wir brauchen wieder eine Kindheit". In: Berliner Morgenpost. 30. September 2010, abgerufen am 23. März 2017.
  13. Gunther Moll: Es gibt keine Behinderten! In: WeltN24. 26. Februar 2010, abgerufen am 23. März 2017.
  14. Dr. Gunther Moll (DIE GRÜNEN). In: Parlamentwatch. Abgerufen am 23. März 2017.
  15. Amüsant und allgemeinverständlich: Neues Buch erläutert Entwicklung des kindlichen Gehirns (Memento vom 20. Juli 2007 im Internet Archive) Universitätsklinikum Erlangen Archiv 2006
  16. "Vom Sinn der wilden Jahre". In: WeltN24. 20. September 2008, abgerufen am 23. März 2017.
  17. Birgitta vom Lehn: Warum Kinder am besten mit Gefühl lernen. In: WeltN24. 2. November 2007, abgerufen am 23. März 2017.
  18. Birgitta vom Lehn: Kreativität erreicht in der Pubertät ihren Höhepunkt. In: WeltN24. 22. September 2008, abgerufen am 23. März 2017.
  19. Ralph Dawirs, Gunther Moll: Schrecken der Pubertät entzaubert. In: Deutschlandradio Kultur. 18. November 2008, abgerufen am 23. März 2017.
  20. Susanne Prebitzer: Die Alten stehen den Jungen im Weg. In: Frankfurter Allgemeine. 16. November 2008, abgerufen am 23. März 2017.
  21. Ralph Dawirs, Gunther Moll: Die 10 größten Erziehungsirrtümer und wie wir es besser machen können. In: bücher.de. Abgerufen am 23. März 2017.
  22. Neuerscheinung: „DieKinderwagenRevolution“ (Memento vom 24. Oktober 2012 im Internet Archive) Universitätsklinikum Erlangen Presseinfo vom 8. Oktober 2012
  23. Hin- und Hergerückt, Pressemitteilung des Universitätsklinikums Erlangen, 27. November 2017
  24. Reinhard Sellnow: Buchempfehlung: „Die Vorstufe zum Paradies für uns alle“ – Gemeinwohl-Ökonomie Bayern e.V. Abgerufen am 7. Februar 2019 (deutsch).