Haus an der Heuport

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Haus an der Heuport

Das Haus an der Heuport (verkürzend Haus Heuport genannt) ist eine vierflügelige gotische Patrizierburg am Krauterermarkt gegenüber dem Regensburger Dom in der Altstadt von Regensburg.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name „Heuport“ weist auf das Heutor hin, das zur ehemaligen Regensburger Judenstadt führte, und auf einen angrenzenden damaligen Heumarkt. Später wurde der Platz auch "im Ayrwinkel" (im Eierwinkel) genannt, da an dieser Stelle der Eiermarkt stattfand.

Erster bekannter Hausherr war der Hansgraf Carl der Chrazzer (oder Carl Kratzer, † 1355), ein Schirmherr der Regensburger Fernkaufleute, der die Anlage im Wesentlichen errichten ließ. 1335 kamen als neue Besitzer Ofmen (Euphemia) Symon und ihr Sohn; bald darauf – im Jahre 1341 – wurde das Haus durch ein Schiedsgericht zwischen den Geschlechtern der Symon und die der Straubinger geteilt. Der Südteil (genannt in dem Dörflein) wurde von dem Ratsherrn Andreas Straubinger erworben, der kleinere Nordteil (genannt die Kuchin) kam an die Brüder Symon. Weitere Besitzer waren bedeutsame Regensburger Ratsgeschlechter wie die Reich, die Sittauer, die Graner, die Gravenreuther und die Portner. 1593 erwarb der Junker Georg Kreis von Lindenfels, dessen Gemahlin eine Portner war, wieder die ganze Anlage. Seine Erben verkauften dann später das Haus an einen gewissen Zehentner.

Gedenktafel an Georg Kreis von Lindenfels

Unter dem Besitzer Johann Ludwig Pürkel wurde die Anlage 1713 barockisiert. Dabei wurde das gotische Dach mit Zinnenkranz und Treppengiebel durch ein Mansardwalmdach ersetzt. Um das Jahr 1810, als die Häuser wieder geteilt wurden, kam der südliche Teil an die Familie Bertram. Nach dem Tod des Kaufmanns Friedrich Anton Bertram wurde das Haus wiederum um 1860 verkauft.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde erwogen, das Heuporthaus für einen Straßendurchbruch abzureißen. Der Plan wurde nicht verwirklicht. Bei durchgreifenden Sanierungsarbeiten in den Jahren 1936/37 entdeckte man im Innern des Hauses gotische Malereien. Daraufhin erhielt das Haus auf Veranlassung von Kulturdezernent und Museumsdirektor Walter Boll eine die Fassade des Hauses seitdem prägende gotische Maßwerkfensterreihe. Damit sollte das Haus zu einem im Deutschen Reich einmaligen Kaffeehaus aufgewertet werden und die weiterhin befürchteten verkehrsplanerischen Abbruchmaßnahmen verhindert werden.[1] In den Jahren 1939 und 1979 fanden weitere kleinere Umbauten statt.

Baubeschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei dem Haus Heuport handelt es sich um eine ausgedehnte vierflügelige und im Kern gotische Anlage mit einem großen Innenhof. Der südliche Haupttrakt war mit Einfahrt, Treppenhaus, Festsaal und Wohnhaus um 1300 entstanden. Der Nordteil umfasst die einstige Kapelle St. Andreas, einen Eckturm und ein Haus in der Kramergasse. Der an der Nordostecke liegende spätromanische Turm stammt noch aus dem 12. Jahrhundert. Heute ist nur noch der Stumpf des Turmes erhalten, da dieser 1593 wahrscheinlich aus Geldnot abgetragen werden musste. Die südlich angrenzende Andreaskapelle ist an der Fassade noch an den rekonstruierten dreibahnigen Maßwerkfenstern zu erkennen. Es bestand wohl damals über eine Empore eine Verbindung zum Festsaal des Hauses Heuport.

Der westliche Teil der Anlage mit seinen den Innenhof dreiseitig umgebenden Rückgebäuden entstand weitgehend um 1700, wobei der südwestliche Teil im Kern wohl aus dem 14. Jahrhundert stammt. Das Haus besitzt eine große Eingangshalle mit Balkendecke und Spitzbögen zum Hof hin und einen darüber liegenden Festsaal, einen Innenhof sowie die Hauskapelle St. Andreas aus dem frühen 14. Jahrhundert. Die ursprüngliche gotische Steintreppe wurde im 18. Jahrhundert durch eine Holztreppe ersetzt. Die rückwärtigen Gebäude zum Innenhof wurden zwischen 1681 und 1705 um- bzw. neu gebaut.

Figurengruppe „Fürst der Welt“ und „törichte Jungfrau“

Bei dem Treppenaufgang ist ein dreilöchriger Fackellöscher. Eine Steintafel von 1615 erinnert an den Junker Kreis von Lindenfels und seine drei Gattinnen; die Wappen auf der Tafel sind die der Familien Kreis, Seckendorf, Portner und Haller. Von 1330 stammt eine allegorische Figurengruppe, die eine Szene aus dem biblischen Gleichnis der klugen und der törichten Jungfrauen darstellt: Es handelt sich um einen jungen Mann, genannt „Fürst der Welt“, und eine „törichte Jungfrau“. Der junge Mann hat in der Hand einen Apfel, das Sinnbild des Freiers, der mit werbender Geste die törichte Jungfrau zur Sünde verlocken will. Das Mädchen senkt sie ihre Augen zum Boden, hält in erregter Erwartung die rechte Hand an die pulsierende Brust und lässt eine Öllampe in ihrer linken achtlos nach unten sinken. Auf der Rückseite der Figur kann man allerdings folgendes erkennen: Im Rücken des „Fürsten der Welt“ nisten Ratte und Kröte und eine Schlange windet sich in die Figur hinein. Diese Tiere sind Symbole des Teufels und kennzeichnen den Jüngling als satanischen Verführer. Die Figuren wurden geschickt an einem Eck platziert, so dass verdeutlicht wird, dass die törichte Jungfrau die wahren Absichten des Jünglings um das Eck nicht sehen kann.

Heutige Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als das Haus 1860 verkauft wurde, befand sich dort die Coppenrathsche Buch- und Kunsthandlung. Diese Nutzung wird heute durch die Dombuchhandlung fortgeführt. Die weitere Anlage ist heute aufgeteilt auf den Gasthof Haus Heuport[2] sowie das Hotel Kaiserhof[3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl Bauer: Regensburg. Kunst-, Kultur und Alltagsgeschichte (5. erweiterte und verbesserte Auflage, S. 63–66). Mittelbayerische Druck- und Verlags-Gesellschaft, Regensburg 1997, ISBN 3-931904-19-9.

Weblink[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eugen Trapp: Domplatz, Die Rückkehr des Königs. In: Stadt Regensburg, Amt für Archiv und Denkmalpflege (Hrsg.): Denkmalpflege in Regensburg. Band 12. Friedrich Pustet, Regensburg 2011, ISBN 978-3-7917-2371-6, S. 134.
  2. Homepage von Haus Heuport
  3. Homepage von Hotel Kaiserhof am Dom

Koordinaten: 49° 1′ 10,2″ N, 12° 5′ 48,8″ O