Henri Boulad

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Henri Boulad (2014)

Henri Boulad SJ (* 28. August 1931 in Alexandria, Ägypten) ist ein ägyptisch-libanesischer-ungarischer Jesuit, Mystiker und Buchautor.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Henri Boulad, Sohn einer italienisch-syrischen Familie, trat 1950 der Ordensgemeinschaft der Jesuiten bei und absolvierte sein zweijähriges Noviziat in Bikfaya im Libanon. Anschließend studierte er in Frankreich von 1952 bis 1954 Literaturwissenschaften in Laval und von 1954 bis 1957 Philosophie in Chantilly. Er lehrte zwei Jahre lang am Jesuitenkolleg in Kairo und studierte von 1959 bis 1963 Katholische Theologie im Libanon. Er empfing 1963 im melkitischen Ritus die Priesterweihe.[1] 1965 nahm er an einem ordensinternen Ausbildungsprogramm der Jesuiten in Pomfret (Connecticut) teil und absolvierte ein Promotionsstudium der Psychologie an der Universität Chicago.[2]

Seit 1967 ist er in Ägypten tätig. Er war Oberer der Jesuiten von Alexandrien, Regionaloberer der Jesuiten Ägyptens sowie Professor der Theologie in Kairo. Von 1984 bis 1995 war er Leiter der Caritas in Ägypten und Präsident der Caritas Nordafrikas und des Mittleren Ostens. Von 1991 bis 1995 war er Vizepräsident von Caritas International für den Nahen Osten und Nordafrika. 2004 wurde er Rektor des Jesuitenkollegs von Kairo.

Mit seinem 2007 geschriebenen Brief SOS pour l’Église d’aujourd’hui („SOS für die Kirche von heute“) an Papst Benedikt XVI., der 2009 veröffentlicht wurde, mahnte er ein Umdenken in der katholischen Kirche an und trat für eine theologische und spirituelle Neubesinnung und Vertiefung der kirchlichen Verkündigung verbunden mir pastoralen und katechetischen Reformen ein, die im Rahmen einer Generalsynode der Weltkirche abgestimmt werden sollten.[1] 2010 stellte er fest, dass Europa „die Seele abhanden gekommen sei“.[3]

Im Frühjahr 2017 erwarb er die ungarische Staatsbürgerschaft.[4][5] Nach eigener Darstellung möchte er auf diese Weise seine Unterstützung für die restriktive Flüchtlingspolitik Ungarns unter Präsident Viktor Orbán zum Ausdruck bringen.[6]

Seine zahlreichen Bücher hat Boulad in vierzehn Sprachen veröffentlicht,[2] darunter Französisch, Arabisch und Deutsch.

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mystische Erfahrung und soziales Engagement. Müller, Salzburg 1997, ISBN 3-7013-0950-7.[7]
  • Jesus in diesen Tagen. Zwölf moderne Gleichnisse. (Topos-Plus-Taschenbücher; Bd. 377). Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 2001, ISBN 3-7867-8377-2.[8]
  • Die Vernunft des Herzens. Wohin die Seele strebt. 4. Auflage. Müller, Salzburg 2003, ISBN 3-7013-1071-8.[7]
  • Stärkeres Tun, stärkeres Sein. Leid und Sendung der Frau. 2. Auflage. Müller, Salzburg 1999, ISBN 3-7013-0963-9.[8]
  • Samuel, Samuel! Alexandrinische Predigten (Topos-Plus-Taschenbücher; Bd. 450). Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 2002, ISBN 3-7867-8450-7.[8]
  • Gottessöhne, Gottestöchter. Gelebte Existenzreligion (Topos-Plus-Taschenbücher; Bd. 517). Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 2004, ISBN 3-7867-8517-1.[8]
  • Les dimensions de l'amour. Michel, Paris 1996, ISBN 2-226-08731-1.
    • deutsch: Dimensionen der Liebe. Persönliche Aufzeichnungen. Edition Tau, Mattersburg 1996, ISBN 3-900977-10-0.
  • L'homme et le mystère du temps. Édition Téqui, Paris 1987, ISBN 2-85244-836-X.
    • deutsch: Alles ist Gnade. Der Mensch und das Mysterium der Zeit. 3. Auflage. Müller, Salzburg 2003, ISBN 3-7013-1070-X.
  • Der mystische Leib. Kosmischer Zugang zur Eucharistie. Edition Tau, Bad Sauerbrunn 1993, ISBN 3-900977-28-3.
  • Sturm und Sonne. Christus als Stein des Anstoßes in Europa. Müller, Salzburg 2010, ISBN 978-3-7013-1174-3.[7]
  • Die tausend Gesichter des Geistes. Müller, Salzburg 2001, ISBN 3-7013-1042-4.[7]
  • L'homme face à sa liberté. L'anti-destin. Presses de la Renaissance, Paris 1999, ISBN 2-85616-731-4.
    • deutsch: Ordne deine Tage in Freiheit. Selbstverwirklichung und Erlösung. Herold-Verlag, Wien 2000, ISBN 3-7008-0331-1.[8]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Henri Boulad schreibt Benedikt XVI.: SOS für die Kirche von heute. In: Imprimatur 43 (2010), Februar 2010, S. 49-52.
  2. a b c „Wer ist Henri Boulad?“ Online-Steckbrief von Hidda Westenberger, Abruf im Mai 2017.
  3. Henri Boulad: „Europa ist die Seele abhanden gekommen“, APA-Presseaussendung zu einen Interview in der Kärntner Kirchenzeitung, 13. August 2010, Abruf im Mai 2017.
  4. Jesuit monk P. Henri Boulad S.J. takes Hungarian citizenship oath. Pressemitteilung vom Büro des ungarischen Ministerpräsidenten, 17. März 2017, Abruf im Mai 2017.
  5. Elég volt kérnie, és magyar állampolgár lett egy alexandriai jezsuita pap („Um die ungarische Staatsbürgerschaft zu erhalten, brauchte ein Jesuit aus Alexandria nur zu fragen“). In: index, 27. März 2017, Abruf im Mai 2017.
  6. Wegen Orbans Migrationspolitik: Bekannter Jesuit Boulad nun ein Ungar. In: Kath.net, 12. Mai 2017, Abruf vom gleichen Tag.
  7. a b c d Nach Originalmitschnitten seiner Vorträge übersetzt von Hidda Westenberger.
  8. a b c d e Übersetzt von Hidda Westenberger.