Heizkraftwerk Marzahn

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Heizkraftwerk Marzahn
Ansicht aus östlicher Richtung
Ansicht aus östlicher Richtung
Lage
Heizkraftwerk Marzahn (Berlin)
Heizkraftwerk Marzahn
Koordinaten 52° 30′ 58″ N, 13° 32′ 36″ OKoordinaten: 52° 30′ 58″ N, 13° 32′ 36″ O
Land DeutschlandDeutschland Deutschland
Daten
Typ Heizkraftwerk
Primärenergie Erdgas
Brennstoff Erdgas
Leistung 232 MW (thermisch), 268 MW (elektrisch)[1]
Eigentümer Vattenfall Wärme Berlin
Betreiber Vattenfall Wärme Berlin
Schornsteinhöhe 169 m
f2

Das Heizkraftwerk Marzahn (ehemals Heizkraftwerk Berlin-Lichtenberg) im Ostteil Berlins ist ein Heizkraftwerk (HKW) nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). Es befindet sich nahe der Kreuzung Rhinstraße/Allee der Kosmonauten im Bezirk Marzahn-Hellersdorf an der Grenze zum Bezirk Lichtenberg.

Eigentümer und Betreiber ist die zum Vattenfall-Konzern gehörende Vattenfall Wärme Berlin AG[2].

Das Kraftwerk zwischen 1970 und 1990[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Heizkraftwerk (HKW) wurde ab 1970 in mehreren Baustufen vom damaligen Energiekombinat Berlin errichtet, um den Energiebedarf des schnell wachsenden umliegenden Wohngebiets sicherzustellen und die Versorgung mit Fernwärme zu gewährleisten. Da das Gebiet zu dieser Zeit bis zur Bezirksreform 2001 noch zum Stadtbezirk Lichtenberg gehörte, wurde das Kraftwerk nach ihm benannt. Erst im Jahr 2012 wurde das Kraftwerk offiziell von HKW Lichtenberg in HKW Marzahn umbenannt[3].

In der ersten Bauphase errichtete man einen mit Öl befeuerten Kessel und einen Turbosatz mit einer Entnahme-Kondensationsturbine und einer elektrischen Leistung von 32 MW. 1974 begann der Bau einer Müllverbrennungsanlage (MVA) mit einer Kapazität von 80.000 Tonnen Hausmüll jährlich. Sie war die erste der DDR und blieb bis zu deren Ende auch die einzige[3]. Von der MVA führte eine Dampfleitung zum bestehenden Kraftwerk. Ein zweiter Turbosatz, ebenfalls mit 32 MW, wurde im gleichen Zeitraum im HKW installiert. Daneben gibt es noch weitere Heißwassererzeuger, so dass sich die gesamte thermische Leistung des Kraftwerks nach Abschluss des Ausbaus auf 1.255 MW belief und darauf bezogen das leistungsstärkste Kraftwerk in Berlin war.

Da die DDR beim Bau des Kraftwerks bzw. der Müllverbrennungsanlage nicht über leistungsfähige Filtertechnik verfügte, wurden die praktisch ungefilterten Verbrennungsgase über einen 169 Meter hohen Schornstein abgeleitet, um sie so weiträumig zu verteilen. Ein zweiter gleich hoher Schornstein leitete die Rauchgase von sechs Heißwassererzeugern ab.

Entwicklung nach der Wende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vattenfall-Schild vor dem Kraftwerk, dahinter das nördliche Maschinenhaus

Umweltgruppen und die in der Umgebung wohnende Bevölkerung kritisierten diesen Zustand vor allem seit der Wende. Insbesondere wurde der nicht widerlegte Verdacht geäußert, dass hier größere Mengen Dioxine freigesetzt werden. Dies führte 1990 zum Entschluss, die Müllverbrennungsanlage stillzulegen.

Mit dem Zusammenschluss der aus dem Energiekombinat Berlin hervorgegangenen EBAG und der Bewag (seit 1998 Vattenfall Europe Berlin) im Jahr 1993 wurde das Kraftwerk in das nunmehrige Gesamtberliner Strom- und Wärmenetz integriert. Es bildet einen Teil des Geschäftsbereichs Kraftwerke Ost.

Im Jahr 2004 wurde der im HKW angeschlossene Turbosatz 1 demontiert und nach Indien verkauft, wo er im dortigen Bundesstaat Chhattisgarh wieder zum Einsatz kam. Nachdem 2011 auch der zweite Turbosatz nach Indien verkauft wurde, sind nur noch die mit Gas befeuerten Heißwassererzeuger der 3. und 4. Baustufe in Betrieb.

Neubau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gebäudebestand 2012
Gleiche Ansicht 2014

Im März 2012 begann die erste Phase des 325 Millionen Euro teuren Neubaus mit dem Rückbau der Anlagenteile – einschließlich des nördlichen Schornsteins – und der Nebengebäude des mehr als 40 Jahre alten Kraftwerks. Nur sechs der neun großen Heißwassererzeuger blieben dabei stehen und wurden in das neue Kraftwerk integriert[4].

Für die Gestaltung der neuen Kraftwerksanlage ging das Architekturbüro h4a Gessert + Randecker aus einem europaweiten Ausschreibungsverfahren als Sieger hervor.[5] Vattenfall eröffnete aus Anlass der Projektvorstellung im November 2013 im Haus Rhinstraße 70 ein Besucherzentrum. Anwohner und Interessierte waren eingeladen, sich die Kraftwerksplanungen anzuschauen und konnten sich auch später dort über den Baufortschritt informieren. Das Bauprojekt sollte 2014 öffentlich ausgeschrieben werden, mit dem Ziel des Baubeginns 2015 und der Inbetriebnahme im Jahr 2018, dieser Zeitplan wurde jedoch nicht eingehalten.[6] Im Dezember 2015 erhielt Siemens den Zuschlag zum Bau[7].

Der Neubau begann am 9. Juni 2017, der Grundstein der neuen Erzeugungsanlage wurde im Oktober desselben Jahres gelegt[1]. Im Juni 2020 konnte das neue Heizkraftwerk schließlich in Betrieb genommen werden[8]. Mit der Inbetriebnahme spart die Vattenfall Wärme Berlin AG nach eigenen Angaben 7 Mio. Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr. Damit erfüllt das Unternehmen den „letzten Baustein“ seiner 2009 mit dem Land Berlin getroffenen Klimaschutzvereinbarung[9]. Die neue Erzeugungsanlage verfügt über eine thermische Leistung von 232 Megawatt sowie eine elektrische Leistung von 268 Megawatt und versorgt circa 150.000 Wohneinheiten. Gemeinsam mit dem Heizkraftwerk Klingenberg liefert es darüber hinaus Wärme für insgesamt 450.000 Haushalte im Osten Berlins[1]. Die Brennstoffenergie des eingesetzten Erdgases wird im Rahmen eines thermodynamischen Kreislaufprozesses in Strom und Fernwärme umgewandelt. In Kombination mit dem Verfahren der Kraft-Wärme-Kopplung wird so die Effizienz des Kraftwerks gesteigert[10]. Die Brennstoffausnutzung beträgt bis zu 90 Prozent. Die Siemens-Gasturbine, vom Typ SGT5-2000E, hat ein Gewicht von 200 Tonnen, ist zehn Meter lang und verfügt über eine Geschwindigkeit von 3000 Umdrehungen pro Minute. Mit der neuen Erzeugungsanlage ging zusätzlich ein weiterer Netzknoten des Berliner Stromnetzes in Betrieb[8]. Die Schaltanlage verteilt unter anderem den im Kraftwerk erzeugten Strom nach Bedarf auf das Netzgebiet. In Umspannwerken wird der Strom auf eine andere Spannungsebene transformiert[11].

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Heizkraftwerk Marzahn – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Vattenfall Wärme Berlin AG: Faktenblatt Heizkraftwerk Marzahn, Stand 2020, abgerufen am 22. November 2020
  2. Vattenfall Wärme Berlin AG: Faktenblatt Heizkraftwerk Marzahn, Stand 2020, abgerufen am 22. November 2020
  3. a b Vattenfall Wärme Berlin AG: „Daten zur Entwicklung des HKW Marzahn“, Stand November 2020, abgerufen am 22. November 2020
  4. Vattenfall Wärme Berlin AG: Grundsteinlegung für neues Heizkraftwerk Marzahn, Blogartikel, 11. Oktober 2017, abgerufen am 22. November 2020.
  5. Wettbewerbe auf der Architektenhomepage h4a (Memento des Originals vom 22. September 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.h4a-architekten.de, abgerufen am 22. November 2013
  6. Nasiha Ahyoud: Hightech-Kraftwerk für Marzahn auf www.abendblatt-berlin.de,
  7. Harald Ritter: Baubeginn bei Vattenfall In: Berliner Woche, 29. Mai 2017, abgerufen am 22. November 2020
  8. a b Harald Ritter: Mit dem neuen Heizkraftwerk Marzahn halbiert Vattenfall den Ausstoß von Kohlendioxid in Berlin In: Berliner Woche, 15. Juni 2020, abgerufen am 22. November 2020
  9. Vattenfall Wärme Berlin AG: Die Hauptstadt macht Tempo beim Klimaschutz, Pressemitteilung, 3. Juni 2020, abgerufen am 22. November 2020
  10. Vattenfall Wärme Berlin AG: Heizkraftwerk Marzahn – Ein Baustein auf dem Weg zur Klimaneutralität, Übersichtsseite, k.D., abgerufen am 22. November 2020
  11. Vattenfall Wärme Berlin AG: Projektleiter berichtet vom Neubau des Heizkraftwerks Marzahn, Blogartikel, 3. Juni 2020, abgerufen am 22. November 2020