Harem (Genre)

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Als Harem (jap. ハーレム, Hāremu) wird ein lose definiertes Genre von Anime und Manga bezeichnet. Es ist dadurch charakterisiert, dass der Protagonist der Handlung von mehreren oder gar einer Vielzahl weiterer Charaktere anderen Geschlechts umgeben ist, die sich zu ihm hingezogen fühlen. In der Praxis wird der Protagonist überwiegend durch eine männliche Person gestellt, sodass der Großteil der Charaktere in diesen Werken weiblich ist. Wird von diesem als üblich angesehenen Schema abgewichen, wird nicht formal auch von einem Reverse Harem (逆ハーレム, Gyaku-Hāremu) gesprochen.[1]

Wortabstammung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff selbst leitet sich von dem arabischen Wort „Harem“ ab und wurde in den japanischen Sprachgebrauch übernommen. Hier wurde er im Zusammenhang mit Anime und Manga jedoch nicht in seiner ursprünglichen Bedeutung („Frauen; Tabu, heilig“) verwendet, sondern auf eine allgemeine Beziehungssituation erweitert. Letztlich verbreitete sich die Bezeichnung auch im englischen Sprachraum und wurde allmählich zu einer Genre-Bezeichnung.

Abgrenzung und Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff stammt aus der Fangemeinde, daher ist er nur sehr unscharf definiert und so gehen exakte Definitionen entweder weit auseinander. Jonathan Clements beschreibt die Struktur von Harem-Anime mit Bezug auf die Aussagen des Schöpfers von Tenchi Muyō!, Kajasima Masaki, als Weltsicht eines frustrierten, einsamen und jungfräulichen Jungen zwischen 15 und 18 Jahren. Dieser habe eine Besessenheit mit allem weiblichen, in denen er mögliche, wenn auch nur verübergehende Sexualpartner sehe. Entsprechend träten in Serien des Genres Frauen in großer Zahl und unterschiedlichem Charakter als mögliche, und willige, Partner auf und die Geschichte fungiere mit den für den Zuschauer sonst unerreichbaren Frauen als Wunscherfüllung. Frauen würden in einer Mischung romantischer und erotischer Präsentation als großes, wundervolles Mysterium dargestellt. Dabei ließen sich die weiblichen Figuren in diesen Werken stets auf sechs oder sieben Persönlichkeitstypen zurückführen, die weniger der Beobachtung von Frauen als der Mechanik von Dating-Simulationen entlehnt sind.[2]

Manga und Anime, die sich dieses Genres bedienen, sehen sich immer wieder der Kritik ausgesetzt, billige „Massenware“ zu sein, da sie zu viel voneinander kopieren würden.[3] Viele von ihnen sollen sich auf eklatanten Fanservice verlassen und einen Mangel an ausgefeilter Handlung besitzen. Zugleich soll diese Form bei den weiblichen Konsumenten keinen hohen Stellenrang besitzen, da sie darin eine sexistische Fehlinterpretation von Mädchen und Frauen sehen. Dennoch werden die Ursachen dafür nicht direkt im Genre gesehen, sondern einzig in der Qualität der Werke selbst.[4]

Vertreter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Love Hina ist ein bekannter, dem Genre zuzuordnender Manga, ebenso vom selben Autor Magister Negi Magi. Weitere Beispiele sind Kore wa Zombie Desu ka?, Ranma ½, Rosario + Vampire, Sekirei. In jüngeren Titeln wird das Genre innerhalb der Handlung selbst referenziert. So parodierte Seitokai no Ichizon das Genre, indem der Protagonist offen zugibt, einen Harem gründen zu wollen, wogegen sich die weiblichen Figuren immer wieder zu wehren wissen und ihn ins Leere laufen lassen. In High School D×D verkündet der Protagonist, „Harem-König“ werden zu wollen und wird tatkräftig von den jeweiligen weiblichen Figuren unterstützt, während in To Love-Ru Darkness eine der weiblichen Figuren gegen den Wunsch des Protagonisten auf einen Harem für ihn zuarbeitet.

Zu den typischen Vertretern dieses Genres gehören ebenfalls auch viele Ren’ai-Adventure bzw. Erogē und deren Adaptionen, in denen das Ziel besteht mit einer oder gar gleichzeitig mehreren weiblichen Figuren eine romantische Beziehung einzugehen, teilweise auch mit einem Harem-Ende.

Vertreter von Reverse Harems sind beispielsweise Fruits Basket oder Ouran High School Host Club.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Robin E. Brenner: Understanding Manga and Anime. Libraries Unlimited, 2007, ISBN 978-1-59158-332-5, S. 89.
  2. Jonathan Clements: Anime - A History. Palgrave Macmillan, London 2013, ISBN 978-1-84457-390-5, S. 170, 202.
  3. Der Animationsmarkt in Japan. (PDF; 557 kB) In: Japan aktuell 4/2008. Abgerufen am 27. Dezember 2009: „Inhaltlich betrachtet verstärkt sich, wie bei früheren Booms, der Eindruck, dass der traditionelle Facettenreichtum des Anime von Massenware überdeckt wird, wobei die Produzenten jeden vermeintlichen Trend (z. B. Harem-Anime wie „He is My Master“ von Studio Gainax) bis zur Erschöpfung kopieren.“
  4. Ask John: Why Do Americans Hate Harem Anime? In: animenation.net. 20. Mai 2005, abgerufen am 27. Dezember 2009.