George Orwell

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George Orwell (1933)

George Orwell (* 25. Juni 1903 in Motihari, Bihar, Britisch-Indien als Eric Arthur Blair; † 21. Januar 1950 in London) war ein englischer Schriftsteller, Essayist und Journalist. Durch seine Werke Farm der Tiere und 1984 wurde Orwell weltbekannt und zählt heute mit seinem Gesamtwerk zu den bedeutendsten Schriftstellern der englischen Literatur. Er verwendete sein Pseudonym George Orwell erstmals 1933 in seinem Erlebnisbericht Erledigt in Paris und London.

Biografie[Bearbeiten]

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Kindheit[Bearbeiten]

Eric Arthur Blair wurde in Indien als Sohn englischer Eltern, Richard Walmesley Blair und Ida Mabel Lemouzin, die aus einer anglofranzösischen Teakholzhändlerfamilie stammte, geboren. Zur Familie gehörten noch seine ältere Schwester Marjorie und die jüngere Schwester Avril. Im Alter von einem Jahr nahm seine Mutter ihn und Marjorie mit ins englische Henley-on-Thames in Oxfordshire. Sein Vater, der als Kolonialbeamter des Indian Civil Service für die Opiumernte zuständig war, blieb in Indien. Auch nach einem dreimonatigen Besuch bei seiner Familie im Jahre 1907 kehrte er nach Indien zurück; von 1912 an lebte er bis zu seinem Tode in England.

Ausbildung[Bearbeiten]

Sportgelände des St.-Cyprians-Internats in Eastbourne

Im Alter von sechs bis acht Jahren besuchte Eric, wie zuvor seine Schwester, die anglikanische Kirchenschule in Henley-on-Thames. Auf Empfehlung seiner Schule wurde er von der St.-Cyprians-Vorbereitungsschule in Eastbourne, Sussex, einem Internat für Kinder der englischen Oberschicht, aufgenommen. Aufgrund seiner Leistungen wurde den Eltern die Hälfte des Schulgeldes erlassen. Seine Erfahrungen an der St.-Cyprians-Schule fasste er 1946/1947 in dem 1952 veröffentlichten Essay Such, Such Were the Joys (dt. Die Freuden der Kindheit, 1989) zusammen.

Das Internat verhalf ihm zu einem Stipendium vom König und vermittelte Studienplätze an den Kollegien von Wellington und Eton. 1917 ging Blair nach Wellington, wechselte jedoch nach kurzer Zeit auf das Eton College, welches er bis 1921 besuchte. Sein Tutor war der Altphilologe Andrew Sydenham Farrar Gow. Hier lernte er auch Cyril Connolly, den späteren Herausgeber des Horizon Magazines, kennen, der viele seiner Kurzberichte veröffentlichen und zu einem Freund auf Lebenszeit werden sollte.

Von Burma nach London[Bearbeiten]

Haus in der Portobello Road in London, in dem er 1927 lebte
Orwell wohnte etwa 1936–1940 hier in Wallington, Hertfordshire

1921 ging Blair zur britischen Kolonialpolizei, der Indian Imperial Police, nach Burma. Erlebnisse während seines Dienstes verarbeitete er 1931 und 1936 in den Essays Einen Mann hängen und Shooting an Elephant. Aus Protest gegen das Vorgehen der britischen Kolonialmacht, deren Teil er war, quittierte er schließlich den Dienst bei der Polizei.

1927 kehrte er nach England in der Absicht zurück, Schriftsteller zu werden. 1928 zog Blair nach Paris, wo er als Englischlehrer arbeiten wollte. Mangelndes Interesse in beiden Bereichen zwang ihn dazu, als Tagelöhner Gelegenheitsarbeiten zu verrichten, unter anderem als Hopfenpflücker und als Tellerwäscher.

Elend und krank ging Blair 1929 zurück nach England, wo sich seine berufliche Situation nicht verbesserte. Er wohnte wieder bei seinen Eltern in Southwold, Suffolk. Erst kleinere Schreibaufträge von Freunden beim Magazin Adelpi retteten ihn aus seinem Dasein als Obdachloser, wie er es 1933 unter dem Pseudonym George Orwell in Erledigt in Paris und London (engl. Down and out in Paris and London) schilderte. Seine Erlebnisse und Erfahrungen in Burma beschrieb er 1934 in dem Roman Tage in Burma (engl. Burmese Days). Außerdem arbeitete er zeitweise als Privatlehrer in Hayes, Middlesex und als Teilzeitangestellter in einem Buchladen in London. In dieser Zeit wurde er als George Orwell bekannt.

Noch 1936 war Orwell derart arm, dass er bei seiner Hochzeit mit Eileen O’Shaughnessy kein Geld für die Eheringe hatte. Anfang 1936 reiste er im Auftrag des Left Book Clubs in die Industriereviere Nordenglands, um die Lage der arbeitenden Bevölkerung zu dokumentieren. Der Bericht erschien 1937 als Der Weg nach Wigan Pier (engl. The Road to Wigan Pier).

Spanischer Bürgerkrieg[Bearbeiten]

1937 nahm Orwell auf Seiten der (von Stalinisten als trotzkistisch bezeichneten) Partido Obrero de Unificación Marxista (Arbeiterpartei der Marxistischen Einheit, kurz POUM), die im engen Kontakt zur Independent Labour Party stand, am Spanischen Bürgerkrieg in der Nähe von Barcelona teil. Das Korrespondentenbüro teilte er sich mit Ernest Hemingway, André Malraux und Leopold Kohr. Orwell wurde durch einen Halsdurchschuss schwer verwundet. Der Verfolgung durch moskautreue Kommunisten entzog er sich, indem er Spanien wenig später verließ.[1][2] Viele von Orwells ehemaligen Kameraden wurden eingesperrt oder verloren ihr Leben.

Orwells Buch Mein Katalonien (engl.: Homage to Catalonia) erschien 1938 in London. Es ist ein Erfahrungsbericht und zugleich eine Analyse des Spanischen Bürgerkriegs, des damaligen politischen Geschehens und der Rolle der Medien.[3]

Zeit des Zweiten Weltkrieges[Bearbeiten]

Nach 1939 arbeitete Orwell vermehrt als Buchkritiker. Hierbei kam ihm zugute, dass viele seiner Kollegen Kriegsdienst leisteten, während er selbst wegen seiner latenten Tuberkulose nicht eingezogen wurde. Im Juni 1941 erhielt Orwell der Biografie von George Bowker zufolge ein Angebot der BBC als „English language producer“, wo er sich im Wesentlichen mit der Produktion von Kriegspropaganda beschäftigte. Orwell wurde aufgrund seiner literarischen Fähigkeiten, aber auch wegen seiner bisherigen Aufsätze gegen den Faschismus sowie seiner Kriegserfahrung in Spanien eingestellt. Von August 1941 bis September 1943 arbeitete Orwell in der Redaktion der Indian Section des BBC Eastern Service. Allerdings musste er sich der Zensur unterwerfen, worunter er derartig litt, dass er 1943 trotz guten Einkommens kündigte. In diesen zwei Jahren sammelte er wesentliche Erfahrungen mit britischer, deutscher und sowjetischer Propaganda, die sich in der Arbeit von Winston Smith in 1984 wiederfindet. Die in 1984 beschriebene Atmosphäre der Kantine soll große Ähnlichkeiten mit derjenigen der BBC-Kantine jener Zeit haben.

Danach arbeitete Orwell bis zum Ende des Krieges als Kriegsberichterstatter für den Observer, 1944 in Paris und 1945 kurz im besetzten Deutschland. Währenddessen starb seine Frau überraschend während einer Operation, weshalb er nach England zurückkehren musste. Orwell plädierte in einem 1945 veröffentlichten Essay dagegen, den Deutschen für ihre Verbrechen „ungeheuerliche Friedensbedingungen“ aufzuzwingen. Er schrieb: „Rache ist sauer“.[4]

Durchbruch als Schriftsteller[Bearbeiten]

Barnhill auf der schottischen Insel Jura: In diesem Gebäude arbeitete Orwell an seinem Roman 1984

1945 erschien die Fabel Farm der Tiere (engl. Animal Farm: A Fairy Story), die in der Form einer Satire das Scheitern der Russischen Revolution durch den Verrat des Stalinismus an den sozialistischen Idealen beschreibt. Der satirische Roman war eine Abrechnung des überzeugten Sozialisten Orwell mit dem totalitären System in der Sowjetunion.[5] Mit diesem Werk gelang George Orwell der literarische Durchbruch. Im Kalten Krieg wurde das Buch sowohl in Europa als auch in den USA als Werk gegen den Kommunismus vermarktet. Redewendungen aus diesem Buch sind zum sprachlichen Gemeingut geworden, so etwa All animals are equal, but some animals are more equal than others – oder kurz Some are more equal than others („Einige sind gleicher als andere“).

Im Mai 1947 zog George Orwell in die Abgeschiedenheit der Insel Jura vor der Westküste Schottlands. Er lebte in Barnhill, einem verlassenen Farmhaus ohne Strom und Telefon, umgeben von einer Landschaft aus Heide, Torf und Moor. Auf der einsamen Insel schrieb er 1947 und 1948 eine „Utopie in Form eines Romans“, die 1984 heißen sollte.

im Juni 1949 wurde der Roman 1984 (engl. Nineteen Eighty-Four) veröffentlicht, es wurde sein bekanntestes Werk. Der satirische Roman ist eine der düstersten Zukunftsvisionen der Literatur. George Orwell zeichnet mit analytischer Schärfe das Schreckensbild eines totalitären Überwachungsstaates.[5] Ein solcher Staat, der auf totaler Überwachung und Kontrolle beruht, wird heute auch als „Orwell-Staat“ bezeichnet. Die bedrückende, dystopische Vision hat unter anderem die Science-Fiction-Literatur stark beeinflusst. Auch aus diesem Werk gingen Sprachschöpfungen Orwells in den allgemeinen Sprachgebrauch über, wie 1984, Großer Bruder, big brother is watching you, doppelplusungut, Neusprech und Doppeldenk.

Orwell starb im University College Hospital in London an Tuberkulose

Orwell litt an Tuberkulose. Vermutlich hatte er sich diese Krankheit während seines Lebens als Obdachloser zugezogen – sie hatte ihn fast ein Jahrzehnt begleitet, weshalb er immer wieder Lungenprobleme hatte (er berichtete aber auch von Problemen mit einem Lungenflügel bereits in der Kindheit) und Kuraufenthalte in verschiedenen Sanatorien verbrachte. Im Londoner University College Hospital heiratete er am 13. Oktober 1949 seine langjährige Bekannte Sonia Brownell. Am 21. Januar 1950 starb er dort im Alter von 46 Jahren.

Das Grab Orwells befindet sich auf dem All Saints’ Churchyard in Sutton Courtenay in Oxfordshire.

Einflüsse anderer Autoren[Bearbeiten]

Auf dem Grabstein in Sutton Courtenay steht Orwells bürgerlicher Name: Eric Arthur Blair

Der Buchkritiker Orwell hat im Laufe seines Lebens viele Autoren seiner Zeit persönlich getroffen oder zumindest Briefkontakt mit ihnen gehabt, unter anderem:

Politische Haltung[Bearbeiten]

George Orwell war Sozialist. Seine Erfahrungen in Burma, die eine starke Abneigung gegen den Imperialismus zur Folge hatten, und sein zeitweiliges Leben in finanzieller Not prägten ihn sehr stark. In seinem Essay Why I Write (1947) stellt er alle seine Werke ab 1936 in direkten Zusammenhang mit seiner Überzeugung für den Sozialismus und seinen Kampf gegen Totalitarismus.

Die Art von Sozialismus, die George Orwell dabei unterstützt, unterscheidet sich grundlegend von den damals gängigen realsozialistischen Regimen wie der UdSSR, die er in seinen Werken verurteilt. Der „demokratische Sozialismus“ ist laut Orwell die einzig zukunftsträchtige Staatsform. Wichtig sind für ihn hierbei der Gedanke eines geeinten Europas und ein Ende des Imperialismus.[6]

Geheimdienstkontakte[Bearbeiten]

Erstmals Anfang September 2007 bekanntgemachte Geheimdossiers belegen, dass Orwell selbst von 1929 an bis zu den Jahren des Zweiten Weltkriegs vom Britischen Inlandsgeheimdienst MI5 überwacht wurde.[7]

Erst 1996, detaillierter 2003, war bekannt geworden, dass Orwell einer Bekannten zuliebe dem Information Research Department (IRD), einer 1948 gegründeten Sonderabteilung des Britischen Außenministeriums zur Bekämpfung kommunistischer Infiltration, 1949 eine Liste mit den Namen von 38 Schriftstellern und Künstlern übergeben hat, die er ihrer pro-kommunistischen Tendenzen wegen als IRD-Autoren für ungeeignet hielt. Hauptsächlich enthielt diese Liste die Namen von Journalisten, jedoch standen unter anderem auch die Schauspieler Michael Redgrave und Charlie Chaplin darauf. Alle von Orwell Benannten hatten sich zuvor öffentlich prosowjetisch oder prokommunistisch geäußert.[8]

Eine andere Quelle hält Orwell für einen MI5-Agenten, der in 1984 seine Erfahrungen beim britischen Geheimdienst – und hier insbesondere beim Tavistock-Institute – verarbeitete.[9]

Ehrungen[Bearbeiten]

1996 bekam Orwell für seinen Roman Farm der Tiere posthum den Hugo Award verliehen, eine Auszeichnung für Science-Fiction-Literatur.

Am 23. Mai 2000 wurde der Asteroid (11020) Orwell nach ihm benannt.

Ein Orwell-Museum in seinem Geburtshaus in Motihari ist in Vorbereitung. Eine mehrsprachige Gedenktafel vor dem Gebäude erinnert bereits an den hier geborenen Schriftsteller.

Werke[Bearbeiten]

  • 1933 – Down and Out in Paris and London (Erledigt in Paris und London)
  • 1934 – Burmese Days (Tage in Burma)
  • 1935 – A Clergyman’s Daughter (Eine Pfarrerstochter)
  • 1936 – Keep the Aspidistra Flying (Die Wonnen der Aspidistra)
  • 1937 – The Road to Wigan Pier (Der Weg nach Wigan Pier)
  • 1938 – Homage to Catalonia (Mein Katalonien) siehe Weblinks
  • 1939 – Coming Up for Air (Auftauchen um Luft zu holen, auch als Das verschüttete Leben herausgegeben)
  • 1945 – Animal Farm (Farm der Tiere); von Peter Davison neu kommentierte Ausgabe: Penguin Verlag London 1989, ISBN 0-14-012670-8.
  • 1946 – Why I Write
  • 1949 – Nineteen Eighty-Four (1984)
  • 1968 – The Collected Essays (posthum hrsg. von Sonia Orwell und Ian Angus, 4 Bände)
  • 1998 – The Complete Works of George Orwell (hrsg. von Peter Davison und Ian Angus, 20 Bände)
  • Wikilivres: George Orwell – Quellen, Texte, Werke, Übersetzungen, Medien

Literatur[Bearbeiten]

Filme[Bearbeiten]

  • George Orwell – Der Ruf nach Freiheit. (OT: Orwell: Against The Tide) Dokumentation, Spanien, Schottland 2003, Regie: Mark Littlewood, Produktion: Pelicula Films Ltd. Schottland, 55 Min.[10]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Vgl. die Angaben bei Kit Reed: Lektürehilfen George Orwell, „1984“ (Barron’s book notes). 4. Auflage. Klett Verlag, Stuttgart/Dresden 1993, S. 6 ff.
  2. Robert Welch: George Orwell · Nineteen Eighty-Four. Longman York Press, Burnt Mill, Harlow 1983, ISBN 0-582-78240-6, S. 10 ff.
  3. Wiklef Hoops, Traudl Hoops: Stundenblätter Orwell, Nineteen Eighty-Four, 2. Auflage, Klett Verlag 1989, ISBN 3-12-925161-8, S. 15 ff.
  4. George Orwell: Rache ist sauer. (dtb 20250) Aus d. Engl. von Felix Gasbarra. Diogenes, Zürich 1975, ISBN 3-257-20250-4.
  5. a b George Orwell-Biografie. In: die-biografien.de. Abgerufen am 19. Juli 2013.
  6. Vgl. zu der politischen Haltung Orwells die Ausführungen von Reiner Poppe: George Orwell · Aldous Huxley · Animal Farm · Brave New World · Nineteen Eighty-Four · Vision und Wirklichkeit in der literarischen Utopie. Joachim Beyer Verlag, Hollfeld/Ofr. 1980, ISBN 3-921202-68-X, S. 32–37.
  7. Scotland Yard. Big Brother überwachte auch George Orwell. In: dpa. / Der Tagesspiegel. 4. September 2007.
  8. Timothy Garton Ash: Orwell's List. In: The New York Review of Books. Volume 50, Number 14, 25. September 2003.
  9.  John Coleman: Das Tavistock-Institut : Auftrag: Manipulation. J. K. Fischer, Gelnhausen-Roth 2011, ISBN 978-3-941956-11-7, S. 182.
  10. George Orwell – Der Ruf nach Freiheit, Erstausstrahlung SWR, 18. Dezember 2003.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: George Orwell – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Wikiquote: George Orwell – Zitate

Englische Websites

Rückblicke und Würdigungen