Heidelberger Kompetenztraining zur Entwicklung mentaler Stärke

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Das Heidelberger Kompetenztraining (HKT) zur Entwicklung mentaler Stärke ist ein psycho-edukatives Verfahren, das Menschen theoretisch fundierte und praxistaugliche Strategien und Kompetenzen vermittelt, um ihr persönliches Leistungspotenzial zum richtigen Zeitpunkt zielgerichtet und bewusst zu aktivieren und somit erfolgreich individuell gesetzte Ziele zu erreichen.

Das HKT wurde von Wolfgang Knörzer, Wolfgang Amler, Robert Rupp und ihrer Projektgruppe an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg entwickelt und wird im pädagogischen Kontext (alle Schularten, Hochschule, Lehrerbildung, Erwachsenenbildung), in der Gesundheitsförderung und im Sport angewandt. Es basiert auf Grawes Konsistenztheorie und bedient nach Heckhausen und Gollwitzers Rubikon-Modell die volitionale Phase der Zielbildung und Handlungsausführung.

Mit Hilfe des HKT können Menschen ihre Ziele exakt formulieren, die Zugangswege zur Konzentration erlernen, sich der eigenen Stärken bewusst werden und Lösungsstrategien für mögliche Störungen erarbeiten und anwenden. Das Training führt dabei zum Aufbau einer positiven Problemlösehaltung und stärkt die Selbstwirksamkeitsüberzeugung.

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Heidelberger Kompetenztraining wurde 2005 an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg in engem Kontakt mit der Anwendungspraxis als Trainingskonzept zur „Entwicklung mentaler Stärke“ entwickelt, beständig verbessert und auf neue Zielgruppen hin modifiziert.

Ausgangspunkt bildete die Beobachtung der Entwickler in ihrer Praxis als (Hochschul-)Lehrer und Erwachsenenbildner, dass Menschen unterschiedlichen Alters oft mangelhafte mentale Strategien und Kompetenzen besitzen, um ihr Wissen und Können in herausfordernden Situationen gezielt und systematisch abzurufen und zu zeigen.

So entstand 2005 auf der Grundlage des Konzeptes des „Integrativen Mentaltrainings im Sport“ (vgl. Amler, Bernatzky & Knörzer, 2008) das Programm „Sportler mental stark machen“ für jugendliche Sportler, mit dem Ziel, Leistungsmöglichkeiten umfassend auszuschöpfen, Dopingversuchen zu widerstehen und parallel zur leistungssportlichen Entwicklung über die schulische und berufliche Entwicklung ein zweites Standbein aufzubauen (vgl. Knörzer, Amler, Bernatzky & Breuer, 2006). Bei der Implementierung in verschiedenen Schulen zeigte sich, dass das Mentaltraining auch im schulischen Bereich, z.B. für Klassenarbeits- und Prüfungssituationen, wirksam eingesetzt werden kann. Es wurde seitdem auch auf den Gesundheitsbereich (z.B. für die Rehabilitation) adaptiert.

Theoretische Grundprinzipien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Rolle der psychischen Grundbedürfnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das theoretische Fundament des HKT bildet die Konsistenztheorie des Neuropsychologen Grawe (2004). Ausgehend von der „Cognitive-Experiential Self Theory“ von Epstein (1993) formulierte Grawe (2000) auf der Grundlage aktueller Erkenntnisse aus der neurowissenschaftlichen und psychologischen Forschung die Konsistenztheorie als ein „Modell des normalen seelischen Funktionierens“ (Grawe, 2000, S. 449). Danach ist die Befriedigung zentraler psychischer Grundbedürfnisse des Menschen Voraussetzung für die Ausbildung motivationaler Annäherungsschemata und ein Leben in psychischer Gesundheit und Wohlbefinden. Die vier zentralen Grundbedürfnisse sind:

  • das Bedürfnis nach Orientierung und Kontrolle
  • das Bedürfnis nach Bindung
  • das Bedürfnis nach Selbstwerterhöhung/-schutz sowie
  • das Bedürfnis nach Lustgewinn/Unlustvermeidung.

Parallelität von analogen und digitalen Prinzipien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um nachhaltige Motivations- und Lernprozesse anzustoßen, werden im HKT sowohl bewusst-logische als auch unbewusste und emotionale Aspekte des Lernens in das Training integriert. Nach der Persönlichkeits-System-Interaktions-Theorie (PSI-Theorie) von Kuhl (2001) stehen dem Menschen vier (Gehirn)Systeme zur Verfügung, die miteinander interagieren und es so ermöglichen, die Welt zu erfassen und zu verarbeiten. Für die theoretische Fundierung des HKT sind zwei dieser Systeme von besonderer Relevanz: das Intentionsgedächtnis (IG) und das Extensionsgedächtnis (EG). Das IG ist zuständig für unsere bewussten logisch-analytischen Denkprozesse, in ihm werden Pläne und Absichten gespeichert und geplante Handlungsschritte vorbereitet. Das EG umfasst ein ausgedehntes assoziatives Netzwerk aus biografischen Erfahrungen, Bedürfnissen, Normen und Zielen einer Person, das parallel und unbewusst viele Einzelaspekte ganzheitlich berücksichtigt und integriert.

Rubikon-Modell der Handlungsorientierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In dem von Heckhausen und Gollwitzer (1987) erstellten und von Storch und Krause (2007) erweiterten Rubikon-Prozess-Modell wird zwischen der Motivationsphase und der Volitionsphase unterschieden. Erst nach Überschreiten des Rubikon – dem Übergang von Motivation zur Volition – wird die Handlungsphase eingeleitet. Das HKT ist in seiner Form bisher als Volitionsprogramm konzipiert, das den Willen zur zielrealisierenden Handlung stärkt und Umsetzungswege aufzeigt.

Outcome-Orientierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Outcome-Orientierung bedeutet, vom Ziel her zu denken. Das Ziel des HKT ist es, Menschen zu befähigen, Inkongruenzsituationen, d.h. Herausforderungssituationen, ressourcenorientiert zu lösen. Dabei können die methodischen Wege zur jeweiligen Zielerreichung durchaus variieren. Das HKT bietet die Möglichkeit der flexiblen Anpassung an Zielgruppe, Rahmenbedingungen und Ausrichtung (z.B. Leistungsoptimierung oder Lebensstiländerung). Zur vergleichenden Evaluation wurden Merkmale benannt, an denen erkennbar ist, ob dieses Ziel erreicht wurde. Diese Merkmale kennzeichnen gleichzeitig die vier Teilschritte des HKT:

  1. Ziele nach Zielkriterien exakt formulieren und die Zielerreichung mental erleben können.
  2. Die Zugangswege zur Konzentration kennen und sich konzentrieren können.
  3. Die eigenen Stärken kennen und diese bewusst aktivieren können.
  4. Lösungsstrategien für mögliche Störungen formulieren und Möglichkeiten der mentalen Abschirmung anwenden können.

Anwendungsgebiete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Tabelle veranschaulicht ausgewählte Anwendungsfelder, in denen das HKT bereits durchgeführt wurde.

Anwendungsfeld Kontext Zielgruppe Zielsetzung
Pädagogische
Hochschule
Heidelberg
Betriebliche Gesundheitsförderung Verwaltungsangestellte Besserer Umgang mit Arbeitsbelastungen
Examensvorbereitung Examenskandidaten Optimale Leistung in Prüfungssituationen abrufen
Lehrerfortbildung In Schulen tätige Lehrer Anwendung HKT in Schule zur Persönlichkeitsentwicklung, Prüfungsvorbereitung, Leistungsoptimierung, von Schülern
Leistungssport /
Schule
Schulfach „Glück“
Willy-Hellpach-Schule Heidelberg
Berufsfachschüler ab Klasse 10 Freude an der Leistung
Schulen aller Schularten sowie Partnerschulen des Olympiastützpunktes Rhein-Neckar;
10 „HKT-Schulen“
Jugendliche Leistungssportler Optimale Leistungsfähigkeit in schulischen u. sportlichen Ernstsituationen, Persönlichkeitsentwicklung, Mental stark werden als Dopingprävention (Empowermentansatz)
Reha-Klinik
Heidelberg-Königstuhl
Reha-Aufenthalt in Klinik Reha-Patienten Unterstützung beim Aufbau eines körperlich aktiven Lebensstils
Suchtprävention Fortbildung für Suchtberater des
MKJS Baden-Württemberg
Suchtberatungslehrer, Schulpsychologen Qualifizierungsseminar

Über die Entwickler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Professor Dr. Wolfgang Knörzer ist Diplom-Pädagoge, Lehrer und Professor für Sportwissenschaft/Sportpädagogik an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg. Er leitet dort das Zentrum für Prävention und Gesundheitsförderung. Außerdem betreut er am Olympiastützpunkt Rhein-Neckar Leistungssportler unterschiedlicher Sportarten.

Wolfgang Amler ist stellvertretender Leiter einer Verbundschule (GHS, RS) sowie Fachberater für Schulentwicklung am Regierungspräsidium Stuttgart. Er ist Mitarbeiter im HKT-Projekt.

Robert Rupp ist Diplom-Pädagoge und wissenschaftlicher Mitarbeiter im BA-Studiengang „Gesundheitsförderung“ der Pädagogischen Hochschule Heidelberg.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Amler, W., Bernatzky, P. & Knörzer, W. (2008). Integratives Mentaltraining im Sport. Aachen: Meyer & Meyer Sport. ISBN 978-3898991971
  • Epstein, S. (1993). Implications of cognitive-experiential self-theory for personality and developmental psychology. In: D. Funder, R. Parke, C. Tomlinson-Keasy & K. Widaman (Eds.). Studying lives through time: Personality and development, pp. 399-438. Washington, D.C.: American Psychological Association.
  • Fritz-Schubert, E. (2008). Schulfach Glück: Wie ein neues Fach die Schule verändert. Freiburg: Herder.
  • Grawe, K. (2000). Psychologische Therapie. Göttingen: Hogrefe.
  • Grawe, K. (2004). Neuropsychotherapie. Göttingen: Hogrefe.
  • Heckhausen, H. & Gollwitzer, P. (1987). Thought contents and cognitive functioning in motivational versus volitional states of mind. Motivation and Emotion, 11, 101-120.
  • Knörzer, W., Amler, W., Bernatzky, P. & Breuer, S. (2006). Sportlerinnen und Sportler mental stark machen – kompetenzorientierte Dopingprävention in der Praxis. In: Knörzer, W., Spitzer, G. & Treutlein, G. (Hrsg.). Dopingprävention in Europa – Grundlagen und Modelle. Erstes Internationales Expertengespräch 2005 in Heidelberg. Aachen: Meyer & Meyer, S. 242-248.
  • Knörzer, W., Amler, W. & Rupp, R. (2009). Das Heidelberger Kompetenztraining (HKT) zur Entwicklung mentaler Stärke. Ein Beitrag zu einer ressourcenorientierten Gesundheitspädagogik. In: Zeitschrift Perspektiven zur pädagogischen Professionalisierung 77, „Gesundheit – Last oder Lust!? – Gesundheitsförderung in der Schule“, S. 35-41.
  • Knörzer, W., Amler, W. & Rupp, R. (2011). Mentale Stärke entwickeln: Das Heidelberger Kompetenztraining in der schulischen Praxis. Weinheim: Beltz. ISBN 978-3407255563
  • Knörzer, W., Rupp, R. & Heinrich, S. (2010). Mentale Stärke entwickeln – das Beispiel des Heidelberger Kompetenztrainings (HKT). In: Knörzer, W. & Schley, M. (Hrsg.). Neurowissenschaft bewegt. Hamburg: Edition Czwalina, Feldhaus Verlag, Reihe Sportwissenschaft und Sportpraxis, Bd. 156, S. 69-76. Göttingen: Hogrefe.
  • Kuhl, J. (2001). Motivation und Persönlichkeit. Interaktionen psychischer Systeme. Göttingen: Hogrefe.
  • Storch, M. & Krause, F. (2007). Selbstmanagement – ressourcenorientiert. Grundlagen und Trainingsmanual für die Arbeit mit dem Zürcher Ressourcen Modell (ZRM). Bern: Huber.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]