Höchstpreisedikt

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Kopie (Abguss) eines in Aizanoi gefundenen Bruchstückes des Edikts im Pergamonmuseum Berlin aus dem Bestand des Berliner Münzkabinetts

Das Höchstpreisedikt (Latein: Edictum (Diocletiani) De Pretiis Rerum Venalium), benannt nach dem römischen Kaiser Diokletian, wurde 301 n. Chr. von den römischen Tetrarchen erlassen und galt für das gesamte Reichsgebiet.[1] Es setzte als Preiskontrollgesetz Höchstpreise für eine Vielzahl von Produkten und Leistungen fest, deren Überschreitung in der ultima ratio mit der Todesstrafe geahndet werden konnte.

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die bedeutendste Zusammenfassung aller bisher veröffentlichten Fragmente stammt von Siegfried Lauffer, der durch die bis heute nicht abgeschlossene Textsammlung, diejenige Theodor Mommsens erweiterte und dadurch ablöste. Insoweit handelt es sich um eine bisher noch provisorische Steinsammlung. Vornehmlich stammen die Fragmente aus den Abruzzen (Pettorano), Westgriechenland (Achaia) und Kleinasien. Als originale Textfassungen gelten diejenigen in lateinischer Sprache, wenige griechische Übersetzungen zeigen sich nur auf Fragmenten aus Achaia, bilinguale Textfassungen sind nicht nachgewiesen. Der Aufbau des Edikts gestaltet sich so, dass eine Vorrede die Gründe und den Zweck der Maßnahme erläutert. Es erfolgt ein Hinweis auf die beigegebene Tariftabelle (in Anlage) zu den einzelnen preislimitierten Produkten und Dienstleistungen sowie die Sanktionen bei Zuwiderhandlung. Über Art und Umfang der Platzierung der in Kolumnen abgesetzten Inschriften an allgemein zugänglichen Orten und über den Verbreitungsgrad des Edikts in den einzelnen Provinzen, liegt bis heute kein verbindliches Forschungsergebnis vor. Da das Edikt beispielsweise in Lactanz’ Schrift De mortibus persecutorum (Von den Todesarten der Verfolger)[2] literarisch bezeugt ist, wird davon ausgegangen, dass es von nicht unerheblicher Bedeutung war.

Hintergründe und Nachwirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während der Reichskrise, die den wirtschaftlichen Verfall des römischen Reiches vorangetrieben hatte, wurden von zahlreichen Kaisern und Usurpatoren verstärkt Münzen geprägt, was die Inflation enorm anheizte. Darauf reagierte Diokletian, indem er im Rahmen eines grundlegenden Reformpaketes versuchte, die Steuern (Capitatio-Iugatio) und die Währung neu auszurichten. Einerseits sollten die Maßnahmen den Käufer in inflationären Zeiten schützen, gleichzeitig aber sollte der Warenumsatz fortan über eine staatliche Preisbindung steuerbar werden. Die Preiskontrolle selbst wurde durch das Höchstpreisedikt gedeckt, das wiederum Bestandteil der geplanten Münzreform war. Um die Währung zu stabilisieren, erfolgte deren Abwertung. Die Preise sind angegeben als denarii communes (Rechnungsdenare) – diese entsprechen nicht den Denaren der frühen Kaiserzeit. Der im Jahr 294 eingeführte Follis wurde am 1. September 301 mit 25 denarii communes festgelegt. Für mehr als tausend Produkte gab es nun verbindliche Höchstpreise. Parallel wurden Höchstlöhne für Dienstleistungen festgelegt. Da die Mehrheit der Bevölkerung die niedrigsten Tagelöhne erhielten, die Preise für Handwerkserzeugnisse aber sehr hoch lagen, litt besonders die ärmere Bevölkerung, die Hirten und Landarbeiter, unter dem Edikt.

Die Forschung hatte deshalb vielfach angenommen, dass das Edikt seine gewünschte Wirkung verfehlte und letztlich scheiterte. Die Preise seien vielfach schlicht völlig überzogen gewesen, was die Verkäufer dazu verleitete, zu geldlosen Tauschgeschäften überzugehen. Damit konnten die angekündigten Repressalien umgangen werden[3] und das Edikt sei inhaltlich ausgehöhlt worden. Formal wurde es tatsächlich aber nie außer Kraft gesetzt. Noch Theodor Mommsen verwies auf einen indiskutablen wirtschaftspolitischen Charakter der Maßnahme.[4] Die neuere Forschung wandte sich zunehmend dem Aspekt der Wirkungen der Maßnahmen auf die Währungsstabilisierung zu. Sie kommt dabei zu durchaus würdigenden Ergebnissen.[5] Auch ließe sich nachweisen, dass das Edikt länger galt und wirksamer war, als es aufgrund literarischer Zeugnisse schien. Die vom Heer unterstützte Festpreispolitik habe demnach geholfen, Produktion, Steueraufkommen und vornehmlich sogar die ständische Berufsordnung zu stabilisieren.

Wirtschaftspolitische Vorgaben gab es bereits vor Diokletian. Die wirtschaftsgeschichtliche Bedeutung des Preisedikts liegt bisher vornehmlich wohl darin, dass es sich um das umfassendste Waren- und Preisverzeichnis der antiken Welt handelt und geeignetes Zeugnis darüber ablegt, welche radikalen Bestrebungen bestanden, zur Währungsstabilisierung beizutragen, nachdem die schwere Krise Wirtschaft und Gesellschaft stark in Mitleidenschaft gezogen hatte. Nach dem Höchstpreisedikt ließ sich eine Häufung von Maßnahmen zur politischen Festigung von Preisen für gewerbliche Produkte und Dienstleistungen feststellen.[6][7] Letztlich griff Justinian die Entwicklung auf und fixierte in seinem später so genannten Corpus iuris civilis den klassischen Begriff des „gerechten Preises“ (iustum pretium), der Einlass fand ins abendländische Denken.[8]

Ausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Seiner Rechtsform nach handelte es sich um ein edictum ad provinciales, nachdem er in der römischen Regionalstruktur grundlegende Verwaltungsreformen durchgeführt hatte.
  2. Lactanz, De mortibus persecutorum, 7,6 f.
  3. Herbert Hausmaninger, Walter Selb: Römisches Privatrecht. Böhlau, Wien 1981 (9. Aufl. 2001), ISBN 3-205-07171-9, S. 14 ff, 231.
  4. Theodor Mommsen, CIL III, p. 801 ff.
  5. Beginnend mit Karl Bücher: Die diokletianische Taxordnung vom Jahre 301, in: Zeitschrift für die gesamte Staatswissenschaft/Journal of Institutional and Theoretical Economics, 50, 1894, S. 189 ff. und 672 ff.; stellvertretend für alle: Siegfried Lauffer Diokletians Preisedikt. de Gruyter, Berlin 1971 (= Texte und Kommentare. Eine altertumswissenschaftliche Reihe.), Olof Gigon, Felix Heinimann, Otto Luschnat (Hrsg.), Band 5, Einleitung S. 5 Rnr. 17 (Verweis auf die Autorenschaft).
  6. Ivo Pfaff: Über den rechtlichen Schutz des wirtschaftliche Schwächeren in der römischen Kaisergesetzgebung, ursprünglich: Felber, Weimar 1897, Nachdruck der Ausgabe von 1897, Verlag Hansebooks 2017, ISBN 978-3-74363-4916, S. 56 ff.
  7. Michael Rostovtzeff: Gesellschaft und Wirtschaft im römischen Kaiserreich, Leipzig: Quelle und Meyer 1931, Neudruck Aachen: Scientia Verlag 1985, II S. 119 ff.
  8. Paul Oertmann: Die Volkswirtschaftslehre des Corpus iuris civilis (1891), S. 39 ff. (online); Felix Genzmer: in Rabels Zeitschrift für ausländisches und internationales Privatrecht, Sonderheft 3, 1937, S. 25 ff und S. 48 ff.