Hallisch

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Hallisch (Hallesch)

Gesprochen in

Halle (Saale), Saalekreis
Linguistische
Klassifikation

Das Hallische (auch Hallensisch oder Hallesch) ist ein Dialekt, der sich auf die kreisfreie Stadt Halle (Saale) bezieht. In der Stadt Halle und den umliegenden im Saalekreis gelegenen Ortschaften ist der Dialekt noch voll ausgeprägt. Hallisch entwickelte sich sprachgeschichtlich von einer ursprünglich niederdeutschen Stadtmundart zu einer ostmitteldeutsch geprägten städtischen Umgangssprache an der Grenze vom obersächsischen zum thüringischen Sprachgebiet. Der Dialekt wird aufgrund der Grenzlage einerseits dem Obersächsischen Nordosterländischen, andererseits dem Nordostthüringischen zugerechnet und hat typische sprachliche Eigenheiten auf allen Sprachebenen.[1][2][3][4]

Typische Wörter, die nur in der Stadt Halle und umliegenden Dörfern verwendet werden, entstammen der „Glauchschen Mundart“ bzw. dem „Lattcherschmus“, einer stark ans rotwelsche angelehnten Dialektik, die im Hallischen Stadtteil Glaucha gesprochen wurde.[5]

Beispiele für Reduktion, Zentralisierung, Entrundung sowie Entstimmlichung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • p, t, k wird zu b bzw. f, d, g z. B. pfeffern zu feffrn, Teufel zu Deiwl
  • g- wird zu j- z. B. gehen zu jehn, geboren zu jeborn
  • ng- wird zu nk- z. B. jung zu junk
  • -oden wird zu oddn z. B. Boden zu Boddn
  • -en wird zu -m, -n oder fällt ganz weg z. B. treiben zu dreim, kommen zu gomm, fangen zu fang
  • -pfen wird zu -bn z. B. hüpfen zu hübn, dampfen zu dambn
  • -nd wird zu -nn z. B. Kinder zu Kinnor
  • -er und -ir wird zu -or oder -r z. B. der zu dor, mir zu mor oder mr
  • Verb und nachfolgendes Pronomen werden zusammengezogen, z. B. „hat er“ zu „hatte“, „sagt er“ zu „saate“ oder „machst du“ zu „machste“

Quellen: [5]

Beispielwörter und -sätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Giebelgestaltung mit halleschen Dialektbegriffen in der Dreyhauptstraße
Hallisch Hochdeutsch
Bärschde Bürste
Bemme Brotscheibe
Bottn Schuhe
Dust Idiot
Ganker Weberknecht
Haste mr nich jesähn? Hast du mich nicht gesehen?
Heeme (zu) Hause
Ich hawwe keen Jeld nich(e). Ich habe kein Geld.
Ich hawwe niemand nich jesähn. Ich habe niemanden gesehen.
Jib mich ma ne Mark. Gib mir mal eine Mark.
Kerls/Schekser Jungen
Kleeche schwere Arbeit
kniepen kneifen oder kreischen
Kopp/Nischl/Dätz Kopf
Mächens/Ischen Mädchen
Majum (obsolet; von hebräisch majim „Wasser“), Räächn (heute) Regen
mausen wegnehmen/stehlen
meiner/meinor freundliche Ansprache von (auch unbekannten) Menschen und Tieren
nüwwer hinüber
rüwwer (he)rüber
Schnazjer/Schnazcher/Dilpsch Spatz/Sperling bzw. allg. für Vögel
Schnongs Bonbon
Quien/Kwien Hund

Quellen: [6][7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bodo-Eberhard Lochner: E seltnes Eksemblar: Texte in hallescher Mundart ISBN 3899231074
  • Günter Engelhardt: Halle – wie’s spricht unn lacht. Schneidewind, Halle (Saale) 2002 ISBN 3-939040-05-3
  • Günter Engelhardt: Hallesches Jemähre. Illustriert von Björn Raupach. Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 2005 ISBN 3898122654
  • Günter Engelhardt: Dr Jleckner vom Rodn Dorm : hallesche Jeschichdn aus aldn unn neien Daachen. Illustriert von Björn Raupach. Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 2007 ISBN 3-89812-415-0
  • Günter Engelhardt: De Schdernstunde von Betlehem : de Weihnachtsjeschichde uff Hallesch. Illustriert von Gabriel Machemer. Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 2008 ISBN 3-89812-503-3
  • Gustav Matz: Hallsch forrn Ahnfeenger : kleines Wörterbuch der hallischen Mundart. Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 2015 ISBN 978-3-95462-587-1

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Horst Becker, Gunter Bergmann: Sächsische Mundartenkunde. Entstehung, Geschichte und Lautstand der Mundarten des obersächsischen Gebietes. 1969.
  2. Helmut Schönfeld: Sprache – Heimatgeschichte. Mundart, Gruppensprachen, Umgangssprache, Namengut als Gegenstand von Forschung und Pflege. Berlin 1983.
  3. Gunter Bergmann: Kleines sächsisches Wörterbuch. Leipzig 1990.
  4. Hans Reimann: Sächsisch (Reihe Was nicht im Wörterbuch steht, Bd. I), Piper Verlag, München 1931, S. 95–109.
  5. a b Helmut Schönfeld: Abriß einer Lautlehre der Mundart von Halle (Saale). MLU Halle 1964.
  6. Manfred Lemmer: Betrachtungen zur halleschen Mundart. (1988–1990).
  7. Manfred Lemmer: Hallisch – gestern und heute. Mitteldeutschland, das Mansfelder Land und die Stadt Halle. Neuere Forschungen zur Landes- und Regionalgeschichte. 2000.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]