Hallesche Schule

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Die Hallesche Schule bezeichnet eine Strömung der modernen Malerei der 1940er bis 1950er Jahre, die von Halleschen Malern geprägt wurde, die unter dem starken Einfluss der Künstler Charles Crodel und Erwin Hahs standen, die seit 1927 und 1918 Professoren für Malerei an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle (Saale) waren.

Ursprünge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Maler der Halleschen Schule sind durch die Bildsprache der Lehrer Charles Crodel und Erwin Hahs geprägt worden. 1949 schreibt Fritz Löffler: „In Halle reifen eine Reihe beachtenswerter Talente, die aus der Schule Giebichenstein hervorwuchsen. Crodel als Schulhaupt ist eine dekorative Begabung, der einen großen Reichtum an Phantasie sein eigen nennt.“[1]

Hinzu kam, dass mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs zahlreiche dem Bauhaus zugewandte Lehrer aus dem stark zerbombten Dessau in das 40 Kilometer entfernte unversehrte Halle an die Kunstschule Burg Giebichenstein wechselten. 1947 zogen viele Künstler in die ursprünglich als Lazarett erbauten und zum Teil als Unterkunft für Künstlerfamilien genutzten Baracken in die Fischer-von-Erlach-Straße in Halle. Dort entstand aus dem regen Austausch die Künstlervereinigung die „Fähre“. Helmut Schröder, Fritz Freitag, Karl Erich Müller und Otto Müller waren die Hauptakteure der Fähre, die unter der Leitung von Fritz Baust stand. Die Künstler beteiligten sich an den von der Fähre angeregten Ausstellungen mit Landschaften, Tier- und Aktzeichnungen, die öfter in der Galerie Henning stattfanden.

Willi Sitte war seit 1947 ein wichtiger Vertreter der eigenwilligen Kunstszene, die nicht staatskonform malte und auf Unabhängigkeit von Staat und den Funktionären beharrte. Der Einfluss Crodels und Hahs in dieser vereinfachten, trotzdem noch figürlichen und zeichenhaften Bildsprache ist den Arbeiten dieser Zeit deutlich anzusehen. Die beiden Lehrer hatten unterschiedliche Kunstauffassungen, welche sich auf ihre Klassen und die jungen Maler, die zumeist durch den Krieg desillusioniert waren, übertrugen. Das schlug sich in den Themen nieder, Gaukler, Artisten, Zirkusleute symbolisierten das Suchen nach Balance, mit diesen Sujets konnten Sinnbilder für das Leben geschaffen werden. Diese Welt der Gaukler ist oft melancholisch dargestellt, unterstützt wurde es durch die besondere Farbigkeit. Das typische Hallesche Grau überwiegt und wertet damit die Qualität der leuchtenden Farben auf. Bedeutende Vertreter, denen das sogenannte Hallesche Grau zugeordnet werden kann, sind Herbert Kitzel und Hermann Bachmann.

Zitat Dorit Litt aus dem Katalog „Verfemte Formalisten“ (zur Grau-in-Grau-Malerei): „In ihrer Noblesse drückte diese Malerei damals eine Melancholie aus, die in zahlreichen Kritiken moniert wurde.“

Vertreter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die hallesche Malerei nach 1945 war eine Nachkriegsmoderne, beeinflusst durch die Verarbeitung des Expressionismus. Einige der Künstler verließen infolge der dogmatischen kulturpolitischen Diskussionen der 1950er Jahre die DDR. Andere jedoch zogen die innere Emigration vor, was diese Grau-Mentalität noch bestärkte.

Willi Sitte war später maßgeblich an der Auflockerung des geforderten sozialistischen Einheitsstils beteiligt.

Stilistik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Beschäftigung mit dem Expressionismus und der klassischen Moderne ist vielen Bildern der Hallenser Maler seit 1945 anzusehen. Das war nicht auf der ideologischen Linie der DDR. Die Darstellung ist oft in einfachen klaren Formen mit der Bauhausauffassung verwandt. Es wird auch abstrahiert. Die Wege der Lehrer und die Beschäftigung mit der Moderne werden unterschiedlich von Künstler zu Künstler variiert. So ergeben sich unterschiedliche künstlerische Wege, deren Ursprünge schwer sichtbar sind. Es ist nicht ein einheitlicher Malstil zuzuordnen, trotzdem waren sich die Maler einig in ihrem Wollen und in ihrer Auffassung. Es bildete sich eine interessante Szene, die 1958 durch den Formalismusstreit viele interessante Künstler verlor.

Der Begriff „Hallesche Schule“ beschreibt eine bestimmte regionale Auffassung, die Klassische Moderne fortzuführen und weiterzuentwickeln.

Der Begriff „Hallesche Schule“ wird heute noch verwendet, das geschieht zumeist, um auf andere Lehrmeinungen und Strömungen im Mitteldeutschen Raum in Konkurrenz zur bekannten Leipziger Schule aufmerksam zu machen.[2]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Roland Rittig, Rüdiger Ziemann (Hrsg.): Prometheus 1982: Unbeliebte Kunst aus der DDR. Verlag Janos Stekovics, Halle, Zürich 1995, ISBN 3-929330-48-2.
  • Axel Hecht: Zeitvergleich. Malerei und Grafik aus der DDR. Gruner + Jahr, Hamburg 1982, ISBN 3-570-00398-1.
  • Ein hallescher Kosmos auf Einheitsformat – Malerei auf Henningkarton. ISBN 978-3-932962-40-0.
  • Im Spannungsfeld der Moderne. Zehn Maler aus Halle. Stiftung Moritzburg, 2003, ISBN 3-86105-093-5.
  • Wolfgang Hütt: Gefördert. Überwacht. Reformdruck bildender Künstler der DDR. Das Beispiel Halle. Stekovics, 2004.
  • Dorit Litt, Matthias Rataiczyk: Verfemte Formalisten. Kunst aus Halle 1945–1963. 1998, ISBN 3-932962-03-6.
  • Wolfgang Hütt: In Welt der Kunst Künstler in Halle. Henschel, Berlin 1977.
  • G. Berg, Ralf T. Speler, Matthias Rataiczyk, Niels H. Wien: Halle in der Nachkriegszeit. Malerei, Grafik und Plastik aus Privatbesitz. 1993.
  • Herbert Kitzel: Die Zeit in Halle. Aus Anlass der Ausstellung Herbert Kitzel. Malerei 1948–1978. Staatliche Galerie Moritzburg, Halle, 24. Oktober 1993 bis 2. Januar 1994; Städtische Galerie im Prinz-Max-Palais, Karlsruhe, 12. März bis 8. Mai 1994. Red.: Jürgen Scharfe. Staatliche Galerie Moritzburg, Halle (Saale) 1993, ISBN 3-86105-081-1.
  • Peter Noss: HAHS, Erwin. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 18, Bautz, Herzberg 2001, ISBN 3-88309-086-7, Sp. 563–576.
  • Dorit Litt: Strandbilder. Mythos Hallesche Malerei. Kunstforum Halle, 2010, ISBN 978-3-00-030616-7.
  • Katharina Heider: Vom Kunstgewerbe zum Industriedesign, Die Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle (Saale) von 1945 bis 1958. Verlag für Geisteswissenschaften, Weimar 2010, ISBN 978-3-89739-672-2.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zeitschrift für Kunst, 3, 1949, S. 280.
  2. Detlef Färber: Hallesche Schule macht Schule. In: Mitteldeutsche Zeitung. 20. Mai 2008, abgerufen am 14. August 2013.