Hermann Reichelt

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Hermann Reichelt
Grab von Hermann Reichelt auf dem Neuen Annenfriedhof in Dresden[Anm. 1]

Heinrich Hermann Reichelt, auch Heinrich Herrmann (* 18. März 1878 in der Inneren Altstadt in Dresden[1]; † 10. April 1914 in Dresden-Friedrichstadt[2]) war ein deutscher Flugpionier.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hermann Reichelt war freischaffender Fotograf und Kunstmaler, als er 1909 auf der ILA in Frankfurt/Main zum ersten Mal in seinem Leben „richtige“ Flugmaschinen sah. Mit Hilfe des ebenfalls anwesenden August Euler baute er nach eigenen, vorher entworfenen Plänen in wenigen Tagen ein Gleitflugzeug zusammen, mit dem er prompt den auf 3000 Mark dotierten ILA-Preis für den besten Gleitflug gewann.[3]

Eine Weile führte er seine Gleitflug-Versuche auf dem Dresdner Heller fort, dann wagte er sich an erste Motorflugzeugkonstruktionen. 1911 trat er in die Oswald-Kahnt-Flugschule Leipzig-Lindenthal ein und erwarb am 26. April 1913 auf dem Flugplatz Johannisthal als 388. Pilot ein deutsches Flugzeugführer-Zeugnis.[4] Im selben Jahr gründete er zusammen mit Melli Beese und Charles Boutard in Berlin-Johannisthal die Flugschule Melli Beese GmbH.

Seine eigene Flugschule mit angeschlossenen Flugzeug-Werkstätten wurde im Frühling 1913 aus der Taufe gehoben und Hermann Reichelt nahm an seinen ersten Motorflug-Wettbewerben teil. Mit seinem Harlan-Eindecker gewann er am 22. Juli 1913 den Großen Preis der Nationalflugspende (4000--Rente) für einen 500-km-Überlandflug von Kiel über Berlin nach Posen, den er zusammen mit seinem Neffen Kurt Hähnel absolvierte.[5] Am 9. September übertraf er diese Leistung mit der 1025 km langen Strecke Berlin–Brüssel–Paris–Villacoublay.

Sein dritter Rekordversuch sollte von Berlin ins spanische San Sebastian führen. Hermann Reichelt startete am 14. Oktober 1913 um 0:41 Uhr und war somit der erste Pilot, der einen Langstreckenflug bei Nacht ausführte. Die Reise endete nach dem Ausfall des Mercedes-Motors jedoch östlich von Köln (in Morsbach) auf dem Dach eines Bauernhauses mit einer Bruchlandung, Hermann Reichelt und sein Passagier blieben unverletzt.[6]

Reichelt ging Ende 1913 nach Dresden zurück und eröffnete auf dem neuentstandenen Flugplatz Dresden-Kaditz zusammen mit dem Ingenieur Hugo Allers jr. am 18. Dezember 1913 die Flugzeugbau- und Fliegerschule AERO Gesellschaft und hielt nebenbei Rundflüge mit zahlenden Passagieren ab.

Auf einem dieser Flüge kam Hermann Reichelt am 10. April 1914 beim Absturz seines Flugzeugs wegen eines Defektes an der Tragfläche nahe dem Flugplatz Dresden-Kaditz ums Leben. Seine Flugpassagierin und Schwägerin Selma Steglich fand ebenfalls den Tod. Beide wurden auf dem Neuen Annenfriedhof in Dresden beerdigt. Reichelt hinterließ seine Frau Anna Martha Reichelt und drei Söhne.

Würdigung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hermann-Reichelt-Straße, die entlang des Dresdner Flughafens zur Autobahnanschlussstelle Dresden-Flughafen führt, wurde nach ihm benannt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Günter Schmitt, Werner Schwipps: Pioniere der frühen Luftfahrt. Gondrom, Bindlach 1995, ISBN 3-8112-1189-7.
  • Siegfried Reinhardt: Als Fliegen noch ein Wagnis war. Zum 100. Jahrestag der Eröffnung des Flugplatzes Dresden-Kaditz. Engelsdorfer, Dresden, Leipzig 2012, ISBN 978-3-86268-969-9.

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Das auf dem Grabstein angegebene Geburtsjahr ist falsch. Bei der Sanierung der Grabstätte im Jahr 1994 war die Korrektur der letzten Ziffer beauftragt, wurde aber nicht ausgeführt, da die Sanierungsgelder aufgebraucht waren.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. laut Geburtsurkunde Nr. 471 im Personenstandsbuch Geburtenregister Nr. 1-1000 (2. Januar 1878 – 18. Juni 1878) des Königlich Sächsischen Standesamt Dresden I, Signatur 6.4.25-1.2.2-5 im Stadtarchiv Dresden.
  2. laut Sterbeurkunde Nr. 739 im Personenstandsbuch Sterberegister Nr. 1–999 (1. Januar 1914 – 15. Mai 1914) des Königlich Sächsischen Standesamt Dresden II, Signatur 6.4.25-2.4.2-114 im Stadtarchiv Dresden
  3. Frank Lemke (nach Aufzeichnungen von Hermann Reichelt jr.): Der Dresdner Flugpionier Hermann Reichelt. In: Flieger Revue. 4/1994, S. 40/41.
  4. F. Rasch (Hrsg.): Jahrbuch des Deutschen Luftfahrer-Verbandes 1914. Paß & Garleb, Berlin 1914, DNB 012953865, 7. Führerliste, c) Flug-Führer, S. 133 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche [abgerufen am 30. Januar 2018]).
  5. Eberhard Blobel, Lothar Brehmer, Wolfgang Fiedler, Karin Kretschmar, Ansi Zimmerer: Das Werden der deutschen Luftfahrt. In: Lothar Brehmer (Hrsg.): Luftfahrt in Sachsen. UniMedia, Verlag für universelle Medienproduktionen, Leipzig 1998, ISBN 3-932019-32-6, S. 12.
  6. Wolfgang Fiedler: Flugplatz und Luftschiffhafen Dresden-Kaditz. In: Verein „Neue Nachbarschaft Kaditz e. V.“ (Hrsg.): Typisch Kaditz – Geschichte und Geschichten. Dresden: Saxonia 2002. ISBN 3-9808406-4-6. S. 191.