Gut Berg

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Das Herrenhaus des Gutes Friedrichshöhe („auf dem Berge“) in der Weinbergstraße 8...
...und das gegenüberliegende Herrenhaus des Gutes Berg („am Steinwege“) in der Weinbergstraße 9

Das Gut Berg vor Eilenburg war ein Vorwerk bei Eilenburg, aus dem später die zwei eigenständigen Rittergüter Berg und Friedrichshöhe hervorgingen. Die Anlage befand sich westlich der Stadt und südlich der Burg Eilenburg auf dem Hochufer der Mulde. Die beiden erhaltenen sich gegenüber liegenden Herrenhäuser in der heutigen Weinbergstraße 8 und 9 sind eingetragene Kulturdenkmale in der Denkmalliste des Landesamtes für Denkmalpflege Sachsen (Objektnummern 08973303 und 08973318).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gut Berg wurde 1395 erstmals als Vorwerk (uff dem Berge lyt eyn furwerg hoff) erwähnt. Es befand sich ursprünglich im Bereich der ehemaligen Burglehn- und Wirtschaftshöfe der Burg Eilenburg[1]. Laut Chronik waren dazu die Anwohner der heutigen Mittel-, Grenz- und Weinbergstraße sowie am Grabenweg abgabepflichtig[2]. Nachdem das Gut 1463 als wüst gefallen erwähnt wurde,[1] ging es 1533 in einem Lehnsakt des Kurfürsten Johann Friedrich I. an Franz von Plaußig. Schon damals bestand Gut Berg aus zwei sich gegenüberliegenden Höfen („Hof auf dem Berge“ und „Hof am Steinwege“). 1556 erhielt der neue Besitzer, Amtsverwalter Georg Winkler, vom Kurfürsten August I. das Recht des Erbgutes, allerdings ohne Obergerichtsbarkeit. 1561 kam der Teil an der heutigen Friedrichshöhe („auf dem Berge“) an den Amtsverwalter Heinrich Schlegel, dessen Mannlehngut 1563 vom Kurfürsten ebenso in einen allodialen Besitz umgewandelt wurde.

Damit bestanden nun zwei eigenständige Rittergüter, die erst 1844 wieder an einen gemeinsamen Besitzer kamen. Die Bezeichnung Gut Berg meinte fortan das Gut „am Steinwege“, welches westlich der heutigen Weinbergstraße lag. Das östlich gelegene Gut hieß weiterhin „auf dem Berge“. Die etwas irreführende Namensgebung wurde 1875 aufgegeben, als der neue Besitzer des Rittergutes „auf dem Berge“, Friedrich von Pentz, dem Anwesen seinen Namen gab.[2] Seither bestand die noch heute gebräuchliche Unterscheidung der Güter in Berg und Friedrichshöhe.

1652 erstach der Junker Hans Bernhard von Wahren auf seinem Rittergut Berg den Quartiermeister Schwalbe aus Krippehna. Von Wahren wurde jedoch begnadigt und die ausgesprochene Geldstrafe von 500 Gulden ging an die Kirchen.[2] Die Güter wechselten in der Folgezeit noch mehrfach den Besitzer. 1844 kamen sie beide wieder in eine Hand. Nachdem seit 1876 über eine Eingemeindung nach Eilenburg verhandelt wurde, verloren die Güter 1894 per „allerhöchste[r] Kabinettsorder“[2] ihre Selbstständigkeit. 1945 wurden sie schließlich im Zuge der Bodenreform in der Sowjetischen Besatzungszone entschädigungslos enteignet. Die Enteignung wurde damals von der Maxime „Junkerland in Bauernhand“ flankiert.

1542 zählte der Gutsbezirk zehn besessene Mann, 1747 wurden dort 30 Häusler mit drei Hufen Land erwähnt[1], ebenso im Jahr 1814, als das Gut Berg mit 30 Häusern am Hintersteinweg und in Wedelwitz erwähnt wurde[2]. Pfarrkirche war stets die Marienkirche.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1745 erwarb der Kriegsrat und Satiriker Christian Ludwig Liscow das Gut „auf dem Berge“, wo er seinen Alterssitz einrichtete und 1760 starb. Er wurde in der nahegelegenen Marienkirche beigesetzt. Das Gut blieb bis 1800 in Familienbesitz.
Der anhaltische Hofmarschall wurde 1725 auf dem Gut Berg geboren und war Besitzer des Gutes bis 1785.
Der kaiserlich-königliche Generalmajor war Bruder Bussos und kam 1732 auf Gut Berg zur Welt.
1803 kam auf Gut Berg der Novellendichter Karl Eduard von Bülow zur Welt, dessen Eltern 1799 in den Besitz des Gutes kamen.
Der Maschinenschlosser und Erfinder kam 1856 im Gutsbezirk von Gut Berg zur Welt.

Grundherrschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Rittergüter Berg und Friedrichshöhe wechselten vielfach den Besitzer. Unter diesen waren mehrere deutsche Adelsgeschlechter sowie Kommunal- und Staatsbeamte. Von 1561 bis 1844 waren beide Höfe in getrenntem Besitz. 1945 fiel das Land per Zwangsenteignung in Volkseigentum. Die nachfolgende Liste gibt einen Überblick über die Grundherrschaftsverhältnisse, erhebt allerdings keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Jahr Besitzer Gut Berg Besitzer Gut Friedrichshöhe Anmerkung
1533 Franz von Plaußig durch Lehnsakt des Kurfürsten Johann Friedrich I.
1555 Georg Winkler Amtsverwalter, durch Kauf
1561 Heinrich Schlegel Amtsverwalter, durch Kauf
1570 Christoph von Wahren Rittergutsbesitzer auf Wedelwitz
1602 Bernhard von Wahren nach brüderlicher Erbteilung, Rittergutsbesitzer auf Wedelwitz
1617 Paul Jenisch Bürgermeister von Eilenburg
1646 Friedrich Klaubart durch Zwangsversteigerung
1647 Christian Müller Bürgermeister von Eilenburg
1652 Hans Bernhard von Wahren Junker
1664 Cäsar Jobst und Hans Jobst von Breitenbach durch Zwangsversteigerung
1700 die beiden Söhne Christian Müllers
1723 Herren von Dieskau
1745 Christian Ludwig Liscow Satiriker
1774 Charlotte Wilhelmine und Charlotte Liscow durch Vererbung
1785 Louise Sabina Christophore von Goerne
geb. Freiin von Hohenthal
Geheimrätin, durch Kauf
1790 Ernst August Wilke Amtshauptmann
1799 Christian Gotthard Kessingen sächsischer Finanzkommissar
1800 Christian Sommer
1804 Concordia Dorothea von Bülow
verw. von Kessingen, geb. Schmalz
durch Vererbung
1805 Johann Christoph Schmalz
1822 Ernestine Friederike von Pentz
1824 Friederike Louise Erxleben, geb. Schmalz
1844 Ernestine Friederike von Pentz
1875 Friedrich Freiherr von Pentz
1934 Walter Freiherr von Pentz Rechtsritter des Johanniterordens
1945 Zwangsenteignung

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Berg (Berg vor Eilenburg) im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  2. a b c d e Geschichte der Stadt Eilenburg chronologisch in Auszügen, entnommen, überarbeitet und zusammengestellt aus Chroniken, Sachbüchern und Abhandlungen von Siegfried Buchhold (Digitalisat)

Koordinaten: 51° 27′ 24,3″ N, 12° 37′ 19,8″ O