Heizkraftwerk Nord (München)

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Heizkraftwerk Nord
Das Heizkraftwerk Nord
Das Heizkraftwerk Nord
Lage
Heizkraftwerk Nord (München) (Bayern)
Heizkraftwerk Nord (München)
Koordinaten 48° 10′ 49″ N, 11° 38′ 23″ OKoordinaten: 48° 10′ 49″ N, 11° 38′ 23″ O
Land DeutschlandDeutschland Deutschland
Gewässer Mittlere-Isar-Kanal
Daten
Primärenergie Fossile Energie, Müll
Brennstoff Steinkohle, Restmüll, Erdgas
Leistung 411 Megawatt elektrisch
900 Megawatt Fernwärme
Eigentümer Stadtwerke München, Abfallwirtschaftsbetrieb München
Betreiber Stadtwerke München
f2
Kraftwerk von der anderen Seite

Das Heizkraftwerk Nord[1] ist eine seit 1964 in Kraft-Wärme-Kopplung betriebene Anlage der Stadtwerke München. Es liegt in der Gemeinde Unterföhring, nordöstlich des Föhringer Rings, an der Stadtgrenze zu München.

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kraftwerk besteht aus drei Blöcken, die in Kraft-Wärme-Kopplung betrieben werden, das heißt, sie erzeugen Elektrizität und Fernwärme. Der Block 2 wird mit Steinkohle befeuert (etwa 800.000 Tonnen/Jahr), in den Blöcken 1 und 3 wird Restmüll verbrannt (ca. 650.000 Tonnen/Jahr). Dieser Restmüll stammt vom Abfallwirtschaftsbetrieb München, dem Landkreis München und weiteren öffentlichen und privaten Zulieferern. Bei zusätzlichem Wärmebedarf können bis zu sieben gasbefeuerte Heizkessel zugeschaltet werden (Baujahr 1974: 2 × 50 Tonnen/Stunde und 1 × 100 Tonnen/Stunde, Baujahr 1989: 4 × 25 Tonnen/Stunde Heizdampf). Das Heizkraftwerk hat eine maximale Fernwärmeleistung von 900 Megawatt, die elektrische Leistung beträgt insgesamt 411 Megawatt. Das Kühlwasser wird aus dem nahen Mittlere-Isar-Kanal bezogen. Die elektrische Leistung teilt sich dabei auf die einzelnen Blöcke wie folgt auf:

  • Block 1: 21 MWel
  • Block 2: 363 MWel (bei Volllast im Kondensationsbetrieb)
  • Block 3: 27 MWel

Der Netzanschluss von Block 2 erfolgt auf der 380-kV-Höchstspannungsebene in das Stromnetz des Verteilnetzbetreibers SWM Infrastruktur.

Die Fernwärme versorgt den gesamten Bereich des Münchner Nordwestens. Es werden vom HKW Nord aus die Heißwassernetze Nord und Freimann versorgt, als auch über eine über 7 km lange Fernleitung Dampf in das Innenstadt-Dampfnetz abgegeben (Druckstufe gleitend von 3 bis 5 bar bei einer Dampfmassenstrom von bis zu 720 Tonnen/Stunde).

Jährliche CO2-Emissionen des Blocks 2
Jahr 2005 2006 2007 2008 2009 2015
CO2-Emissionen in Mio. Tonne pro Jahr 2,231 1,684 2,186 2,139 1,897 2,65

1993 erhielt das Heizkraftwerk Nord die jährlich vom Power Magazine vergebene Auszeichnung Powerplant Award für eine umweltverträgliche und innovative Stromerzeugung.[2]

Bürgerentscheid[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Dezember 2015 hat ein Bündnis aus 40 Organisationen und Parteien ein Bürgerbegehren zur Abschaltung des Kohlekraftwerks gestartet.[3] Am 5. November 2017 fand der Bürgerentscheid "Raus aus der Steinkohle" statt. Gut 118.000 Abstimmende (60,4 %) stimmten dafür, den Kraftwerksblock zum 31. Dezember 2022 stillzulegen. Die Beteiligung lag bei 17,8 %.[4][5] Im Juli 2019 wurde allerdings berichtet, dass die Bundesnetzagentur voraussichtlich ein Veto gegen die Kraftwerksstilllegung einlegen wird, um die Fernwärmeversorgung sicherzustellen. Es sei daher anzunehmen, dass das Kraftwerk mit gedrosselter Leistung bis etwa 2026–2028 weiterlaufen wird.[6]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Heizkraftwerk München Nord – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Heizkraftwerk Nord. Abgerufen am 15. Februar 2021.
  2. awm-muenchen.de: Stadt München hat den Müll im Griff, Pressegespräch mit Kommunalreferentin Gabriele Friderich am 7. August 2005
  3. https://www.merkur.de/lokales/muenchen/stadt-muenchen/kohlekraftwerk-muenchen-nord-buendnis-gegen-stinker-5907492.html
  4. Das Münchner Kohlekraftwerk muss vom Netz Süddeutsche Zeitung vom 5. November 2017
  5. amtliches Endergebnis des Bürgerentscheides Online-Präsentation der Landeshauptstadt München. Abgerufen am 10. November 2017.
  6. Aus dem schnellen Kohleausstieg wird nichts. sueddeutsche.de, 3. Juli 2019, abgerufen am 8. Juli 2019.