Haikutter

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Hansine auf der Kieler Förde (2013)

Haikutter wird in Deutschland ein bestimmter Typus dänischer Fischereifahrzeuge genannt, von dem zwischen etwa 1900 und 1940 über 9.000 Stück gebaut wurden.

Name und Bauweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spanten und Planken sind üblicherweise aus Eichenholz, die Rumpflänge liegt zwischen 12 m und 19 m. Charakteristisch sind der leicht konvex gebogene Vorsteven und das überhängende, elliptische Heck. Die Bezeichnung Haikutter hat nichts mit dem Haifang zu tun. Vielmehr waren diese Kutter die ersten in der dänischen Seefischerei, die mit Hilfsmaschinen ausgerüstet wurden. Mit deren Hilfe konnten die Fangnetze (Snurrewaden) unabhängig vom Wind und ohne Einsatz von Beibooten ausgebracht und vor Anker liegend über Deckswinden wieder eingeholt werden. Noch heute ist bei vielen Haikuttern an Steuerbord („rechts“), neben dem Vorsteven, eine schwere Scheibe zu sehen, über welche die Ankertrosse lief. Dieser technische Vorsprung brachte den Fischern in kürzerer Fangzeit bessere Fänge ein, weswegen die unmotorisierten Kollegen ihnen die Bezeichnung hajer gaben: Diese Schiffe waren am Fangplatz gefräßig wie Haie. Eine besondere dabei benutzte Netzform ist die Snurrewade, ein ringförmiges Netz, das nicht geschleppt, sondern zum verankerten Kutter hin über den Grund eingezogen wurde. Deswegen werden die Kutter in der Literatur auch gelegentlich als Snurrewadenkutter bezeichnet.[1] Haikutter gehörten zu den schnellsten und seegängigsten Fischereifahrzeugen in dieser Größenklasse[2] und gelten als erstklassige Segelfahrzeuge.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dagmar Aaen als Beispiel für einmastige Haikutter (2007)

Die ersten Schiffe dieser Bauart wurden um 1900 gebaut, wahrscheinlich in Anlehnung an englische Fischereifahrzeuge (fishing smacks). Angetrieben wurden sie von Petroleum-Glühkopf-Motoren. Die größeren Schiffe waren ketschgetakelt, mit einem deutlich kleineren Besanmast. Der lange Klüverbaum ragte fast parallel zum Wasser nach vorn. Ab den 20er Jahren verlor das Segeln gegenüber der Maschinenkraft an Bedeutung. Haikutter wurden bis in die 40er Jahre des 20. Jahrhunderts gebaut, viele fuhren noch lange als reine Maschinenfahrzeuge, ganz ohne Besegelung. Einige wenige sind noch in der Fischerei. Die meisten Haikutter segeln heute als Freizeitfahrzeuge und Traditionsschiffe. In Deutschland existieren noch 21 Stück (Stand November 2009). Neben der traditionellen Ketsch-Takelung sieht man viele Schoner und Kutter.

Bekannte Schiffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Expeditionsschiff Dagmar Aaen von Arved Fuchs ist ein bekannter Haikutter. Es wurde speziell für Fahrten in arktische Regionen umgebaut. Andere bekannte Haikutter sind beispielsweise Carmelan (Museumshafen Flensburg), Hansine (Museumshafen Lübeck), Hanne Marie, Olga von Skagen (ex-Liguban, Museumshafen Flensburg; gesunken September 2013), Alexa (Laboe) sowie Nordwind und Victor Jara (beide Greifswald).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Niels Bach: Geschichte der Haikutter am Beispiel der Dagmar Aaen, RKE-Verlag, Kiel 1992, ISBN 3-924381-36-4.
  • Volker Pesch: Mit Motor und Snurrewade, in: Piekfall Nr. 99–101, 2009/2010.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Verordnung zur Durchsetzung des gemeinschaftlichen Fischereirechts (Seefischerei-Bußgeldverordnung)
  2. Schnelligkeit