Heinrich F. S. Bachmair

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Heinrich Franz Seraph Bachmair, Pseudonym Jacobus Fellgiebel, Lazarillo (* 4. Oktober 1889 in Pasing; † 11. Oktober 1960 in Freising) war ein deutscher Verleger, Dichter und Erzähler.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Franz Seraph Henseler: Buchumschlag (1913)

Bachmair studierte vor dem Ersten Weltkrieg Literaturwissenschaft und Philosophie in München. 1911 übersiedelte er nach Berlin. Er gründete 1911 den Heinrich F. S. Bachmair-Verlag und verlegte als erstes Schriften seines Jugendfreundes Johannes R. Becher. Er gründete zwei der ersten expressionistischen Zeitschriften (zusammen mit Becher „Neue Kunst“ und „Revolution“). Von Else Lasker-Schüler wurde er zu ihrem Zeremonienmeister ernannt. Er verfasste auch selbst Gedichte und Erzählungen, die oft unter Pseudonym erschienen. Es folgte eine Rückkehr nach München noch vor dem Ersten Weltkrieg. Dort machte er Bekanntschaft mit Emmy Hennings. 1914 musste er seinen Verlag versteigern. Er trat der SPD bei und meldete sich als Kriegsfreiwilliger.

1918 trat Bachmair der USPD bei. 1919 gründete er den Verlag Bachmair & Co. und die Buchhandlung "Die Bücherkiste". Er war Mitglied im Aktionsausschuß Revolutionärer Künstler in München. Während der Münchner Räterepublik führte er unter Toller die Rote Artillerie vor Dachau. Er wurde für seine Teilnahme an der Münchner Räterepublik zu einundeinhalb Jahren Festungshaft verurteilt. 1920 wurde er aus der Haft entlassen. 1922 heiratete er Maria Luise Weissmann und arbeitete während der Weimarer Republik als Buchhändler und Verleger. Marie Luise Weissmann starb 1929 an den Folgen einer schweren Angina. 1946 gründete er seinen Verlag in Starnberg neu. Der damals sehr bekannte Übersetzer französischer und lateinischer Lyrik, Carl Fischer, arbeitete in dieser Zeit als Lektor, Herausgeber und Autor in Bachmairs Verlag. Nach vier Jahren musste Bachmair Konkurs anmelden. Er nahm 1951 an der Starnberger Dichterkonferenz teil. Er besuchte Becher 1951 in Berlin und übernahm im Aufbau-Verlag die Marketingabteilung. 1956 wechselte er zur Akademie der Wissenschaften und archivierte dort Bechers Nachlass.

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Detlev von Liliencron. Eine Einführung in sein Schaffen. E. W. Bonsels, München 1909
  • Der reine Tor. Gedichte. Verlag Heinrich F. S. Bachmair, Berlin 1912
  • Aglae. Bachmair, München und Berlin 1913
  • Das aufgeregte Fest. Erzählung. Privatdruck der Gesellschaft der Münchner Bücherfreunde, München 1926
  • Kukuruz Lahemi . Eine sonderbare Geschichte, von Jacobus Fellgibel (d. i. Heinrich F. S. Bachmair) Verlag der Münchner Drucke, München 1927. Einbandzeichnung von Paul Renner, gesetzt in der Renner - Futura in 500 Exemplaren. München 1927 / 1928
  • Schrift und Satz im schönen Buch. Bachmair, Starnberg 1947
  • Das Manuskript. Ein Hinweis für Schriftsteller. Söcking 1948

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Verleger Heinrich F. S. Bachmair 1889–1960. Expressionismus, Revolution und Literaturbetrieb. Publikation zur Ausstellung in der Akademie der Künste vom 6. Oktober–19. November 1989, Akademie der Künste, Berlin 1989
  • Maria Kühn-Ludewig (Hrsg.): Johannes R. Becher / Heinrich F. S. Bachmair. Briefwechsel 1914–1920. Briefe und Dokumente zur Verlagsgeschichte des Expressionismus. Vorwort Paul Raabe. Frankfurt 1987.
  • Jens-Fietje Dwars: Abgrund des Widerspruchs. Das Leben des Johannes R. Becher. Berlin 1998
  • Oskar Maria Graf: Gelächter von außen. Aus meinem Leben 1918–1933. München 1983, S. 106ff (Erinnerung an Bachmair während der Münchner Räterepublik)
  • Herbert Schmied: Autoren, Bücher, Zeitenwandel. 2000 Jahre literarische Spuren im Raum Starnberg. S. 133 und 143f.
  • Hansjörg Viesel: Der Verleger Heinrich F. S. Bachmair 1889-1960. Antiquariat Magister Tinius, Katalog 23, Herbst 1990
  • Hansjörg Viesel: Heinrich F. S. Bachmair. In: Hansjörg Viesel: Literaten an der Wand. Die Münchner Räterepublik und die Schriftsteller. Büchergilde Gutenberg, Frankfurt a. M. 1980, ISBN 3-7632-2426-2, S. 641–663.