Harbin SH-5

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Harbin SH-5
Harbin SH-5
Harbin SH-5
Typ: Langstrecken-Seepatrouillenflugboot
Entwurfsland: China VolksrepublikVolksrepublik China Volksrepublik China
Hersteller: Harbin Aircraft Manufacturing Corporation
Erstflug: 3. April 1976
Indienststellung: September 1986
Stückzahl: 5

Die Harbin SH-5 ist ein viermotoriges amphibisches Langstrecken-Seepatrouillenflugboot der chinesischen Marineflieger. Der Typ dient der Ortung und Bekämpfung von Über- und Unterwasserseezielen, dem Legen von Minen, dem Such- und Rettungsdienst sowie dem Frachttransport. Da die Leistungen des Entwurfs nur unbefriedigend ausfielen, endete die Produktion nach bereits vier Serienmaschinen. Eine Ausführung als Wasserbomber wurde erprobt.

Geschichte[Bearbeiten]

Bereits Anfang 1968 wurde ein Nachfolger für die bei den Marinefliegern eingesetzten Berijew Be-6, ein Entwurf aus den 40er-Jahren gefordert. Die Ausschreibung ging an das Flugzeugwerk Harbin, dessen Entwurf Schuischang Hongzhaji 5 oder SH-5 bereits im Dezember 1968 durch die Behörden genehmigt wurden. Der Detailentwurf war bis Februar 1970 (nach anderen Quellen bis Juni 1969) abgeschlossen. Im Oktober 1970 wurde die Fertigung eines ersten statischen Prototypen 01 begonnen, der im Oktober 1971 fertiggestellt wurde. Bei der Konstruktion kamen für den chinesischen Flugzeugbau neue Fertigungstechniken, wie das chemische Fräsen von Integralträgern, versenkte und abgedichtete Nieten sowie das Punktschweißen zum Einsatz. Die strukturellen Belastungstest begannen aber aus unbekannten Gründen erst ab August 1974. Gleichzeitig befand sich bereits der erste fliegende Prototyp 02 in der Fertigung.[1]

Dieser wurde im Dezember 1973 fertiggestellt. Die Verlegung zum Flugtestgelände erfolgte erst bis Oktober 1974, dort fanden zunächst Test zu Wasser statt. Der erste 23-minütige Flug fand erst am 3. April 1976 mit starker Verspätung statt.[1] Nach weiterer Entwicklungs- und Erprobungszeit, die sich typisch für diese Zeit in der chinesischen Luftfahrt, sehr in die Länge zogen, wurde mit dem Bau von vier Serienmaschinen begonnen, auf einen geplanten weiteren Prototypen wurden verzichtet. Die Serienmaschinen mit den Nummern 9113, 9123, 9133 und 9143 waren bis November 1984 fertiggestellt; die Erprobung lief noch bis 1985. Die Leistungen des Typs befriedigten nur unzureichend, weitere Flugzeuge wurden daher nicht gebaut. Die Serienmaschinen gingen im September 1986[2] beim 3. unabhängigen Regiment auf der Marinebasis Qingdao in Dienst. Neben den mangelnden Leistungen kam es nicht zur ursprünglich geplanten Anti-Schiffsraketen-Bewaffnung. Dies und die mangelnden Antriebsleistungen machten nur Einsätze in Form von Überwachungsflüge in niedriger und mittlerer Höhe möglich, für die ursprünglich vorgesehenen Langstrecken-Antischiffseinsätze oder schnelle Überführungen blieb der Typ ungeeignet.[3]

Mindestens eine Maschine wurde zu einem Feuerlöschflugzeug mit einer Kapazität von sechs Tonnen Löschwasser umgerüstet.

Technische Daten[Bearbeiten]

Als Antrieb werden vier Propellerturbinen Dongan WJ-5A mit je 2318 kW (3150 PS) eingesetzt. Die SH-5 hat eine Spannweite von 36 Metern Länge, ist 39,9 m lang und 9,79 m hoch. Der Rumpf ist nicht als Druckkabine ausgeführt. Die auf dem Rumpf liegenden Flügel haben eine Trägflügelfläche von 144 m². Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 555 km/h und die Patrouillengeschwindigkeit 230 km/h bei einer Dienstgipfelhöhe von 7000 m. Bei maximaler Kraftstoffzuladung beträgt die Reichweite 4570 km, dabei beträgt die Leermasse 26.500 kg und die maximale Startmasse 45.000 kg.[2]

Sie sind mit einem Doppler-Navigationsradar vom Typ DPL-1 (Typ-773) in einer kleinen Radarnase, sowie einem INS-Navigationssystem ausgestattet. Der charakteristische Hecksporn enthält einen MAD-Detektor für magnetische Anomalien.[3] Die Bewaffnung setzt sich aus einem Zwillingswaffenturm auf dem Rumpfrücken und vier Außenlastträgern unter den Flächen für Schiffsbekämpfungsflugkörper oder Torpedos (drei pro Pylon) zusammen. Zusätzlich können die internen Waffenschächte im Rumpfheck Wasserbomben, Minen, Bomben, Sonarbomben und Seenotrettungsausrüstung aufnehmen. Die mögliche Gesamtswaffenlast liegt bei 6000 kg.[2]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Andreas Rupprecht: „Drachenflügel“ - Die Militärluftfahrt der Volksrepublik China, Zweiter Teil. In: FliegerRevue Extra, 18. Heft, September 2007, ISSN 0941/889X, S.42 (bei fliegerrevue.de)
  2. a b c Flugzeugtypen der Welt. Bechtermünz Verlag, 1997, ISBN 3-86047-593-2, S. 502
  3. a b Andreas Rupprecht: „Drachenflügel“ - Die Militärluftfahrt der Volksrepublik China, Zweiter Teil. In: FliegerRevue Extra, 18. Heft, September 2007, ISSN 0941/889X, S.43, (bei fliegerrevue.de)