Gutbürgerlich

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Jägerschnitzel

Gutbürgerlich ist ein Attribut, mit dem Speisen der gutbürgerlichen Küche bezeichnet werden.

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gutbürgerlich assoziiert erstrebenswertes Bürgertum,[1] gutbürgerlich sei „ordentlich, solide, nicht übertrieben“.[2] Der „höfischen Küche“ des Adels stand die „bürgerliche Küche“ der Bürger als „Abglanz“ gegenüber; in den „gutbürgerlichen Küchen“ des 19. Jahrhunderts wurde das Kochen „Objekt des Prestiges“.[3] Die Kartoffel und der Kartoffelsalat stammen noch aus der bürgerlichen Küche; der Anbau in großem Stil begann für Deutschland 1716 in Sachsen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als repräsentativ für die gutbürgerliche Küche gilt Sophie Wilhelmine Scheiblers Kochbuch aus dem Jahre 1823.[4] Nach dem Erscheinen von Henriette Davidis Kochbuch im Jahre 1845[5] entstand der Begriff der „bürgerlichen Küche“, womit der Grundstein für die „gutbürgerliche Küche“ von heute gelegt war.[6] Das deutsche Bürgertum prägte seine eigene Art der Küche, die allgemein bekannt ist als „gutbürgerliche Küche“. „Der antiquiert anmutende Begriff hat sich bis heute erhalten. Er steht für solides, aber leicht raffinierte Hausmannskost (englisch comfort food) mit großzügig portionierten Qualitäts-Zutaten“.[7] „Die gutbürgerliche Küche ist vergleichbar mit der zeitgenössischen Vorstellung von einer Mahlzeit, bestehend aus Vorspeise, Hauptgericht und Dessert.“[8]

Die französische Küche kennt seit 1921 vier Kategorien, und zwar die Haute Cuisine (deutsch „hohe Kochkunst“), Cuisine bourgeoise (deutsch „gutbürgerliche Küche“), Cuisine régional (deutsch Regionalküche) und die Cuisine improvisée (deutsch „Landküche“).[9]

Heutige Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Gastronomie wird der Begriff „gutbürgerlich“ verwendet, um zu vermitteln, dass Gerichte nach bekannter oder traditioneller Zubereitungsart angeboten werden.

Der Portionsgröße nach gehören diese Speisen zur Hausmannskost. Typisch für den deutschsprachigen Raum sind Fleischgerichte wie Schnitzel und Braten mit Kartoffelbeilagen oder Klößen und einer Braunen Sauce. Beispiele hierfür sind Hausfrauen-, Jäger-, Zigeuner- oder Burgunderart. Als Fischgerichte sind blau gekochte Speisefische üblich (Müllerinart).

Der Duden definiert sie als „Küche, die einfache und nicht verfeinerte Gerichte in reichlichen Portionen bietet.“[10]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wort betrifft nicht nur die Kochkunst, sondern auch die Erziehung oder die Wohnkultur.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Heinz Schilling, Kleinbürger: Mentalität und Lebensstil, 2003, S. 33
  2. Wolfgang Herles, Vorwiegend festkochend: Kultur und Seele der deutschen Küche, 2019, o.S.
  3. Michael Habeck/Hans-W. Mayer, Das große Küchenhandbuch, 2004, S. 23
  4. Sophie Wilhelmine Scheibler, Allgemeines deutsches Kochbuch für bürgerliche Haushaltungen, 1823, S. 1 ff.
  5. Henriette Davidis, Praktisches Kochbuch – Zuverlässige und selbstgeprüfte Recepte der gewöhnlichen und feineren Küche, 1845, S. 1 ff.
  6. Katrin Wittmann, Im Fokus: Vom Haferbrei zur bürgerlichen Küche, in: Bärbel Schermer: Teubners Deutsche Küche, 2013, S. 27 f.
  7. Nadia Hassani, Spoonfuls of Germany: Culinary Delights of the German Regions in 170 Recipes, 2004, S. 6 f.
  8. Nadia Hassani, Spoonfuls of Germany: Culinary Delights of the German Regions in 170 Recipes, 2004, S. 7
  9. Maurice Edmond Sailland alias Curnonsky/Marcel Rouff, La France gastronomique, 1921, S. 412 ff.
  10. Duden online, Stichwort: gutbürgerlich, 2021, abgerufen am 15. Januar 2021