Halil İbrahim Dinçdağ

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Halil İbrahim Dinçdağ im Juni 2015 in den Fanräumen im Millerntor-Stadion

Halil İbrahim Dinçdağ (* 1976 in Trabzon, Türkei) ist ein ehemaliger türkischer Fußballschiedsrichter und Radiomoderator, der durch das Outing seiner Homosexualität international für Aufsehen sorgte.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dinçdağ war von 1995 bis 2008 Fußballschiedsrichter in der Regionalliga. Dinçdağ, der seinen Antritt zum Wehrdienst zunächst aufgeschoben hatte, wurde im Oktober 2008 eingezogen. Nach seinem freiwilligen Outing wurde er in die Militärmedizinische Akademie Gülhane (Gülhane Askerî Tıp Akademisi, GATA) verlegt und schließlich am 28. Januar 2009 wegen „psychosexueller Störungen“ (psikoseksüel bozukluklar) ausgemustert.

Als er danach erneut als Schiedsrichter eingesetzt werden wollte, verlangte der Landkreisverband Trabzon Einsicht in die militärischen Unterlagen, da in der Türkei aus gesundheitlichen Gründen ausgemusterte Personen nicht als Schiedsrichter tätig sein dürfen. Aufgrund seiner vermeintlich mangelnden Fitness wurde er suspendiert. Erst später äußerte sich Verbands-Vizepräsident Lütfi Arıboğan zudem dahin gehend, dass Dinçdağ „nur ein zweitklassiger Schiedsrichter ohne Talent und Aussicht auf einen Aufstieg in die erstklassige Süper Lig“[1] sei.

Nach seiner Suspendierung trat Dinçdağ im türkischen Fernsehen auf und gab dabei erstmals seinen Namen preis Dinçdağ und kündigte, falls nötig, eine Klage beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte anzustrengen.[2] Der Fall führte in der Türkei zu einer öffentlichen Diskussion über den Umgang mit Homosexualität im männerdominierten Fußball; Berichte in den internationalen Medien folgten.[3][4][5][6][7]

2014 wurde Dinçdağ vom damaligen Regierenden Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, mit dem „Respektpreis“ des Berliner Bündnis gegen Homophobie ausgezeichnet. Der Stiftungsrat würdigte ihn als „Vorbild für Lesben und Schwule in der Türkei, aber auch weltweit“.[8]

Am 29. Dezember 2015 verurteilte ein Istanbuler Gericht den Türkischen Fußballverband (TFF) wegen Diskriminierung zu einer Geldstrafe von umgerechnet 7.200 Euro.[8]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Schwuler Schiri kämpft gegen Diskriminierung. In: Welt Online. 18. Juni 2009, abgerufen am 9. Februar 2012.
  2. Gay referee to continue legal battle. In: Hurriyet Daily News. Abgerufen am 9. Februar 2012 (englisch).
  3. Homosexueller Referee klagt. In: Berliner Morgenpost Online. 19. Juni 2009, abgerufen am 9. Februar 2012.
  4. Reto Fehr: Schwuler Schiedsrichter suspendiert. In: 20 Minuten Online. 19. Juni 2009, abgerufen am 9. Februar 2012.
  5. Ujawnił się pierwszy gej w piłce nożnej. In: DZIENNIK. 18. Juni 2009, abgerufen am 9. Februar 2012 (polnisch).
  6. Thomas Heteau: Un arbitre radié après avoir fait son coming-out. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Les dessous du sport. 18. Juni 2009, archiviert vom Original am 21. Juni 2009; abgerufen am 9. Februar 2012 (französisch). i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.lesdessousdusport.fr
  7. Turchia: arbitro fa coming out e non può più arbitrare. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Gaywave. Archiviert vom Original am 21. Februar 2014; abgerufen am 9. Februar 2012 (italienisch). i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.gaywave.it
  8. a b Tatjana Meyer: Gericht spricht Halil İbrahim Dinçdağ Schadensersatz zu. LSVD Landesverband Berlin-Brandenburg e.V., 30. Dezember 2015;.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]