Haldensteinhöhle

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Haldensteinhöhle

Haldensteinhoehle 3.jpg
Lage: Urspring, Alb-Donau-Kreis, Baden-Württemberg, Deutschland
Höhe: 570 m ü. NHN
Geographische
Lage:
48° 32′ 52,3″ N, 9° 53′ 30,4″ OKoordinaten: 48° 32′ 52,3″ N, 9° 53′ 30,4″ O
Haldensteinhöhle (Baden-Württemberg)
Haldensteinhöhle
Katasternummer: 7425/01a
Geologie: Weißer Jura δ, Massenkalk
Typ: Kluftenhöhle, teilweise eingestürzt
Beleuchtung: keine
Gesamtlänge: 68 m

Die Haldensteinhöhle (früher „Urspringer Höhle“) ist eine am westlichen Ortsrand von Urspring in Baden-Württemberg gelegene, teilweise eingestürzte Kluftfugenhöhle.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Höhle liegt im Fuß eines als Haldensteinfels bekannten Weißjura-Felsens am westlichen Hang über Urspring, etwa 20 m über und rund 90 Meter südwestlich des Lonequelltopfs. Die beiden Höhleneingänge befinden sich auf 570 m ü. NHN.

Topographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Eingangsbereich mit einer 6,5 auf 4 m messenden Grundfläche ist, seit dem Einsturz der Höhlendecke im späten Mittelalter,[1] nur noch von aufragenden, ausgebauchten Felswänden begrenzt. Von Norden ist der Zugang ebenerdig über eine Kluft angelegt, ihm gegenüber erfolgt der Einstieg über Stufen und eine Stützmauer durch einen großen Felsausbruch. Im Boden des hufeisenförmigen Eingangskessels befindet sich ein mit Lehm verfüllter Höhlenschacht, der wahrscheinlich eine Verbindung zum Lonequelletopf darstellt. Man geht davon aus, dass die Lone ursprünglich dem Haldensteinfels entsprang und der Quellaustritt mit zunehmender Verkarstung bis auf das heutige Niveau absank. Zum Felsmassiv hin sind zwei Höhlengänge ausgebildet, die durch ihre hohe, schmale Form mit glatten Wänden und vereinzelten Auskolkungen die Haldensteinhöhle als typische Klufthöhle auszeichnen. Der rechte Gang ist 4 m lang und zugänglich, der linke Hauptgang ist durch ein Gitter verschlossen. Er steigt zunächst über eine Länge von 6 m steil an und mündet in einen runden Schachtkessel, der sich auf einer Länge von 2 m absenkt. Über einen senkrechten Schlupf gelangt man in einen 9 m langen hangwärtigen Gang, der an seinem Ende mit Lehm verfüllt ist. Folgt man durch den Schachtkessel weiter dem Hauptgang, gelangt man über eine quer angelegte Kluft nach links in eine S-förmige Biegung, die in einen weiteren Höhlenraum führt.

Zwischen 1977 und 1979 wurde die Haldensteinhöhle von Mitgliedern der Höhlenforschungsgruppe Kirchheim vermessen und kartiert, die Länge der Höhlengänge ist mit 68 m angegeben, die Höhendifferenz beträgt ± 9 m.[2]

Forschungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Fels über dem Höhleneingang angebrachte Steintafel mit der Inschrift:
Urspringer Höhle
Rastplatz der Eiszeitjäger
SS Grabung 1936
Ausgräber G. Riek

In einer der ersten „SS-Grabungen“, die in der Zeit des Nationalsozialismus von der Forschungsgemeinschaft Deutsches Ahnenerbe durchgeführt wurden, wurde die Haldensteinhöhle im Sommer 1936 unter der Leitung von Gustav Riek ausgegraben.[3][4][Anm. 1] Das geringe archäologische Inventar und fehlende Feuerindikatoren lassen darauf schließen, dass die Haldensteinhöhle aufgrund ihrer geringen Größe nur selten und für kurze Zeit besiedelt war. Riek vermutete die Hauptsiedlungszone im Bereich des Höhlenvorplatzes, der bereits 1865 beim Errichten einer Stützmauer am Südeingang der Höhle abgetragen worden war. Er dokumentierte in der bis zu 7,5 m starken Höhlenverfüllung zehn Straten, die vom Spätmittelalter über mehrere fundleere Schichten bis in das späte Jung- und Mittelpaläolithikum datierten.[1]

Der magdalénienzeitliche Horizont VI enthielt nur wenige Klingen aus Jaspis sowie eine menschliche Speiche und Kniescheibe.[5] An Faunaresten konnten Wollnashorn, Ren sowie Rot- und Damhirsch nachgewiesen werden.

Die beiden in Horizont VIII gefundenen und äußerst sorgfältig ausgearbeiteten Blattspitzen aus Bohnerzjaspis stellen eine Besonderheit dar, da sie als die bislang südwestlichsten Nachweise der Blattspitzen-Gruppe gelten.[6] Aus derselben Schicht stammt eine große, rund 13 cm lange Klinge. Neben Wollhaarmammut, Wollnashorn, Pferd, Ren und Höhlenbär fanden sich hier auch Knochen von Fleischfressern wie Höhlenhyäne und Wolf.

Stratigraphie[1]
Schicht Dicke in cm Beschreibung Funde Zeitstellung
I 385 Große Weißjurablöcke der eingestürzten Höhlendecke Spätmittelalter
II 30 Steiniger, humoser Boden Nicht näher definierte Einschlüsse Spätmittelalter
III 45 Humoser Boden mit wenigen Kalksteinsplittern
IV 12 Verbraunungsschicht (degradierter humoser Boden)
V 15 Mittelgroßer bis großer Kalkschutt, teilweise Lehm
VI 55 Vertikal aufgelockerte Fundstreuung Wenige Klingen, eine menschliche Speiche und Kniescheibe, Reste von Wollnashorn, Ren, Rothirsch, Damhirsch Magdalénien
VII 7 Mittelgroßer bis großer Kalkschutt, teilweise Lehm
VIII 23 Fein gesplitterter Kalkschutt mit lössreicher Verfüllung Zwei Blattspitzen, eine große Klinge, Reste von Wollhaarmammut, Wollnashorn, Pferd, Ren, Höhlenbär, Höhlenhyäne, Wolf Blattspitzen-Gruppe
IX 12 Braunschwarze, linsenförmigen Ablagerungen mit wenig Kalkschutt Zwei atypische Steinartefakte, ein Knochenpfriem, zahlreiche Reste von Kröten und Fröschen
X 165 Zumeist ockergelber, rotschlieriger Lehm in enger Spalte, nicht vollständig ergraben

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Nicholas J. Conard, Michael Bolus, Ewa Dutkiewicz, Sibylle Wolf: Eiszeitarchäologie auf der Schwäbischen Alb Kerns Verlag, Tübingen 2015, ISBN 978-3-935751-24-7, S. 161–163.
  • Hans Binder, Herbert Jantschke: Höhlenführer Schwäbische Alb. DRW-Verlag, Leinfelden-Echterdingen 2003, ISBN 3-87181-485-7, S. 155, 166.
  • Sigrid Clarke, Susanne Haas-Campen: Führer zu archäologischen Denkmälern in Deutschland Bd. 33 – Ulm und der Alb-Donau-Kreis, Theiss Verlag, Stuttgart 1997, ISBN 3-8062-1219-8, S. 157–159.
  • Hans Binder, Herbert Jantschke, Peter Heinzelmann, Karl-Heinz Pfeffer: Karst und Höhle 1993, Karstlandschaft Schwäbische Ostalb. Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher e. V., München 1993, ISSN 0342-2062, S. 191, 192.
  • Joachim Hahn: Führer zu archäologischen Denkmälern in Baden-Württemberg – Eiszeithöhlen im Lonetal. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1985, S. 49–52.
  • Fritz Weidenbach: Jahreshefte für Karst- und Höhlenkunde – Karst und Höhlen im Gebiet der Brenz und Lone (Schwäbische Alb). Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher e. V., München 1960, S. 58–61.

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. In populärwissenschaftlichen Publikationen wird häufig 1938 als Grabungsjahr angegeben. Die Ausgrabung fand jedoch bereits 1936 statt. In den Jahren 1937/38 war Riek vollumfänglich in das Großprojekt Hohmichele eingebunden.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Gustav Riek: Haldensteinhöhle. In: Jahreshefte für Karst und Höhlenkunde 1960. Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher e.V. München, München 1960, S. 58–61.
  2. Hans Binder, Herbert Jantschke, Peter Heinzelmann, Karl-Heinz Pfeffer: Karst und Höhle 1993, Karstlandschaft Schwäbische Ostalb. Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher e.V. München, München 1993, S. 191, 192.
  3. Hansjürgen Müller-Beck: Lon(e)talforschung 1931-1941. In: Mitteilungen der Gesellschaft für Urgeschichte, Band 19. Blaubeuren 2010, S. 131–155.
  4. Michael Strobel: Das Urgeschichtliche Institut der Universität Tübingen zwischen 1933 und 1945. In: Die Universität Tübingen im Nationalsozialismus. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2010, S. 340.
  5. Sigrid Clarke, Susanne Haas-Campen: Führer zu archäologischen Denkmälern in Deutschland Bd. 33 – Ulm und der Alb-Donau-Kreis. Theiss, Stuttgart 1997, S. 157–159.
  6. Michael Bolus, Oliver Rück: Eine Blattspitze aus Wittislingen Lkr. Dillingen a. d. Donau. In: Archäologisches Korrespondenzblatt Heft 2, 2000. Verlag des Römisch-Germanischen Zentralmuseums, Mainz 2000, S. 164–172.