Plaußig

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Plaußig auf einer Karte von 1899

Plaußig ist ein Stadtteil im Nordosten von Leipzig.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche
Dorfkirche von Plaußig, um 1850
Herrenhaus des Ritterguts, um 1860

Die Siedlungsgeschichte der Plaußiger Flur reicht nahezu 5000 Jahre in die Vergangenheit zurück. Archäologische Grabungen haben Hinweise auf eine Ansiedlung in der Jungsteinzeit (2400–1800 v. Chr.), eine Siedlung aus der bandkeramischen Kultur, Relikte aus der Jungbronzezeit (1000 v. Chr.) sowie ein slawisches Dorf ergeben. Die erste urkundliche Erwähnung des Gassendorfes stammt aus dem Jahre 1275.

Der Name der Siedlung geht auf slaw. pluskat ("plätschern") zurück, was womöglich einen Hinweis auf den nahe gelegenen Fluss Parthe darstellt. 1339 wurde der Ort zum Herrensitz des Caspar Plusk, 1490 ging er in den Besitz der Leipziger Patrizierfamilie Thümmel über. 1551 lebten in Plaußig 35 Personen. Von 1616 bis 1637 hatte der Leipziger Bürgermeister Friedrich Meyer (1570–1637) im Gut seinen Wohnsitz. Nach dessen Tod ging der Ort 1656 in den Besitz des Leipziger Ratsbaumeisters Johann Georg Sieber über, der von 1726 bis 1742 das Herrenhaus, die Pfarrei und die Kirche (Martinskirche, älteste Glocken des Leipziger Landes (1400 und 1439)) neu erbauen ließ.

Während des Dreißigjährigen Krieges wurde Plaußig stark in Mitleidenschaft gezogen. Im 18. Jahrhundert bestand ein Haupterwerbszweig der Bevölkerung im Fischfang und Fischhandel. Während der Völkerschlacht im Oktober 1813 wurde Plaußig, das nicht zum Hauptkampfgebiet gehörte, von französischen Truppen geplündert. Der letzte Pächter des Plaußiger Guts verkaufte es an das Johannishospital zu Leipzig, das später mitsamt seinen Ländereien in das Eigentum der Stadt überging.

Plaußig gehörte bis 1815 als Exklave im Kreisamt Leipzig zum kursächsischen Amt Delitzsch.[1] Da durch die Beschlüsse des Wiener Kongresses das Amt Delitzsch im Jahr 1815 zu Preußen kam, wurde die Exklave Plaußig in das den Ort umgebende königlich-sächsische Kreisamt Leipzig integriert.[2]

1859 wurde im Ort eine Schule errichtet. 1868 wurde eine Steinlinde gepflanzt, die heute Naturdenkmal ist. Durch die Nähe zu Leipzig wurde Plaußig in der Folge zu einem beliebten Ausflugsziel der Stadtbevölkerung. Besondere Berühmtheit erlangte dabei die Gastwirtschaft "Güldene Aue", die von 1872 bis 1982 betrieben wurde.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Rittergut in ein Volkseigenes Gut umgewandelt. Die Ackerflächen wurden überwiegend zur Saatgutzucht genutzt. Die landwirtschaftliche Nutzung hält bis heute an und wird seit 1992 durch die Saat-Gut Plaußig Voges KG[3] betrieben.

Am 1. Juli 1996 wurde Plaußig nach Leipzig eingemeindet[4] und bildet seitdem zusammen mit Portitz den Stadtteil Plaußig-Portitz. Ein gegen die Eingemeindung angestrengtes verwaltungsgerichtliches Verfahren blieb ohne Erfolg.

Impressionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Cornelius Gurlitt: Plaussig. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 16. Heft: Amtshauptmannschaft Leipzig (Leipzig Land). C. C. Meinhold, Dresden 1894, S. 95.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Plaußig – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0; S. 56 f.
  2. Plaußig im Historischen Ortsverzeichnis Sachsen
  3. Website der Saat-Gut Plaußig Voges KG - Geschichte
  4. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1996

Koordinaten: 51° 24′ N, 12° 27′ O