Hans Gerling

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Hans Gerling (* 6. Juni 1915 in Köln; † 14. August 1991 ebenda) war ein deutscher Versicherungsunternehmer und leitete von 1949 bis zu seinem Tode den seit 1935 in seinem Besitz befindlichen Gerling Konzern.

Nachdem Hans Gerling sein Abitur am damaligen Realgymnasium Kreuzgasse bestanden hatte, studierte er Wirtschafts- und Rechtswissenschaften.

Zunächst übernahm sein älterer Bruder Robert als Erbe seines im Januar 1935 verstorbenen Vaters Robert Gerling das von diesem im Jahre 1904 gegründete Versicherungsunternehmen. Hans Gerling entlockte seinem Bruder Robert 1939 eine Generalvollmacht, weil er behauptete, die Gestapo wolle sein Vermögen konfiszieren. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges versuchte Robert die Verfügungsgewalt über seinen Besitz zurückzugewinnen, was ihm 1947 gelang. Einige erbitterten Prozessen zwischen den verfeindeten Brüdern endeten nach mehreren Jahren in einem Vergleich, bei dem Hans Gerling und zunächst auch sein Bruder Walter, die deutschen Firmen des Gerling-Konzerns behielten, Robert erhielt 30 Millionen DM als Abfindung und die schweizerischen und amerikanischen Gesellschaften. Hans Gerling war bis zu seinem Tode Vorstands- bzw. Aufsichtsratschef der Gerling-Gesellschaften.

Nach dem Konkurs der Herstatt-Bank 1974 verkauft der Mehrheitsaktionär Hans Gerling 51 Prozent seiner Anteile am Gerling-Konzern an die Versicherungs-Holding der Deutschen Industrie (VHDI). Mehrheitseigentümer dieser Holding ist Friedrich Karl Flick. Gerling scheidet als Vorstandsvorsitzender aus zahlreichen Gesellschaften aus und übernimmt bei den entsprechenden Gesellschaften Aufsichtsratsmandate. 1978 wird er erneut Vorstandsvorsitzender der Konzern-Holding. 1986 gelingt es ihm, von Flick 86 % der Anteile an der VHDI zu erwerben. Damit hat er wieder die vollständige Kontrolle über den Gerling-Konzern gewonnen.[1] Sein Sohn Rolf übernahm 1992 als Alleinerbe der Unternehmensanteile seines Vaters den Vorsitz im Aufsichtsrat und verkaufte diese im Jahr 2005 an die Talanx AG.

Hans Gerling wurde von Hilmar Kopper posthum als ein „sozialer Patriarch“ bezeichnet. Er habe nie einen Zweifel darüber aufkommen lassen, wer „das Sagen“ hat, sei gleichzeitig aber sozial gewesen. Er habe die Mitbestimmung abgelehnt, weil er gegen die Einflussnahme von außen ohne korrespondierende Verantwortung nach innen war. Aber er habe seinen Führungskräften unternehmerische Freiheiten und den Sozialpartnern Mitspracherechte eingeräumt.

Günter Wallraff arbeitete 1973 zwei Monate als Bote im Unternehmen Gerling und verfasste darüber ein Buch.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerling in: Bernt Engelmann/Günter Wallraff: "Ihr da oben, wir da unten", S. 207-258, Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, 1976 (1973 bei Kiepenheuer & Witsch, Köln)
  • Das Spektakulum. In: Der Spiegel. Nr. 41, 1958 (online 8. Oktober 1958, über die Einweihungsfeier des Gerling-Verwaltungsgebäudes in Köln).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Der Spiegel 7/1986