Hauptmann von Kafarnaum

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Jesus und der Hauptmann von Kafarnaum, Gemälde von Paolo Veronese, entstanden ca. 1571

Die Erzählung vom Hauptmann von Kafarnaum findet sich im Evangelium nach Matthäus (8,5–13 EU) – in der Reihe der Heilungen und Wunder Jesu – und parallel dazu im Evangelium nach Lukas (7,1–10 EU) jedoch nicht im Evangelium nach Johannes (4,46–54 EU). Zwar besitzt Johannes Parallelen, jedoch ist hier von einer leicht anderen Geschichte in Kana die Rede.[1] Die Erzählung berichtet von Jesu Heilung des Dieners eines Hauptmannes in Kafarnaum.

Wortlaut[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Text von 8,5–13 EU im Evangelium nach Matthäus lautet nach der Einheitsübersetzung:

5 Als er nach Kafarnaum kam, trat ein Hauptmann an ihn heran und bat ihn:

6 Herr, mein Diener liegt gelähmt zu Hause und hat große Schmerzen.

7 Jesus sagte zu ihm: Ich will kommen und ihn heilen.

8 Da antwortete der Hauptmann: Herr, ich bin es nicht wert, dass du unter mein Dach einkehrst; aber sprich nur ein Wort, dann wird mein Diener gesund!

9 Denn auch ich muss Befehlen gehorchen und ich habe selbst Soldaten unter mir; sage ich nun zu einem: Geh!, so geht er, und zu einem andern: Komm!, so kommt er, und zu meinem Diener: Tu das!, so tut er es.

10 Jesus war erstaunt, als er das hörte, und sagte zu denen, die ihm nachfolgten: Amen, ich sage euch: Einen solchen Glauben habe ich in Israel noch bei niemandem gefunden.

11 Ich sage euch: Viele werden von Osten und Westen kommen und mit Abraham und Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen;

12 aber die Söhne des Reiches werden hinausgeworfen in die äußerste Finsternis; dort wird Heulen und Zähneknirschen sein.

13 Und zum Hauptmann sagte Jesus: Geh! Es soll dir geschehen, wie du geglaubt hast. Und in derselben Stunde wurde sein Diener gesund.

Forschung zur Zweiquellentheorie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund teilweise wörtlicher Übereinstimmung der Erzählung nach Matthäus und Lukas in Abgrenzung zur Darstellung nach Johannes wird heute allgemein angenommen, dass beiden Evangelisten eine gemeinsame Quelle vorlag, nämlich die Logienquelle Q.

Deutungsaspekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der „Hauptmann“ wird im Urtext mit ἑκατοντάρχης (hekatontárchēs), der griechischen Übersetzung von lateinisch Centurio bezeichnet. Er ist ein Nichtjude, mutmaßlich in den Diensten von Herodes Agrippa.[2] Als toraobservanter Jude kann Jesus dessen Haus nicht betreten.[3] Die Heilungsmacht Jesu lässt sich davon aber nicht einschränken.

Ob das griechische Wort παῖς (paĩs) mit „Sohn“ oder mit „Diener“ (Einheitsübersetzung), bzw. „Knecht“ (Lutherbibel, Zürcher Bibel), richtig wiedergegeben wird, ist umstritten. Für „Sohn“ spricht, dass in V. 9 ein Sklave als δοῦλος (doũlos) bezeichnet wird, dass Mt 2,16 παῖς im Sinne von „Kind“ gebraucht, und das in der ähnlichen Geschichte Mt 17,14–21 mit παῖς eindeutig der „Sohn“ gemeint ist.[4]

Liturgie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Römisch-katholische Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der heiligen Messe ist das Demutswort des heidnischen Hauptmanns (V. 8) in abgewandelter Form das Gebet der Gläubigen vor der Kommunion; dessen Verständnis setzt die Kenntnis der Heilungsgeschichte voraus: Herr, ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach; aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.

Die Perikope ist in der Fassung von Lukas das Evangelium am 9. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr C).[5] Die Perikope vom „königlichen Beamten, dessen Sohn krank war“ im Johannesevangelium ist am Montag der 4. Woche in der Fastenzeit als Evangelium vorgesehen.[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gerhard Maier: Das Evangelium des Matthäus. Hrsg.: Gerhard Maier, Rainer Riesner, Heinz-Werner Neudorfer, Eckhard J. Schnabel. SCM R. Brockhaus, Witten 2015, ISBN 978-3-417-29730-0, S. 444.
  2. Matthias Konradt: Das Evangelium nach Matthäus, Göttingen 2015, S. 134.
  3. Ulrich Luz: Das Evangelium nach Matthäus (Mt 8-17), 3., durchgesehene Auflage, Zürich u. a. 1999, S. 14.
  4. Ulrich Luz: Das Evangelium nach Matthäus (Mt 8-17), 3., durchgesehene Auflage, Zürich u. a. 1999, S. 14. Damit sind Auslegungen, die hier ein Beispiel für die Solidarität von Herren und Knechten sahen, nicht mehr zu begründen (ebd.). Ebenso Matthias Konradt: Das Evangelium nach Matthäus, Göttingen 2015, S. 134. Die an sich mögliche Übersetzung mit „Knecht“ sei „schwerlich“ an dieser Stelle die richtige.
  5. Erzabtei Beuron: 9. Sonntag im Jahreskreis C
  6. Erzabtei Beuron: Montag der 4. Woche in der Fastenzeit