Haus des Terrors (Budapest)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Haus des Terrors in Budapest
Ausstellungsraum
Ausstellungsraum
Ausstellungsraum

Das Terror Háza (deutsch: Haus des Terrors) ist ein als Gedenkstätte konzipiertes historisches Museum in Budapest. Es ist in der Andrássy út 60 untergebracht und soll an die Herrschaft der Pfeilkreuzler und den nach Ende des Zweiten Weltkriegs folgenden Sozialismus in Ungarn erinnern und stellt dabei beide Regime in seiner Ausstellung gegenüber.

Geschichte des Museums[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nutzungsgeschichte des Museumsgebäudes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das im Jahre 1880 nach den Plänen von Adolf Feszty im Neorenaissancestil erbaute Palais war ursprünglich in jüdischem Besitz. Es diente von 1937 bis 1944 als Sitz und Gefängnis der ungarischen Pfeilkreuzlerpartei von Ferenc Szálasi, genannt das „Haus der Treue“ (Hűség háza). 1945 wurde es zunächst von der politischen Polizei (PRO) übernommen und dann zum Hauptquartier ihrer Nachfolgeorganisation, des kommunistischen Staatssicherheitsdienstes ÁVO beziehungsweise ÁVH. Während der stalinistischen Ära nutzte dieser es als Foltergefängnis. Durch schrittweisen Ausbau umfasste das Gefängnis im Endzustand den unterirdischen Bereich unter dem gesamten umgebenden Häuserblock. Nach dem Volksaufstand 1956 wurde es zum Zentrum des Kommunistischen Jugendverbandes KISZ umfunktioniert.

Einrichtung des Museums[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während der Amtszeit der Regierung Viktor Orbán (1998–2002) wurde der Wunsch immer lauter, an dieser Stelle eine Gedenkstätte für die Opfer beider Diktaturen zu errichten. Deshalb kaufte die Stiftung für die Forschung Ost- und Mitteleuropäischer Geschichte und Gesellschaft das Gebäude und baute es um. Es bekam ein schwarzes Passepartout aus symbolischen Messerklingen. Seit Februar 2002 befindet sich hier ein Museum, das sich sowohl der Geschichte des Pfeilkreuzler- als auch des kommunistischen Regimes widmet. Das Konzept des Haus des Terrors führte im Vorfeld der Eröffnung zu Kontroversen. Die Kritik konzentrierte sich vorwiegend auf die parteipolitische Vereinnahmung des Hauses, die Tendenz zur Gleichsetzung von zwei diktatorischen Regimen durch deren gemeinsame Darstellung, der Verzicht auf die Thematisierung des Horthy-Regimes und damit die Marginalisierung der nationalen Mitverantwortung für den Holocaust, sowie das im Museum repräsentierte Opfernarrativ.

Neben der Dauerausstellung sind Wechselausstellungen zu sehen, z. B. zu den Themen George Orwell und Arthur Koestler.

Leiterin des Museums ist Mária Schmidt (* 1953).

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mária Schmidt: Terror Háza : house of terror. Budapest 2003
  • Regina Fritz: Nach Krieg und Judenmord. Ungarns Geschichtspolitik seit 1944. Wallstein, Göttingen 2012, ISBN 978-3-8353-1058-2
  • Éva Kovács: Das Zynische und das Ironische. Zum Gedächtnis des Kommunismus in Ungarn, in: Transit. Europäische Revue 30 (2006), S. 88–105.
  • Krisztián Ungváry: Der Umgang mit der kommunistischen Vergangenheit in der heutigen ungarischen Erinnerungskultur, in: Bernd Faulenbach / Franz-Josef Jelich (Hg.): Transformationen der Erinnerungskulturen in Europa nach 1989, Essen 2006, S. 201–220

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Haus des Terrors – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 47° 30′ 25″ N, 19° 3′ 55″ O