Heilig Geist (Emmerich)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Heilig-Geist-Kirche Emmerich-Leegmeer, Turm nachträglich hinzugefügt
Altarraum

Die katholische Pfarrkirche Heilig Geist wurde 1966 im Auftrag des Bistums Münster in Emmerich am Rhein erbaut.[1] Die Kirche befindet sich in einer großflächigen Außenanlage inmitten des Emmericher Stadtteils Leegmeer. Sie besteht aus sechs Einzelelementen, die sich zu einem Zentralbau zusammenfügen.

Der auf die Altarinsel hin ausgerichtete Innenraum ist durch die sechs unterschiedlich hohen Pilzdächer gegliedert.[2] Über einem aus Dreiecken konstruierten, vielteiligen Grundriss sind unterschiedlich hohe Pilzdächer angeordnet. Die Wandflächen zwischen den Stützen sind von Fensterbändern umrahmt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund der wachsenden Bedeutung des Stadtteils Leegmeer in den 1950er Jahren entschloss sich der Kirchenvorstand der Mutterpfarrei St. Aldegundis, eine neue Pfarrei zu gründen, die Pastor Lambert Brimmers übernahm.[3]

Nach dem Erwerb eines 12.000 Quadratmeter großen Grundstücks wurde ein Architekturwettbewerb ausgeschrieben. Der jüngste Bewerber, Dieter Georg Baumewerd, konnte sich mit seinem Entwurf durchsetzen. 1964 wurde mit dem Bau begonnen, am Pfingstfest 1966 konnte die Kirche durch den Weihbischof Heinrich Baaken aus Münster geweiht werden.[4]

1989 wurde ein frei stehender Glockenturm nach einem Entwurf von Dieter Georg Baumewerd realisiert.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Grundriss zeigt einen unkonventionell gestalteten Zentralraum aus drei unregelmäßigen Vielecken. Die Architektur wird von sechs polygonalen Betonpfeilern als tragenden Elementen gebildet, den Raum dazwischen füllen dünne und geknickte Wandscheiben. Das Zentrum der Architektur wird von einer quadratischen Altarinsel eingenommen. Im Nordosten fügen sich eine Kreuzwegkapelle sowie die Sakristei an und durchbrechen in gewisser Weise den Umriss der Kirche. Der Glockenturm steht frei vor dem südwestlich gelegenen Hauptportal.

Das Innere ist geprägt von sechs unterschiedlich hohen pilzförmigen Dachschirmen. Für die Zweiteilung des Altars stand das Konzil Pate, das vom Tisch des Wortes und vom Tisch des Brotes sprach.

Senkrechte und waagerechte Verschalungslinien geben dem Stahlbeton eine rhythmische Form. Großflächige und langgestreckte, bis zum Boden reichende Fensterflächen aus klarem Glas lassen die Natur, vor allem den Himmel, herein und verleihen dem Raum Leichtigkeit. Die Mitte des Raumes bildet die Altarinsel, auf der ein als „Schrottkreuz“ bezeichnetes unregelmäßig geformtes Kreuz steht.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ins Auge fallen die insgesamt 640 m² großen Wandscheiben, die der Informel-Künstler Fred Thieler mit vor Ort in Gieß- und Spachteltechnik abstrakt farblich gestalteten Nesselstoffbahnen bespannt und zu einem seiner Hauptwerke gemacht hat. Dominierend sind Blautöne.

Fred Thieler schuf auch den abstrakten Kreuzweg.

Die Gestaltung des Altarraums stammt vom Emmericher Künstler Waldemar Kuhn. Der Altar ist zweigeteilt, in einen Tisch des Brotes und einen Tisch des Wortes. Beide sind sieben Tonnen schwere Blöcke aus Carrara-Marmor. „Zur Verkündigung tritt der Liturge vom einen Flügel des Altares her, welcher als Tisch des Wortes und als Thron der heiligen Schrift dient, in die Mitte; zum Zeigen der heiligen Gestalten tritt er vom anderen Flügel des Altares her, welcher der Opferbereitung und -darbringung dient, in die gleiche Mitte“ (Hermann Josef Spital).[5]

Den Tabernakel aus gegossenem Silber stellte die Goldschmiedewerkstatt Wilhelm Polders aus Kevelaer her.

Der Taufstein ist ein Entwurf von Alo Kröger aus Münster.[6]

Das sieben Meter hohe und neun Meter breite Monumentalkreuz prägt das liturgische Zentrum. Es besteht aus Stahlabfällen unterschiedlichster Herkunft, daher auch die Bezeichnung „Schrottkreuz“. Nicht allein die triumphale Überwindung von Leid und Tod steht hier im Vordergrund, sondern die Unzulänglichkeit des Menschen.[7]

Der fünfarmige Bronzeleuchter in barocker Form stammt ebenso wie das Kreuz vom Bildhauer Waldemar Kuhn.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Orgel wurde 1996 von der Firma Karl Schuke in Berlin gebaut.[8] Das Instrument verfügt über 25 Register auf zwei Manualen und Pedal mit insgesamt 1594 Pfeifen, davon 97 aus Holz. Die Disposition lautet wie folgt:

I Hauptwerk C–g3
Bordun 16′
Principal 8′
Rohrflöte 8′
Gambe 8′ (C–H in Rohrflöte)
Oktave 4′
Fugara 4′
Quinte 223
Oktave 2′
Mixtur IV 113
Trompete 8′
II Schwellwerk C–g3
Gedackt 8′
Salicional 8′ (C–H Gedackt)
Schwebung (ab c) 8′
Principal 4′
Holzflöte 4′
Waldflöte 2′
Quinte 113
Sesquialtera II
Scharff III 1′
Krummhorn 8′
Tremulant
Pedal C–f1
Subbaß 16′
Oktavbaß 8′
Baßflöte 8′
Choralbaß 4′
Fagott 16′
  • Koppeln: II/I, I/P, II/P
  • Spielhilfen: 64-fach Setzerkombination, mechanische Spieltraktur, elektrische Registertraktur

Geläut[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche verfügt über fünf Glocken. Sie stammen aus dem Jahr 1989 und wurden von Petit & Edelbrock in Gescher gegossen.[9]

Nr. Name Gussjahr Gießer Ort Gewicht (kg) Ton
1 Dreifaltigkeitsglocke 1989 Petit & Gebr.
Edelbrock
Gescher 1.080 e1/mi
2 Christusglocke 1989 750 fis1/fa#
3 Heilig-Geist-Glocke 1989 590 gis1sol#
4 Marienglocke 1989 460 h1si/3
5 Sankt-Viktors-Glocke 1989 340 cis2/do#

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. »Heilig-Geist Kirche Emmerich« von mokinobe
  2. m.emmerich.de, Sehenswürdigkeiten, Heilig-Geist-Kirche (Memento vom 20. September 2017 im Internet Archive)
  3. Werner Stalder: Im Alltäglichen das Ungewöhnliche. RP vom 21. Dezember 2015
  4. rp-online.de, 50 Jahre: Emmerich feiert Heilig-Geist, Von Monika Hartjes, vom 6. April 2016
  5. Onlinezitat aus H. Rogmans (Hrsg.): Heilig Geist Emmerich. Wiesbaden 1966, o. S.
  6. Ingenieurbüro Dipl.-Ing. Alo Kröger
  7. strasse-der-moderne.de, Emmerich Heilig Geist
  8. orgelsite.nl, Emmerich, Heilig Geistkirche
  9. youtube.com Glocken der Heilig-Geist-Kirche, Emmerich

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Heilig Geist (Emmerich) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 51° 50′ 21,9″ N, 6° 15′ 24,3″ O