Kattenvenne

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Kattenvenne (Nordrhein-Westfalen)
Kattenvenne
Kattenvenne
Lage von Kattenvenne in Nordrhein-Westfalen

Kattenvenne [ˈkatn̩ˌfɛnə] ist ein Ortsteil der Gemeinde Lienen in der Region Tecklenburger Land (Kreis Steinfurt) am nördlichen Rand des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen. Das Dorf liegt ungefähr mittig zwischen Münster und Osnabrück.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kattenvenne ist die südöstlichst gelegene Ortschaft des Tecklenburger Landes. Sie liegt in der Westfälischen Bucht, südlich des Teutoburger Waldes. Umrandet wird Kattenvenne von den Orten Lienen, Lengerich, Ladbergen, Ostbevern und Glandorf. Nahe dem Ort sind die Naturschutzgebiete Heckenlandschaft Kattenvenne und Lilienvenn für Nordrhein-Westfalen ausgewiesen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Erwähnung des Namens Kattenvenne ist in einem Vertrag aus dem Jahr 836, der im Kloster Corvey unterzeichnet wurde, zu finden. Hier heißt es:

„Tradiderunt Frekin et Heriman in Hadunveni quidquid ibi habuerunt. (...)“

Frekin und Heriman übertrugen, was sie in Hadunveni besaßen. Es wird vermutet, dass unter "Hadunveni" die Urform des Namens Kattenvenne zu verstehen ist. Eine weitere urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1312. Kattenvenne war vor allem wegen des Moors bekannt, in dem die Bauern der benachbarten Ortschaften Torf stachen. 1650 ist Kattenvenne als neu entstandene Bauerschaft aus der Lienener Bauerschaft Meckelwege ausgegliedert worden. Vermutlich hat ein Bauernhof in dieser Flur gelegen und so der neuen Bauerschaft ihren Namen gegeben. Der Name Katten und venn ist wahrscheinlich aus Venn = Moor und Gatt (ein wassergefülltes Loch) entstanden. Der Ortsname wurde früher fälschlicherweise von dem plattdeutschen Wort Katten (= Katzen) hergeleitet, diese sollen nachts durch das Moor geschlichen sein.[1]

Der aktuelle Forschungsstand mehrerer Quellen betont, dass es keine zweifelsfreie Verbindung des Namens Hadunveni zu Kattenvenne gibt. Eine sichere Nennung liegt lediglich aus dem Jahre 1312 in dem Westfälischen Urkundenbuch (WUB VIII, Nr. 741, S. 263) als Schriftquelle vor und lässt über die Erwähnung im Corveyer Zeugnis auch seither Raum für unterschiedliche Interpretationen zu, welche den Hergang der Schenkung anzweifeln.[2]

Buchentorstraße

Mitte des 18. Jahrhunderts wurden schon 23 Höfe beurkundet. Die Entwicklung Kattenvennes als einheitliche Gemeinde beginnt allerdings erst infolge des Baus der Eisenbahnlinie Münster – Osnabrück zwischen 1868 und 1871. Die neue Eisenbahnlinie Rollbahn verschaffte dem Ort Aufschwung. Der Bahnhof Kattenvenne entsteht 1873 als Wohnhaus des Bahnmeisters. Es ist die Zeit des Deutsch-Französischen Krieges, daher sollen sich am Bau der Bahnlinie auch französische Kriegsgefangene beteiligt haben. Weitere Gebäude entstehen in der Umgebung des Bahnhofs im Laufe der 1870er Jahre und dienen als Wirtschaft und Bäckerei. 1877 eröffnet H. Beinecke am Bahnhof einen Holz- und Kohlehandel. Auf Betreiben von Pastor Kriege aus Lienen, da die Bevölkerung Kattenvennes innerhalb von 50 Jahren sich verdoppelt hat, wird am 25. August 1887 der Grundstein der Kirche am Buchentor gelegt. Weihnachten 1887 wird in der noch unfertigen Kirche von Pastor Adolf Philipps der erste Gottesdienst gehalten. Der Turm der Kirche wird erst 20 Jahre später 1897 gefertigt. 1889 wird Kattenvenne selbstständige Kirchengemeinde. Die Bevölkerung Kattenvennes ist bis in die 1960er Jahre trotz Auswanderung von ca. 400 Menschen in die USA und den Tod von 58 Kattenvennern im ersten und 170 im Zweiten Weltkrieg stets gewachsen. 1961 zählt man 1358 Einwohner, 1984 bereits 1764.[3] Im Folgenden ist das Dorf im Rahmen von Neubaugebieten stetig weitergewachsen.

Verkehrsanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kattenvenne besitzt einen eigenen Bahnhof an der Rollbahn (Eisenbahnstrecke), der den Ort im Regionalverkehr an die Großstädte Münster und Osnabrück anbindet. Der Flughafen Münster/Osnabrück befindet sich etwa 15 km westlich zwischen Ladbergen und Greven. Nördlich des Dorfes verläuft die Bundesstraße 475, die von Glandorf nach Ladbergen zur Autobahn A1 führt.

Infrastruktur im Ort[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Öffentliche Einrichtungen sind die Grundschule mit Turnhalle sowie der Kindergarten. Die Kirche der evangelischen Gemeinde wird auch von den örtlichen Katholiken für die Messe genutzt. Kattenvenne verfügt über diverse Geschäfte, Handwerksbetriebe und niedergelassene Ärzte.

Die Gemeinde setzt sich derzeit für den Ausbau mit Glasfaser-Internet durch die Stadtwerke Lengerich ein.[4]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dr. Hermann Jelinghaus: Dorfnamen um Osnabrück, Osnabrück 1922, S. 22.
  2. Dr. Kirsten Casemir und Dr. Birgit Meineke und weiteren: Zum Ortsnamen "Kattenvenne". In: Kattenvenne 1312 eG (Hrsg.): Kattenvenne. Das Dorf mit seiner Entwicklung. Band II. Pabst Science Publishers, Lengerich 2014, ISBN 978-3-95853-031-7, S. 45 ff.
  3. Landschaftsverband Westfalen-Lippe (PDF; 6,7 MB)
  4. Warum Lienen Glasfaser braucht. Abgerufen am 30. Mai 2016.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hunsche F.E.: Lienen am Teutoburger Wald. Lengericher Handelsdruckerei, 1965.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kattenvenne 1312 eG (Hrsg.): Kattenvenne? Kattenvenne! Beiträge zur Geschichte eines Dorfes im Münsterland. Pabst, 312 Seiten, ISBN 978-3-89967-841-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 52° 7′ N, 7° 52′ O