Heinrich Schade

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Heinrich Schade (* 15. Juli 1907 in Kiel; † 10. Dezember 1989) war ein deutscher Mediziner, Humangenetiker und Hochschullehrer.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schade absolvierte nach dem Ende seiner Schullaufbahn ein Medizinstudium an den Universitäten München, Bonn und Kiel.[1] Er war seit 1928 Mitglied des Corps Franconia München.[2] In Kiel promovierte Schade 1932 zum Dr. med. Anschließend war Schade als Medizinalassistent in München und Königsberg tätig.[1]

Noch vor der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten war Schade 1931 der NSDAP und SA beigetreten. Von der SA wechselte er später zur SS und stieg in dieser NS-Organisation 1944 bis zum SS-Sturmbannführer auf.[3] Er absolvierte vom 1. November 1934 bis 1. Juli 1935 den ersten rassehygienischen Lehrgang am Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik (KWI-A).[4] Danach war Schade bis 1939 Assistent Otmar Freiherr von Verschuers und Oberarzt am Institut für Erbbiologie und Rassenhygiene der Universität Frankfurt am Main. In dieser Funktion trat Schade auch als Gutachter für Zwangssterilisierungen sogenannter „Rheinlandbastarde“ auf. Schade habilitierte sich 1939 mit einer Schrift über die erbbiologische Erfassung der Bevölkerung der hessischen Schwalm und war anschließend als Dozent für „Erbbiologie und Rassenhygiene“ an der Universität Frankfurt a.M. beschäftigt.[3]

Während des Zweiten Weltkrieges wurde Schade zur Wehrmacht eingezogen. Im Dezember 1942 erhielt Schade eine Anstellung als Oberarzt unter von Verschuer am KWI-A, die er jedoch kriegsbedingt zunächst nicht antreten konnte. Spätestens Anfang 1944 war er in Berlin stationiert und konnte sich daher am KWI-A im Rahmen eines Forschungsauftrages mit Auswertungsarbeiten zu seinem Habilitationsthema beschäftigen.[5] Zudem trat er als Gutachter für das Reichssippenamt auf.[3] Später folgte jedoch wieder ein Fronteinsatz und Schade geriet bei Kriegsende in jugoslawische Kriegsgefangenschaft.[5]

Nach Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft war Schade ab 1950 freiberuflich für die Erstellung von Vaterschaftsgutachten tätig, zugelassen von der Deutschen Gesellschaft für Anthropologie. Ab 1952 war er als Lehrbeauftragter an der Universität Münster bei von Verschuer beschäftigt und wechselte 1954 als außerplanmäßiger Professor für Humangenetik an die Universität Münster. Von 1965 bis 1974 leitete er das Institut für Humangenetik und Anthropologie an der Universität Düsseldorf, wo er 1966 zum ordentlichen Professor berufen wurde. Schade war Autor zahlreicher Publikationen, darunter das 1974 erschienene Werk Völkerflut und Völkerschwund. Zudem gehörte er der Deutschen Akademie für Bevölkerungswissenschaft an.[3] In der Auseinandersetzung um die Umbenennung der Universität Düsseldorf in Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf gehörte Schade zu den Gegnern der Umbenennung.[6] Schade war im Juni 1981 Mitunterzeichner des Heidelberger Manifests.[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Frank Sparing: Von der Rassenhygiene zur Humangenetik – Heinrich Schade. In: Michael G. Esch u. a.: Die Medizinische Akademie Düsseldorf im Nationalsozialismus, Essen 1997, S. 341–363.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b C. Pross und G. Aly (Hrsg.), Der Wert des Menschen. Medizin in Deutschland 1918–1945. Berlin 1989: Hentrich 261-293. ISBN 3-926175-62-1, S. 198
  2. Kösener Corpslisten 1996, 38, 993
  3. a b c d Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich, Frankfurt am Main 2007, S. 522.
  4. Hans-Walter Schmuhl: Grenzüberschreitungen. Das Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik 1927–1945. Geschichte der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Nationalsozialismus, Band 9. Wallstein, Göttingen 2005, S. 266f.
  5. a b Hans-Walter Schmuhl: Grenzüberschreitungen. Das Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik 1927–1945. Geschichte der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Nationalsozialismus, Band 9. Wallstein, Göttingen 2005, S. 364.
  6. Dietmar Goltschnigg, Charlotte Grollegg-Edler u. Peter Revers: Harry … Heinrich … Henri … Heine – Deutscher, Jude, Europäer, Verlag Erich Schmidt, Berlin 2008, ISBN 978-3-503-09840-8, S. 403
  7. Infoseite und Faksimile der ersten Fassung, hrsg. vom antifaschistischen pressearchiv und bildungszentrum e.V.