Lindenthal (Leipzig)

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Wappen von Leipzig
Lindenthal
Stadtteil von Leipzig
Koordinaten 51° 23′ 30″ N, 12° 19′ 55″ OKoordinaten: 51° 23′ 30″ N, 12° 19′ 55″ O.
Fläche 12,82 km²
Einwohner 6514 (31. Dez. 2016)
Bevölkerungsdichte 508 Einwohner/km²
Eingemeindung 1. Jan. 1999
Postleitzahl 04158
Vorwahl 0341
Stadtbezirk Nordwest
Verkehrsanbindung
Autobahn A14
Bus 87, 88, 90
Quelle: statistik.leipzig.de
Lindenthaler Hauptstraße (ehemaliger Dorfanger)

Lindenthal ist ein Stadtteil im Nordwesten von Leipzig. 6293 Einwohner lebten am 31. Dezember 2013 auf einer Fläche von 12,8 km². Der Ortsteil umfasst die beiden Gemarkungen Breitenfeld und Lindenthal (mit den beiden alten Ortskernen) und entstand zum 1. Januar 1999 durch Eingemeindung der Gemeinde Lindenthal in die Stadt Leipzig.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindeamt

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lindenthal liegt im Nordwesten von Leipzig. Die Ortsflur wird vom Lindenthaler Wasser (Rietschke) durchflossen.

Im Berliner Bezirk Zehlendorf ist eine Hauptverkehrsstraße „Lindenthaler Allee“ benannt worden, die in direkter Himmelsrichtung vom Berliner Stadtzentrum nach Lindenthal zeigt.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Angrenzende Stadtteile sind Wiederitzsch, Möckern, Wahren, und Lützschena-Stahmeln. Im Norden grenzt mit Radefeld ein Stadtteil von Schkeuditz an Lindenthal.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Erwähnung 1350, im 14. Jahrhundert ist eine erste Kirche belegt. 1720/21 wird die Kirche neu aufgebaut. Am 18. Oktober 1806 Plünderung des Ortes durch französische Truppen. Im Oktober 1813 ist Lindenthal Nebenschauplatz der Völkerschlacht bei Leipzig. Besuche bzw. Übernachtungen von Blücher und Gneisenau sind belegt.

Lindenthal gehörte bis 1815 zum hochstift-merseburgischen Amt Schkeuditz, das seit 1561 unter kursächsischer Hoheit stand und zwischen 1656/57 und 1738 zum Sekundogenitur-Fürstentum Sachsen-Merseburg gehörte.[1] Durch die Beschlüsse des Wiener Kongresses wurde der Westteil des Amts Schkeuditz im Jahr 1815 an Preußen abgetreten. Lindenthal verblieb mit dem Ostteil beim Königreich Sachsen und wurde dem Kreisamt Leipzig angegliedert. Dadurch verlief seit 1815 die neue sächsisch-preußische Grenze nördlich von Lindenthal und Breitenfeld. Ab 1856 gehörte der Ort zum Gerichtsamt Leipzig II und ab 1875 zur Amtshauptmannschaft Leipzig.[2] 1892 entstand die markante Windmühle südöstlich des Ortes. In den 1890er begann die Nutzung eines Teils der nordwestlichen Ortsflur als Exerzierplatz der Leipziger Garnison. In dieser Zeit bildete sich ein (klein-)städtisch geprägtes Ortszentrums am westlichen Ortsrand aus. Lindenthal hatte 1895 1126 Einwohner. Ab 1910 wuchs die Bedeutung des Ortes durch die Gründung des 1. Sächsischen Flugplatzvereins, der Einrichtung eines Flugplatzes und der Gründung der Sächsischen Flugzeug-Werke.

1921/22 erfolgte der Bau des Rathauses. Der Nachbarort Breitenfeld wurde 1923 eingemeindet. Bei der Kreisreform in der DDR wurde Lindenthal im Jahr 1952 dem Kreis Leipzig-Land im Bezirk Leipzig zugeteilt, der 1994 zum Landkreis Leipziger Land kam.

Im Juni 1998 kam es zur Unterzeichnung eines Eingemeindungsvertrages, durch welchen Lindenthal zum 1. Januar 1999 ein Stadtteil Leipzigs wurde. Der Leipziger Ortsteil Lindenthal gehört zum Stadtbezirk Nordwest und umfasst die Orte Lindenthal und Breitenfeld.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortschaftsrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsvorsteher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit der Eingemeindung war Thomas Kuhnert (CDU) Ortsvorsteher von Lindenthal. Nach der Neuwahl des Ortschaftsrates 2014 übernahm Thomas Hoffmann (CDU) dieses Amt[3].

Kultur und Freizeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gustav-Adolf-Kirche

TSV Einheit Lindenthal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Lindenthal gibt es den Sportverein TSV Einheit Lindenthal e. V. Dieser wurde im Jahr 1872 gegründet. Früher war der Verein als BSG Einheit Lindenthal bekannt.

Der TSV Einheit Lindenthal hat viele verschiedene Jugendmannschaften und einen Herrenbereich, wo 3 Herrenmannschaften (1.Herren, 2.Herren und eine Ü40) aktiv spielen. Ihre Vereinsfarben sind Grün-Weiß und Sie haben viele verschiedene Sponsoren (z. B. Rothkegel Baumarkt, Sparkasse Leipzig, Früchte Armbrust)

Der TSV Einheit Lindenthal bietet außerdem die Sportarten Kegeln, Radball und Gymnastik an.

Zur Zeit der DDR gab es noch einen Leichtathletikverein.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Südlich des alten Dorfangers befindet sich als markantes Ensemble die Gustav-Adolf-Kirche, die Kantorei und die ehemalige Schule, in der sich jetzt ein Jugendklub befindet. Nördlich der Kirche erinnert ein Gedenkstein an die Gefallenen der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 auf Lindenthaler Flur. Insgesamt drei Apelsteine markieren Schauplätze der Schlacht: Nr. 16 am Friedhof, Nr. 18 in der Karl-Mansfeld-Straße und Nr. 46 An der Hufschmiede. Das Denkmal der 53 am südwestlichen Rand des Tannenwalds erinnert an die namentlich bekannten Opfer eines Massakers in den letzten Kriegstagen 1945, bei dem tatsächlich 53 politische Häftlinge unterschiedlicher politischer Richtung durch Gestapo- und SS-Männer per Genickschuss ermordet wurden. Darunter befanden sich Margarete Bothe und Alfred Kästner.

Naherholung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Gelände des ehemaligen Freibads befindet sich heute ein naturnah gestaltetes Ökologisches Familienbad mit Restaurant und Sauna. Nachdem es im August 2014 vorübergehend schließen musste, wird es nach abgeschlossenen Sanierungsarbeiten im Jahr 2016 wiedereröffnet werden[4]. Der Ortschaftsrat hatte sich für einen Erhalt ausgesprochen, da dieser im Eingemeindungsvertrag festgeschrieben war.

Nördlich der Lindenthaler Ortslage stellt der Tannenwald (tatsächlich ein Laubwald) ein im Leipziger Norden seltenes zusammenhängendes Waldgebiet dar. Nach jahrzehntelanger Nutzung des Waldes und der Flächen westlich davon als Exerzierplatz durch die Rote Armee ist heute Ruhe eingekehrt. Die Bewahrung des Waldes als Vogelschutzgebiet war vorgesehen. Ein geplanter Radweg südlich des Waldes auf der Strecke der Alten Salzstraße soll das Gebiet weiter zur Naherholung erschließen. Die im Süden angrenzende ehemalige Deponie wurde saniert und ein Aussichtspunkt eingerichtet.

Wirtschafts-, Bevölkerungs- und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kleinere Gewerbe- und Handwerksbetriebe, zwei Supermärkte und eine Tankstelle existieren in Lindenthal. Die Arbeitslosenquote im Ort zählt mit unter 10 % zu den geringsten in Leipzig.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein leichter Bevölkerungsrückgang (−0,2 bis −0,5 %) war 2004 zu verzeichnen. Lindenthal gehört zu den vergleichsweise „jungen“ Leipziger Stadtteilen, der Anteil der über 65-Jährigen beträgt unter 21 %. Der Ausländeranteil beträgt unter 1 %.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über die ASt Leipzig-Nord ist Lindenthal gut an die A 14 angeschlossen. Die Buslinien 87, 88 und 90 der LVB verbinden Lindenthal mit dem Rest Leipzigs. Im 20. Jahrhundert wiederholt diskutierte Pläne zur Anbindung Lindenthals an das Leipziger Straßenbahnnetz über Wahren oder Gohlis kamen nicht zur Ausführung, die Verlängerung der Linie 4 von der Endstelle Gohlis, Landsberger Straße wird aber weiterhin im Flächennutzungsplan freigehalten.

Die nächstgelegene S-Bahn-Station befindet sich nur unweit der südlichen Ortsgrenze in Wahren und wird von der Linie S 3 der S-Bahn Mitteldeutschland im Halbstundentakt bedient. Sie stellt eine schnelle, umsteigefreie Verbindung in die Leipziger Innenstadt, zu den Hauptbahnhöfen von Leipzig und Halle, sowie ins südliche Leipziger Umland bis nach Geithain dar.

Die Verkehrsbelastung im Ort ist durch den Aus- und Umbau der Staatsstraße 1 (Louise-Otto-Peters-Allee) von Möckern zur ASt Leipzig-Nord östlich von Lindenthal zurückgegangen. In Kombination mit der B6n (Travniker Straße) existiert nun eine Umgehung für den Ort.

Lindenthaler Impressionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lindenthal und Breitenfeld. Eine historische und städtebauliche Studie. PRO LEIPZIG e. V., Leipzig 1999.
  • Cornelius Gurlitt: Lindenthal. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 16. Heft: Amtshauptmannschaft Leipzig (Leipzig Land). C. C. Meinhold, Dresden 1894, S. 77.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Lindenthal (Leipzig) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas, Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0;S. 84 f.
  2. Die Amtshauptmannschaft Leipzig im Gemeindeverzeichnis 1900
  3. http://www.leipzig.de/buergerservice-und-verwaltung/stadtrat/ortschaftsraete/lindenthal/
  4. LVZ-Online: Ökobad Lindenthal – Sanierung nahezu abgeschlossen / Lokales / Leipzig - LVZ - Leipziger Volkszeitung. In: www.lvz.de. Abgerufen am 22. April 2016.