Haskenau

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Haskenau
Infotafel über die Struktur der Haskenau

Infotafel über die Struktur der Haskenau

Alternativname(n): Wallburg Haskenau
Burgentyp: Niederungsburg, Motte
Erhaltungszustand: Burgstall
Ort: Münster
Geographische Lage 52° 1′ 30″ N, 7° 41′ 22″ OKoordinaten: 52° 1′ 30″ N, 7° 41′ 22″ O
Haskenau (Nordrhein-Westfalen)
Haskenau

Die Haskenau (auch Wallburg Haskenau) ist eine abgegangene Turmhügelburg (Motte) auf dem Gebiet der westfälischen Stadt Münster in Nordrhein-Westfalen. Sie befindet sich an der ehemaligen Mündung der Werse in die Ems.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Anlage bestand in Form einer Siedlung vermutlich bereits seit fränkischer Zeit: Bei Ausgrabungen wurden Scherben aus der Zeit der Karolinger gefunden.

Im 12. Jahrhundert entstand auf einem zentralen Turmhügel eine massive Holzburg (oder ein Steinbau). Der Turmhügel hatte einen Durchmesser von 30 Metern. Die Höhe des Hügels betrug 5 bis 6 Meter über dem umgebenden Bodenniveau und etwa 11 Meter über der Wasserlinie. Ihm vorgelagert befand sich ein Graben, an den sich der innere, etwa fünf Meter breite Wall anschloss. Der äußere Schutzwall umgab die Burganlage südöstlich im Abstand von rund 60 Metern. Er war mit einem Vorwerk versehen, dessen südlicher Teil aus dem 13. Jahrhundert stammen dürfte. Es wurden Reste eines Palisadenzauns gefunden. Zwischen den Wällen befanden sich Gehöfte, auf denen lt. einer Güteraufzählung von 1611 noch Schweinemast betrieben wurde. Die Gesamtfläche der Anlage betrug ca. 2,5 ha.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In mittelalterlichen Urkunden wurde die Haskenau wahrscheinlich als "Sconowe" (Schönau bzw. Hohenschönau) bezeichnet. Funde von Scherben des 12.-16. Jahrhunderts legen eine zumindest temporäre Nutzung der Befestigung noch bis in die Neuzeit nahe, auch wenn diese seit spätestens dem 15. Jahrhundert keine strategische Rolle mehr spielte. In einer Urkunde von 1226 wird Ritter Hermann I. von Münster (westfälisches Adelsgeschlecht) als Bewohner genannt. 1268 und 1286 wurde die Burg, die als befestigtes Haus (lat. "mansio") bezeichnet wurde, von einem Nachfahren verpfändet und 1324 an das Domkapitel Münster verkauft. Noch 1424 und 1457 mussten die Bischöfe von Münster bei ihrer Vereidigung schwören, die dortigen Einkünfte und Ländereien zu verteidigen[1].

Dass auf der Burg Haskenau im 15. und 16. Jahrhundert drei Generationen des Adelsgeschlechts Droste zu Hülshoff (Begründer dieser Linie war Alhard II., † 1485) lebten[2], ist hingegen fraglich.[3] Archäologische Funde sprechen eher für eine landwirtschaftliche Nutzung des Areals.

1611 wird die Haskenau in einer Liste der verwalteten bischöflichen Güter der Burg Schöneflieth bei Greven nur noch als ein Ort der Schweinemast aufgeführt.

Die Anlage, von der heute nur noch Bodenformationen erhalten sind, ist seit 1987 als Bodendenkmal eingestuft.

Kurioses[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Autor Alfred Lühl behauptete ab 1930, der Turmhügel sei in Wirklichkeit ein Grabhügel, in welchem der römische Feldherr Germanicus seine gefallenen Soldaten aus der Hermannsschlacht habe bestatten lassen, die in Wirklichkeit im Kattenvenner Moor stattgefunden habe[4]. Dies hält jedoch keiner Überprüfung stand[5]. Immerhin wurde unter anderem aufgrund dessen dort im Jahr 1936 gegraben.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Brieske, Vera: Die Haskenau bei Handorf-Dorbaum, in Frühe Burgen in Westfalen, Altertumskommission für Westfalen, Heft 18, Münster 2001
  • Torsten Capelle: Wallburgen in Westfalen-Lippe. Herausgegeben von der Altertumskommission für Westfalen, Münster 2010, ISSN 0939-4745, S. 24 Nr. FBW18 (Frühe Burgen in Westfalen Sonderband 1)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Die Haskenau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vera Brieske: "Frühe Burgen in Westfalen", Heft 18, S. 20, Hrsg. Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Altertumskommission
  2. J. Holsenbürger: Die Herren von Deckenbrock (v. Droste-Hülshoff) und ihre Besitzungen, 1868, S. 25, 92, 93
  3. Holsenbürger setzt hinter der Angabe, Alhard II. habe den Hof Spielbrink samt Burg geerbt, „Haskenau(?)“ mit Fragezeichen, ist sich also nicht sicher. Zudem war er Kaplan im Dienste der Familie und sein Werk eine Auftragsarbeit. Entsprechende Dokumente sind nicht vorhanden.
  4. A. Lühl: Trägt der Teutoburger Wald seinen Namen mit Recht? Entwicklung und Stand der Frage Haskenau-Hermannschlacht. Was nun?
  5. C. Spannhoff: Alles für die Katz'?: Eine historische Anthologie zum Jubiläum „700 Jahre Kattenvenne“