Herbert Hillebrand

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Herbert Hillebrand (* 6. Juli 1940 in Scherfede) ist ein als „Burgenkönig“ bekannt gewordener deutscher Unternehmer im Bereich der Immobilienwirtschaft.

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1954 begann er eine Lehre als Großhandels- und Bankkaufmann bei einer Raiffeisenbank in Monheim am Rhein. Nach drei weiteren Volontärjahren machte er sich selbstständig. Aus seiner ersten Ehe stammen vier Kinder, mit seiner zweiten Ehefrau, der gebürtigen Kolumbianerin Mónica Hillebrand, hat er sieben Kinder und adoptierte vier weitere. Im Jahre 1973 wurde er durch den Bau von Sozialwohnungen zum DM-Millionär. Er begann danach systematisch, häufig für Symbolpreise sanierungsbedürftige und denkmalgeschützte Burgen und Schlösser vorwiegend in Deutschland zu erwerben, hierfür Fördergelder oder steuerliche Vergünstigungen in Anspruch zu nehmen und die Objekte an seine Kinder zu verschenken. Darunter befanden sich die Burg Rheineck (erworben 1975, veräußert 1999), Burg Kendenich (November 1978), Schloss Bedburg (1980), Schloss Brohleck (1980-September 1995), Schloss Schwansbell (1982), Schloss Augustenburg (Oktober 1987, bereits 1988 mit Gewinn veräußert[1]), Schloss Marienfels (1988-November 1994, danach erwarb 2004 Thomas Gottschalk für 3,5 Millionen Euro das Anwesen), Burg Hemmersbach (1988) wurde zu seinem Wohn- und Geschäftssitz (bis 1997), Schloss Trips (April 1989), Schloss Lipsa (1992) oder Burg Lülsdorf (2006), die letzte erworbene Burg. Insgesamt gehörten ihm 27 Schlösser und Burgen. Für seine unternehmerischen Leistungen erhielt er am 3. Juli 1985 das Bundesverdienstkreuz am Bande.[2][3]

Die Wende in Ostdeutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1990 erwarb er sukzessive nach der Wende in Ostdeutschland über die Treuhandanstalt insgesamt 63 Objekte. Darunter waren die Burgruine Henneberg (1990), das Schloss Neustadt-Glewe (September 1991) und Schloss Hohenerxleben (1993), aber auch erstmals 3 Industrieobjekte. Dazu gehörte die Wallendorfer Porzellanmanufaktur, die Weimar-Porzellan Blankenhain und eine Glashütte. Es gelang ihm nicht, die sich in einer Unternehmenskrise befindlichen verlustbringenden Industrieobjekte zu sanieren. Im April 1995 ging von diesen die Weimar-Porzellan in Konkurs, im selben Monat musste auch die Wellner Bestecke- und Silberwaren – einstmals die größte deutsche Besteckfabrik - Konkurs anmelden. Im Februar 1992 erwarb er Gelände von der Stadt Suhl, musste jedoch das Projekt im Januar 1995 während der Rohbauarbeiten aufgeben.

Krise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hillebrands Immobilien wurden meist mit Bankkrediten finanziert und konnten überwiegend nicht wirtschaftlich geführt werden. Zudem fielen hohe Sanierungsaufwendungen an. Die Konkurse der ostdeutschen Betriebe haben zu finanziellen Schwierigkeiten geführt, die sich auch auf seine wirtschaftliche Situation auswirkten. Die meisten Projekte liefen über die Herbert Hillebrand Baubetreuungs- und Beteiligungs-KG, für deren Verbindlichkeiten er persönlich haftete. Er besaß 1995 insgesamt 135 Immobilienobjekte, darunter 27 Burgen und Schlösser und 3.800 Mietwohnungen. In seinem Geburtsort Scherfede gehören ihm ganze Straßenzüge.[4] Sein Privatvermögen wurde 1995 auf 300 Millionen DM geschätzt. Erste Anzeichen seiner wirtschaftlichen Probleme zeigten sich im Februar 1995, als die Immobilienzeitung berichtete, dass er sich aufgrund von Liquiditätsengpässen bis 1996 von 45 seiner 135 Immobilienobjekte trennen werde.[5] Er musste fast 1.000 Beschäftigte entlassen.

So musste er die Bauarbeiten am 165,5 m hohen Kölnturm im Kölner Mediapark im April 1995 zeitweise einstellen. Im Januar 1996 hatte er eigens eine Projektgesellschaft für die Bebauung des Mediaparks (Block 5) gegründet. Bereits im März 1996 wurde eine Vertragsstrafe wegen verschuldeter Bauzeitverzögerungen gegen ihn verhängt.[6] Seine Schulden bei 26 Banken beliefen sich inzwischen auf 804 Millionen DM,[7] Konkursantrag wurde jedoch vom Finanzamt Bergheim wegen 10 Millionen DM Steuerschulden im Dezember 1999 gestellt; gegen sein Finanzamt hatte er zuvor zwei Prozesse vor dem Finanzgericht gewonnen. Zum Insolvenzverwalter wurde Hans-Gerd Jauch bestellt, der das Restvermögen, darunter Burg Hemmersbach, verkaufte. Außerdem wurde Hillebrand im Februar 2000 wegen Veruntreuung öffentlicher Gelder und mehrfachen Betrugs vom Landgericht Köln zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt.

Überwindung der Krise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit Oktober 2003 führt Herbert Hillebrand von Burg Mödrath seine Hillebrand Children GmbH, die seine Kinder in Vermögensangelegenheiten berät.[8] In jenem Jahr besaß er (genauer: seine Kinder) noch 15 Burgen, von den übrigen musste er sich liquiditätsbedingt trennen. Für seine Kinder kauft und saniert er weiterhin Immobilien, die langfristig im Familienbestand verbleiben sollen. Unter anderem erwarb er im Jahre 2006 750 Wohnungen auf Rügen.

Während der Zeit seiner Unternehmenstätigkeit hat sich Hillebrand als sehr sozial erwiesen. Er lud Patienten der Rheinischen Kliniken Düren zum Urlaub in seine Schlösser ein, unterstützte und baute Kinderheime, Schulen und Kliniken in Bogotá, wo mehr als 5000 Kinder in von ihm gebauten und unterstützten Einrichtungen leben.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ute Grau/Ernst Otto Bräunche, Schloss Augustenburg, 2000, S. 56
  2. Bundespräsidialamt
  3. FOCUS Magazin Nr. 17 vom 24. April 1995, König ohne Krone
  4. Internetseite der Hillebrand-Gruppe
  5. Immobilienzeitung, Ausgabe 04/1995 vom 9. Februar 1995, S. 2
  6. ZEIT ONLINE vom 14. Juni 1996, Der Mediapark Köln ist ein teurer Traum
  7. Autoren-Reporter.de, Andreas Molitor, Der Sieger, 2013
  8. Der Spiegel 17/1995 vom 24. April 1995, Krach im Burgenland, S. 100