Haltnau

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Blick auf die Haltnau von der Deutschen Kriegsgräberstätte Meersburg-Lerchenberg aus.
Anlegesteg der Haltnau für Ausflugsboote

Die Haltnau ist ein historisches Rebgut auf dem Gebiet der Stadt Meersburg, das an der (für den motorisierten Verkehr gesperrten) Uferpromenade 107 zwischen Meersburg und Hagnau am Bodensee liegt. Eigentümerin ist die Spitalstiftung Konstanz. Die Haltnau verfügt über einen kleinen Boots-Anlegesteg, der sich im Eigentum der Stadtwerke Konstanz befindet.[1]

Baugeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den ursprünglichen mittelalterlichen Bauten ist nichts mehr sichtbar. Die bis heute erhaltenen Gebäude sind aus dem 15. bis 18. Jahrhundert: Fachwerk-Wohngebäude in alemannischer Bauweise (15./16. Jahrhundert), Torkelscheuer (16. Jahrhundert), Backhaus (18. Jahrhundert). Über dem Eingang zur Gaststube sind die Wappen sowohl von Konstanz als auch der Spitalstiftung Konstanz und die Schrift Rebgut Haltnau und Spitalstiftung Konstanz im 20. Jahrhundert angebracht worden.[2]

Die Stiftungsverwaltung renoviert grundlegend in der Winterpause 2017 und 2018 Heizung, Wasserleitungen, Küche, Gastraum und Verglasung der Arkaden.[3]

Haltnau an Konstanzer Spitalstiftung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Infotafel auf der Haltnau zur Wendelgard-Sage

Legende der Wendelgard[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1272 gehört die Haltnau zur Spitalstiftung der Spitalkellerei Konstanz. Der Legende nach hat Konstanz diesen Besitz der schweinsrüsseligen buckligen Wendelgard von Halten zu verdanken, die in Meersburg selbst nicht auf Gegenliebe stieß: Obwohl sie die Besitzerin des schönen Rebguts war, wurde sie von den Menschen gemieden und musste ihr Essen allein aus einem silbernen Trog zu sich nehmen. So bot Wendelgard ihr Gut der Stadt Meersburg unter der Bedingung an, dass täglich ein Ratsherr mit ihr speiste und sie sonntags, ebenfalls in Begleitung eines Ratsherrn, eine Ausfahrt machen durfte. Dies lehnten die Meersburger zwar nicht ab, überlegten jedoch zu lange. Die danach kontaktierten Konstanzer zögerten nicht lange und gingen auf ihr Angebot ein. Wendelgard bekam einen Platz im Spital zum Heiligen Geist auf der Marktstätte (Konstanz).[4]

Spottverse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese Geste der Konstanzer Ratsherren gegenüber Wendelgard, die in den Versen

„Zum Wohl der Stadt trotz Rüssel

Fress' ich aus dieser Schüssel.
Die Wendelgard gleicht zwar dem Schwein
Doch stärk' ich mich am Haltnauwein.“
Gedanken der Konstanzer Ratsherren zu Wendelgard von Halten nach Norbert Fromm, Michael Kuthe, Walter Rügert

[5]

verewigt wurde, soll über 90 Jahre alt geworden sein und viele Ratsherren, die ihr den geforderten Dienst erwiesen, überlebt haben.

Übertragung der Haltnau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Urkunde im Konstanzer Stadtarchiv präzisiert den Sachverhalt der Sage:

„Danach schenkte am 6. November 1272 ein Konstanzer Bürger namens Ulrich, genannt Sumbri, dem Heilig-Geist-Spital in Konstanz einen Weinberg in ‚Halthuon‘ mit der Bestimmung, dass das Spital nach seinem Tod seiner Witwe Adelheid jährlich 20 Eimer Wein (ca. 1'400 Liter) abliefern müsse.“

Norbert Fromm, Michael Kuthe, Walter Rügert: Wendelgart von Halten

[6]

Weinbau auf der Haltnau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reblage Haltnau mit Rebhäuschen
Meersburg, Haltnau: Weinlese der Spitalkellerei Konstanz

Die Weine, die auf der Haltnau gezogen werden, profitieren von der südwestlichen Lage der Rebhänge und von der Beschaffenheit des Bodens, der Molasse und Moränenschotter enthält. Sie gehören zur Lage Meersburger Haltnau und sind bereits seit 1272 im Eigentum der Spitalkellerei Konstanz, der ältesten Stiftungskellerei Deutschlands. [7] In der Lage Meersburg Haltnau werden folgende Rebsorten angebaut: Müller-Thurgau, Weißburgunder, Traminer, Pinot, Spätburgunder.[8]

Das Rebwächterhäusle oben am Rebhang in 439 Meter Höhe gehört auch zur Haltnau. Es ist aus der Zeit um 1600 und hat einen Grundriss von 3x3 Meter. Im Erdgeschoss befindet sich ein Geräteschuppen und der Treppenaufgang, das vorkragende Obergeschoss ist ein Fachwerkbau mit einem Fenster nach jeder Seite. Es diente der Beaufsichtigung der Weinberge. Auf dem Dach ist das Doppelkreuz des Spitals Konstanz angebracht.[9]

Restaurant[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptgebäude der Haltnau mit Restaurant

Das historische Gebäude der Haltnau liegt direkt am Ufer des Bodensees und dient als Ausflugs- und Veranstaltungslokal. In der verpachteten Gutsschänke wird Wein der Lage Haltnau ausgeschenkt. Bodenseefelchen und regionale Küche werden zubereitet. Eine Selbstbedienungstheke entsteht im Wendelgard-Stüble. Das Türmchen in den Weinbergen wird ebenfalls genutzt.[10]

Haltnau in Literatur und Kunst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wendelgardfigur von Peter Lenk

Das gleichnamige Gasthaus ist ein wichtiger Schauplatz in Martin Walsers Erzählung Brief an Lord Liszt, in der die Wendelgardsage ebenfalls aufgegriffen wird.

Wendelgard von Halten wurde im Jahr 2007 von Peter Lenk an der „Magischen Säule“ verewigt.[11]

Annette von Droste-Hülshoff hat in einem Brief von 1843 an Elise Rüdiger, geb. Hohenhausen, ihr Schutzsuchen in der Haltenau ("das Wüten draußen") und ihren mühsamen Weg zurück nach Meersburg während eines Sturmes geschildert ("Doch blieb ich zwischen den Reben, etwa dreißig Fuß über dem Mauerwege").[12]

Gedenken an Wendelgard[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[13]

  • Weinstube "Zur Wendelgard" im Konstanzer Stadtteil Niederburg, Inselgasse 5
  • Wendelgardweg (Konstanz) am Ufer des Konstanzer Trichters zum Freibad Horn
  • Wendelgard wurde 2009 als Einzel-Narrenfigur in die Alt-Konstanzer Hansele-Zunft eingeführt. Die Narrenfigur trägt eine Holzmaske aus Lindenholz mit einer Beule auf der Stirn und einem Nasenhöcker. Sie trägt eine Konstanzer Radhaube, zwei Miniatur-Weinfässle und eine Saubloter (mit Luft gefüllte Schweinsblase) mit sich und nimmt am Konstanzer Butzenlauf teil.[14]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Philipp Zieger: Viele Unbekannte auf der Haltnau. In: Südkurier vom 27. März 2017.
  2. Diethard Nowak: Kleindenkmale in Meersburger Landen. Meersburg, zweite erweiterte Auflage 2014. S. 200–201, Abschnitt: Wappen an der Weinstube in Haltnau Uferpromenade 107.
  3. Claudia Rindt: Frischzellenkur im Weingut. In: Südkurier vom 1. Dezember 2016
  4. Heike Thissen: Wendelgard. Erinnerungen an eine unansehnliche Frau. In: Eva Maria Bast, Heike Thissen: Geheimnisse der Heimat. Konstanz, Edition Südkurier, 2011. ISBN 978-3-00-035899-9. S. 14–16.
  5. Norbert Fromm, Michael Kuthe, Walter Rügert: Wendelgart von Halten. In: Ulrich Büttner und Egon Schwär: Neue Sagen der Stadt Konstanz und Umgebung. Freiburger Echo Verlag. Stegen 2011. ISBN 978-3-86028-247-2. S. 14.
  6. Norbert Fromm, Michael Kuthe, Walter Rügert: Wendelgart von Halten. In: Ulrich Büttner und Egon Schwär: Neue Sagen der Stadt Konstanz und Umgebung. Freiburger Echo Verlag. Stegen 2011. ISBN 978-3-86028-247-2. S. 14.
  7. BodenseeWein e. V. (Hrsg.): Der Bodensee-Weinführer. Meersburg, ca. 2008, S. 15
  8. Haltnauer Rebsorten. Quelle: Weinpreisliste der Spitalkellerei Konstanz
  9. Diethard Nowak: Kleindenkmale in Meersburger Landen. Meersburg, zweite erweiterte Auflage 2014. S. 259–260, Abschnitt: Rebwächterhaus oberhalb von Haltnau.
  10. Sylvia Floettemeyer: Haltnau macht wieder auf. In: Südkurier vom 19. April 2016.
  11. Internetseit Peter Lenk: Magische Säule in Meersburg
  12. Quelle: Maria Schlandt (Hrsg.): Der Bodensee in alten Reisebildern, Gütersloh 1977, Seite 46. Zitiert nach Keminghausen-Schulte, Karl (Hrsg.): Briefe
  13. Heike Thissen: Wendelgard. Erinnerungen an eine unansehnliche Frau. In: Eva Maria Bast, Heike Thissen: Geheimnisse der Heimat. Konstanz, Edition Südkurier, 2011. ISBN 978-3-00-035899-9. S. 14–16.
  14. Philipp Zieger: Wendelgard kehrt mit Butzenlauf zurück. In: Südkurier vom 10. Februar 2015.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Haltnau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 47° 41′ 2″ N, 9° 17′ 20″ O