Hessisches Landestheater Marburg

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Frontseite und Eingangsbereich des HLTH seit der Neugestaltung 2010

Das Hessische Landestheater Marburg, kurz auch Hessisches Landestheater, ist ein durch öffentliche Mittel, Einnahmen von Spenden sowie Eintrittsgelder finanzierter Kulturbetrieb in Marburg. Es ist einer der sechs öffentlich getragenen Theaterbetriebe im Land Hessen.

Das Theater verfügt über vier größere und kleinere Spielstätten sowie eine Werkstatt mit eigener Schreinerei.

Mit einem saisonal fest engagierten Ensemble, einem regieführenden Intendanten und mehreren Dramaturgen, sowie Auszubildenden der Veranstaltungstechnik aber auch mit Gastauftritten und Fremdinszenierungen zeigt das HLTH Schauspiele, Improvisations-, Provokations- und Imaginationstheater sowie Kindertheater oder Soloprogramme. Des Weiteren findet alljährlich die Hessische Kinder- und Jugendtheaterwoche unter dem Namen „KUSS – Kuck.Schau.Spiel“ mit zahlreichen Gastspielen statt.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Philippshaus (Unistraße)

Die Gründung erfolgte nach dem Krieg 1945 durch Lothar Brixius, einem Studenten und Ina Köhler einer Schauspielerin. Weiterhin schlossen sich Walter Leinweber und Dr. Friedrich Leinert, der damalige Organist der Lutherkirche an und gründeten die „Marburger Spielgemeinschaft“. Dr. Fritz Budde, der Leiter des Lektorats für Sprechkunde, Vortragskunst und Theaterkunde der Universität war zuerst gegen dieses Laienschauspiel, später sagte aber auch er seine Unterstützung zu. Nach vielen Anfangsschwierigkeiten, wie den fehlenden Requisiten, der Aufführgenehmigung bei den amerikanischen Besatzern oder auch dem fehlenden Spielort wurde am 2. September 1945 Premiere gefeiert. Der erste Spielort war das Philippshaus der Universitätskirchengemeinde in der Universitätsstraße. Gegen Ende 1945 erfolgte die Neugründung als Marburger Schauspielgruppe.

Schloss Rauischholzhausen, im Vordergrund der Burgteich

Im Mai 1952 inszenierte der durch seine Herkunft mit Marburg verbundene und inzwischen weltberühmte Erwin Piscator in Marburg „Nathan der Weise“ von Gotthold Ephraim Lessing, das er genau zehn Jahre zuvor am Broadway gezeigt hatte.

1969 konnte die neu errichtete Stadthalle, das Erwin-Piscator-Haus, mit Platz für 550 Personen, eingeweiht werden.

1989 wurde das Marburger Schauspiel in das „Nordhessische Landestheater Marburg“ umgewandelt, und nachdem die Pläne für ein Südhessisches Landestheater aufgegeben wurden, in das Hessische Landestheater Marburg.

Spielstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Erwin-Piscator-Haus (Stadthalle)

Das Erwin-Piscator-Haus (Stadthalle) ist die größte Spielstätte und mit einem eigenen klassischen Schnürboden ausgestattet. Es bietet etwa 590 Personen Platz und kann bei Bedarf durch Entfernung einer Zwischenwand auf 920 Plätze erweitert werden. Da ein so großes zahlendes Publikum in der Mittelstadt Marburg samt Landkreis nicht ständig mobilisierbar ist, wurde die Bewirtschaftung einem eigenen Stadthallen-Management übertragen, von dem das Landestheater ausschließlich für seine Großproduktionen die Halle anmietet.

Der eigentliche Sitz des HLTh ist (seit Freiwerden des Gebäudes im Zuge der Aufgabe des Bundeswehr-Standorts) das ehemalige Offizierskasino Am Schwanhof 68-72. Hier befinden sich die beiden ständig genutzten Hauptspielstätten des „Theater am Schwanhof“ (seit 2010 „Bühne“ und „Black Box“ mit 200 bzw. 100 Plätzen). Außerdem sind hier die Büros, die Probebühne und eine verpachtete Theater-Cafeteria. Der Eingangsbereich wurde 2010 aufwändig – ästhetisch repräsentativ – umgestaltet.

Für jeweils eine Produktion pro Saison werden der Fürstensaal im Landgrafenschloss und der Marburger Marktplatz in der Oberstadt als Aufführungsort genutzt. Daneben wurden in der Vergangenheit jeweils für spezielle Produktionen auch schon mal die Freilichtbühne auf dem Schloss, der Hof des alten Gefängnisses und die ehemaligen Remisen des Hochbauamtes in der Innenstadt bespielt. Je nach Bedarf werden ständig auch weitere – etwa für das Sehbehinderten-Angebot „Theater der Dunkelheit“ ein Raum im Schwanhof – angemietet.

Die unter der Intendanz von Ekkehard Dennewitz teils alljährlich genutzten Spielstätten Schlosspark Rauischholzhausen oder Schloss Biedenkopf wurden unter dem neuen Intendanten Matthias Faltz nicht weitergeführt. Rauischholzhausen wird indes durch eine Privatinitiative des früheren HLTh-Oberspielleiters Peter Radestock, der in Marburg seit 2010 das Privat-Theater Kleine Komödie betreibt, vorerst weiterhin bespielt werden.

In den Spielzeiten 2013/2014 sowie 2014/2015 steht die Stadthalle aufgrund aufwändiger Sanierungsarbeiten nicht zur Verfügung. Stattdessen werden die sogenannte Galeria Classica (ein ehemaliges Autohaus an der Schwanallee) sowie die Lutherische Pfarrkirche St. Marien (Marburg) genutzt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Intendanten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regisseure[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berühmte Gastschauspieler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friederike Beckmann: „Menschenskind, laß uns doch Theater spielen!“: vom Marburger Schauspiel zum Hessischen Landestheater Marburg. Festschrift zum 60. Geburtstag des Marburger Schauspiels; Reihe: Marburger Stadtschriften zur Geschichte und Kultur Band 85, Marburg 2005, ISBN 978-3-923820-85-6

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hessische Kinder- und Jugendtheaterwoche

Koordinaten: 50° 47′ 51″ N, 8° 45′ 41″ O